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Die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern im Interview Jeder kann das große Los ziehen

 ·  Thilo Sarrazin beruft sich für sein Programm der positiven Selektion auf die Lernforschung der Psychologin Elsbeth Stern. Sie lehnt diese Vereinnahmung ab. Es mache keinen Sinn, davon zu sprechen, Intelligenz sei zwischen 50 und 80 Prozent erblich.

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Anna Katharina Schrey

@Herr Zierke

Frau Stern behauptet nicht, dass Intelligenzunterschiede erblich seien, sondern betreibt am Anfang des Artikels etwas wissenschaftliche Haarsspaterei ("Herr Sarrazin müsste behaupten, IntelligenzUNTERSCHIEDE seien ... erblich"). Das ist insofern wichtig, da eine Gruppe optimal geförderter Individuen bei gleicher genetischer Disposition im Durchschnitt immer intelligenter sein wird als eine Gruppe weniger geförderter Individuen.
Was sie jedoch weiter im Text schreibt ist, dass die höhere oder niedrigere Intelligenz eben NICHT erblich ist. Zwar gibt es tatsächlich eine im Erbgut verankerte Intelligenz (Zwillingsstudien).
Aber es ist eben nicht das Intelligenz-Gen, das Eltern haben oder eben nicht, und an Kinder weitergeben oder eben nicht. Wie beim Pokern entscheidet nicht eine einzelne Karte über ein gutes Blatt, sondern die Kombination der Karten, und bei jeder Zeugung werden die (genetischen) Karten neu gemischt, so dass die Intelligenzprädisposition von Eltern und Kind wenig korreliert.
Weiterhin hängt das Verhältnis von Genen und Erziehung bei der Intelligenzentwicklung auch davon ab, wie gleich oder ungleich die Startchancen sind. Je gleicher die Gesellschaft, desto mehr kommt die genetische Prädisposition zum Tragen.

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Anna Katharina Schrey

Epigenetik

Ich habe ja auch geschrieben, dass Lamarck nur ein bisschen recht hat. Natürlich ist das keine dauerhafte Änderung des Genoms. Aber wie man mittlerweile weiß, können Methylierungsmuster tatsächlich etwa 2-3 Generationen weitervererbt werden, bevor sie (falls sie nicht neu induziert werden) wieder verschwinden.

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Anna Katharina Schrey

@Herr Klein

Ich dachte, das Problem der Mediziner ist weniger, dass sie nicht mit Statistik umgehen können, sondern dass ihre Patientenzahlen im Allgemeinen zu klein sind, um überhaupt vernünftig Statistik machen zu können? Zudem hält sich jede ernstzunehmende Universitätsklinik ein Heer von Statistikern, die die Studien auswerten, oder gibt die Auswertung gleich an externe Spezialisten weiter.
Dass Sie als Mathematiker gern ein mathematisches Intelligenzmodell hätten, kann ich sehr gut verstehen. Ich als theoretisch arbeitende Biowissenschaftlerin sehe hingegen mathematische Modelle biologischer Zusammenhänge als ein Mittel von vielen, da ihre Qualität - je nach Güte der verwendeten Deskriptoren und Datensätze - von hoch prädiktiv bis hin zu totaler Kaffeesatz-Leserei reichen kann.
Gegenwärtig bleibt also nur der IQ-Test als Maß.
Um herauszufinden, welche genetischen Faktoren eine Rolle spielen, wird man dann wohl einen Biostatistiker oder Machine-learner damit beauftragen, Korrelationen zwischen Gensequenzen und Testergebnissen der Probanden herauszufiltern. Und ich gehe davon aus, dass man dabei eine Menge schwacher Korrelationen gefunden hat, die teilweise wieder untereinander korreliert waren, aber nichts konkretes.

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Dr. Wolfgang Klein

IQ - @Frau Schrey

Zum Thema "Steigen des IQ" empfehle ich den Artikel "Sind wir alle Schlümpfe". Schon seit Jahrzehnten weiß man, das Training, d.h. das wiederholte Ausführen von IQ-Tests, den gemessenen IQ erhöht. Deshalb deuten steigende gemessene IQs nichts über eine Zunahme der Intelligenz aus. Im Übrigen verweise ich dazu auf meine Kommentare zum o.g. Artikel.
Zu Thema "Fakten der Genom-Forschung" hätte ich wissenschaftstheoretische Einwände. Hier handelt es sich zunächst einmal um willkürliche oder weltanschauungsbedingte Interpretationen statistischer Daten. Ein naturwissenschaftliches Vorgehen würde darin bestehen, ein (mathematisches) Intelligenzmodell zu formulieren, das experimentell oder wenigstens durch Beobachtung falsifiziert werden könnte. Leider sehe ich nichts dergleichen.
Im Übrigen ist die Handhabung statistischer Verfahren durch (Mathematik-)Fachfremde ohnehin eher fragwürdig. Ich kenne hier beispielsweise abenteuerliche Interpretationen von Statistik durch Mediziner.

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Dr. Wolfgang Klein

Epigenetik

Epigenetische Effekte ändern nichts am Genom. Die Methylierung der DNA beispielsweise schaltet lediglich vorhandene DNA-Abschnitte ab, so dass Gen-Aktivität unterdrückt wird. Dieser Vorgang betrifft auch Geschlechtszellen, die Methylierung wird jedoch nicht dauerhaft, d.h. über Generationen vererbt.
... Ich ziehe mit meinen Kommentaren zum heutigen FAS-Artikel "Wir sind alle Schlümpfe" um ...

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Oliver Zierke

Intelligenz à la Stern

Herr Sarrazin schreibt, Intelligenz sei erblich, Frau Stern schreibt, es seien die Intelligenzunterschiede, die erblich sind. Beides ist nicht ganz richtig, wobei die Aussage von Frau Stern noch weniger zutreffend ist. Zunächst ist es für die Fragestellung völlig bedeutungslos, ob relative Intelligenzwerte, wie der IQ, oder absolute Werte, wie etwa der Summenwert eines Intelligenztests verwendet werden. Das hat auf die Korrelation keinen Einfluss. Zum zweiten findet die Argumentation auf zwei Ebenen statt: der individuellen und der Gruppenebene. Auf der individuellen Ebene kann Intelligenz vererbt werden, nicht aber Intelligenzunterschiede. Welchen Unterschied sollte ein Kind denn erben? Auf Gruppenebene kann gar nichts vererbt werden. Ein Kind erbt immer nur etwas von seinen Eltern. Korrekt werden die Ergebnisse der Zwillingsstudien etwa so ausgedrückt: „Intelligenzunterschiede (innerhalb einer Gruppe) gehen zu 50% auf genetische Einflüsse zurück und zu 50% auf Umwelteinflüsse.“
Man kann Herrn Sarrazin vielleicht vorwerfen, dass er eine Aussage der Intelligenzforschung nicht vollkommen präzise wiedergegeben hat. Die begangene Ungenauigkeit ist aber für die Argumentation nicht entscheidend.

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Anna Katharina Schrey

Lamarck

Nichts gegen Darwin. Allerdings hat die moderne Epigenetik gezeigt, dass Lamarck tatsächlich ein ganz klein wenig Recht hatte - dass sich nämlich erworbene Eigenschaften als Marker auf der DNA tatsächlich über einige Generationen vererben können :-) .....

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Anna Katharina Schrey

@Herr Klein

Sie können gern "der Meinung" sein, dass sich Intelligenz vererbt - für mich zählen keine Meinungen, sondern Fakten, und offenbar sprechen die Ergebnisse der Genomik-Forschung dagegen.
Daher ist ihre Theorie zwar interessant, aber gegenstandslos, da sie auf falschen Grundannahmen beruht. Genauso wie es eine Theorie wäre, die auf der Grundannahme basierte, die Erde sei eine Scheibe - bloss weil ich "der Meinung" bin, dass es so ist. Oder können Sie mir das Gegenteil beweisen ;-)?
Das von Ihnen geschilderte Szenario läßt sich genauso gut (oder sogar besser) durch kulturelle Einflüsse erklären. Der wichtigste Unterschied zu "früher" ist aber, dass es damals auch für schlechter Gebildete einen Platz in der Gesellschaft gab. Sogar Analphabeten hatten einen Platz. Demzufolge war das, was wir heute unter "Bildung" verstehen, wesentlich weniger wichtig als heute. Die "Nachschulung" ist aber nicht in dem Maße gelungen, in dem sie hätte stattfinden müssen. Das Ergebnis sind die heute scheinbar "Dummen", deren eigentliches Problem eine ideelle Armut ist.
Des Weiteren ist es keinesfalls richtig, dass der IQ - also das, was nach unserem Versständnis und in unserer Kultur als Intelligenz gemessen wird - sinkt. Das Gegenteil ist der Fall.

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Dr. Wolfgang Klein

@Anna Katharina Schrey

Von Volksgruppen habe ich nichts geschrieben. Im Übrigen scheint mir die ganze Diskussion stark politisch geprägt zu sein. Demnächst werden wir aus politischer Räson Darwin verbieten und wieder zu Lamarck zurückgehen. D.h. die Hälse der Giraffen (Phänotyp, nicht Genotyp) wurden länger, damit sie die Blätter in den Bäumen besser erreichen konnten. Lächerlich!
Zurück zu den Volksgruppen. Im Unterschied zu Herrn Sarrazin denke ich, dass zwar möglicherweise Intelligenz in unterschiedlichen Gruppen unterschiedlich verteilt sein könnte, ich bin aber der Meinung, dass das Problem eher bei der eingesessenen deutschen Bevölkerung liegt. Hier gab es vor 1900 ein großes Intelligenzreservoir unter der ungebildeten Bevölkerung. Die zunehmende Auschöpfung dieses Reservoirs durch Bildung hat einen negativen Selektionsprozess in Gang gesetzt: Gebildete genetisch Intelligente stiegen gesellschaftlich auf bekamen weniger Kinder während die nicht bildbaren genetisch Dummen in ihrem sozialen Milieu verblieben und weiterhin viele Kinder bekamen (wenn man sonst nichts zu tun hat). Das sollte statistisch belegbar sein. Das definiert paradoxerweise einen Mechanismus zur Auslöschung von Intelligenz durch Bildung. Ich bitte um ein Gegenargument!

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Anna Katharina Schrey

Herr Klein

Ich muss mich wundern, dass Sie das, was in dem Interview, das wir beide kommentieren, so zentral ist, dass sogar die Überschrift des Artikels bezug darauf nimmt, als von mir in die Welt gesetzten Unsinn abtun!
Vielleicht hilft Ihnen dieser Auszug aus der PResseerklärung der VDBIO weiter:
Genetische Unterschiede und Intelligenz
Dass es bei Volksgruppen genetische Unterschiede in Bezug auf Intelligenzleistungen geben könnte, ist nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens nicht zu erwarten. Intelligenz wird von vielen Genregionen beeinflusst, die in jedem Individuum neu zusammengewürfelt werden. Das kann zu großen Unterschieden innerhalb einer Gruppe führen, wirkt aber gleichzeitig im Vergleich zwischen Gruppen wie ein Puffer. Wissenschaftlich formuliert: die Varianz innerhalb der Gruppe übersteigt die Unterschiede zwischen Gruppen bei weitem. Selbst wenn es zu lokalen Veränderungen der Häufigkeit von Genvarianten kommen sollte (wie z.B. durch Inzucht in Alpentälern), würden diese Verteilungsunterschiede im Falle von Rückkreuzungen schnell wieder ausgeglichen (dafür reicht bereits ein 1%-iger Genfluss). Es ist daher davon auszugehen, dass jede Volksgruppe grundsätzlich das gleiche genetische Potential für Intelligenzleistungen hat.

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Dr. Wolfgang Klein

@Anna Katharina Schrey

Sie wissen schon, dass Ihr Schluss "sexuelle Fortpflanzung => nicht erblich" Unfug ist? Dann dürfte es bei allen Organismen, die sich sexuell fortpflanzen, keine Vererbung geben. Wie Eigenschaften sich bei sexueller Fortpflanzung vererben, kann man schon für einfache Fälle bei Mendel nachlesen (Biologie Mittelstufe). Ich bin als Mathematiker auch kein Spezialist zum Thema "Vererbung", habe aber von früher noch eine Aussage in Erinnerung, dass der IQ eines Kindes in etwa normalverteilt ist um den Mittelwert des IQ der Eltern ist (ich weiß nicht ob's stimmt, zumindest scheint die Annahme nicht ganz aus der Luft gegriffen). Vereinfachend formuliert: Sind die Eltern intelligent, dann sind die Kinder wahrscheinlich ebenfalls intelligent; sind die Eltern dumm, sind die Kinder wahrscheinlich ebenfalls dumm. Schwierig bei der Vererbung von Intelligenz ist, dass man offenbar kein einzelnes oder auch nur eine begrenzte Anzahl von Genen identifizieren kann, welche für Intelligenz verantwortlich ist. Das kann man aber bei anderen physiologischen Eigenschaften, wie beispielsweise dem Konstitutionstyp (Athlet, Pykniker, Leptosom) oder der Lebenserwartung, auch nicht. Trotzdem sind diese Observablen ganz offensichtlich erblich.

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Anna Katharina Schrey

@Alfons Penter

Bitte - lesen Sie diesen Artikel noch einmal - und vielleicht noch die Presseerklärung des
Verbands Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. unter http://idw-online.de/pages/de/news384817!!!
Die einhellige Aussage beider Artikel ist die, dass laut Intelligenzforschung die Intelligenz zwar genetisch vorbestimmt ist, die Karten jedoch bei jeder Zeugung neu gemischt werden - was bedeutet, dass Intelligenz sich NICHT VERERBT!
Dieser "eine Faktor" existiert demnach nicht. Es kommt zu 100% auf den anderen an.
Im übrigen ist Frau Stern nicht die einzige, die die Vereinnahmung ihrer Publikationen durch Sarrazin ablehnt. Güner Balci hat sich auch schon distanziert, und die Erheber der Statistiken, auf die er sich in seinem Buch bezieht, ebenso. Und jemanden zu kritisieren, der das eigene geistige Eigentum in verfälschter Form für eigene Zwecke missbraucht, ist nicht armselig.

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Alfons Penter
Alfons Penter (Phidaro) - 03.09.2010 16:47 Uhr

Armseliges Verhalten der Kritiker

Dass Sarrazins Formulierung "Intelligenz ist zu 50-80 % erblich" mit Sicherheit nicht glücklich gewählt ist, bestreitet niemand. Das Gleiche gilt für die Aussage mit dem sog. "Juden-Gen". Das Problem ist, dass sich jetzt alle Kritiker dumm stellen und so täten, als ob sie nur das verstehen, was ein Mensch wortwörtlich ausdrückt. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt, statt sich mit den grundlegenden Thesen, die dahinter stehen, auseinander zu setzen. Ist natürlich bequem, weil man auf diese Weise einer sachlichen Diskussion aus dem Weg geht.
Stern bezieht sich lediglich auf Sarrazins ungeschickte Formulierung. Dass er selbst häufig genug in seinem Buch geschrieben hat, dass das genetische Intelligenzpotential nicht der einzige Faktor ist, wird gekonnt ignoriert. Es wird so getan, als bestünde das Buch aus dieser einzigen Aussage. Es ist lächerlich. Oft genug hat er betont, dass Bildung der wesentliche vorgeschaltete Faktor ist und die genetische Veranlagung erst dann wesentlich zum Tragen kommt, wenn der Mensch bis zu seinem Maximum gefördert wird.
Trotzdem ändert sich nichts an Sarrazins Hauptthese: Die Gesellschaft wird auch dann relativ "dümmer", wenn sich nur ein Faktor, nämlich das genetische Potential, verringert.

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Anna Katharina Schrey

Hochbegabung

Vielen Dank für das Interview! Vor allem das Schluss-Statement sollten sich alle, die sich mit Integration oder Bildungspolitik beschäftigen, groß gerahmt über den Schreibtisch hängen!
Eines möchte ich jedoch noch hinzufügen.
Frau Stern weist zu Recht darauf hin, dass hinter manch einem verurteilten Schulabbrecher eine nicht entdeckte Hochbegabung steht. Fraglich ist jedoch, ob sie wegen falsch zugeschnittener Intelligenztests nicht früher entdeckt wurde.
Denn wer sich mit dem Thema Hochbegabung befasst hat, weiß, dass die Geschichte fast schon prototypisch ist.
Allerdings nicht nur bei Migranten, sondern quer durch alle Bevölkerungsschichten.
Auch dürfte die Ursache nicht in einem ungeeigneten Test liegen, sondern es wurde wahrscheinlich nie ein Test gemacht. Den gibt es nämlich nur bei Verdacht, und ich fürchte, dass der unbewusste Rassismus in diesem Land schon soweit gediehen ist, dass ein solcher Verdacht bei einem problematischen Hauptschüler noch viel seltener geäußert wird, wenn dieser einen türkischen, arabischen und/oder muslimischen Hintergrund hat! Nicht aus Bosheit - man kommt einfach nicht darauf!

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Anna Katharina Schrey

@Alfons Penter

Einfach den vollständigen Artikel lesen - dann wissen Sie es ;-) ....

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Paul Wilhelm
Paul Wilhelm (pw59) - 03.09.2010 14:16 Uhr

Antwort an Sascha Schäfer

Antwort an Sascha Schäfer
Sie schreiben
"...Sarrazin möchte suggerieren, dass die hier leben Migranten genetisch dumm sind,
indem er auf der einen Seite sagt, schaut euch doch unsere dummen Migranten an
und auf der anderen Seite ohne die Umgebungskomponente zu erwähnen
auf die genetische Vererbung von Intelligenz hinweist!"
Ich lese bei Sarrazin auf Seite 214:
"...
Damit hätten wir ein klassisches Henne-Ei-Problem:
Bis zu welchem Grad sind unterschiedliche Pisa-Ergebnisse
ein Resultat unterschiedlicher Intelligenzniveaus oder andersherum:
Bis zu welchem Grad sorgt unterschiedliche Unterrichtsqualität
für Unterschiede in der gemessenen Intelligenz?
Darauf haben auch die Vertreter des deutschen Pisa-Konsortiums
im Grunde keine Antwort.
Das Problem kann und soll hier auch nicht gelöst werden."
und gleiche Seite weiter unten
"Aber wie gesagt: Die Henne-Ei-Frage soll an dieser Stelle ausdrücklich offen bleiben."
Fazit: es ist Sarrazin damit zumindest bei mir nicht gelungen obige Aussage zu suggerieren.
Ich bin also nicht reingefallen.
Aber ob all seine anderen Leser hinreichend scharfsinnig ...

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Dr. Wolfgang Klein

Notwendige und hinreichende Bedingungen

Jeder, der in Mathematik etwas aufgepasst hat, kennt die Unterscheidung zwischen notwendigen und hinreichenden Bedingungen. Eine Aussage A ist notwendig für B, wenn gilt B => A. Eine Aussage C ist hinreichend für B, wenn gilt C => B.
A wäre eine (unbekannte) Aussage zu Eigenschaften des Genoms, die Voraussetzung für das Erreichen eines bestimmten Intelligenzquotienten (Aussage B) ist. Damit ist sind bestimmte Eigenschaften des Genoms notwendig für das Erreichen eines bestimmten Intelligenzquotienten (B => A). Sie sind aber nicht hinreichend (a =/=> B).
Die Aussage D = "Eine Person erhält eine bestimmte, umfangreiche (Schul)bildung." ist nicht hinreichend für das Erreichen eines bestimmten Intelligenzquotienten (sonst könnte man jeden zum Genie erziehen, was der Erfahrung deutlich widerspricht). Ggf. könnte die Aussage A UND D hinreichend für B sein, was eine grundsätzlich experimentell falsifizierbar wäre.
Aussagen wie "Intelligenz ist zu x Prozent erblich." sind logischer Schwachsinn und zeugen nicht gerade von der Intelligenz des Aussagenden. Der hat offensichtlich im Mathematikunterricht geschlafen.

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Sascha Schäfer

Man sieht die Dinge so, wie man sie sehen will!

Frau Stern sagt, dass Menschen Gene in sich tragen, die für mehr oder weniger Intelligenz sorgen. Ist die Umgebung in die ein Mensch hinein geboren wird jedoch derart, dass sich auch derjenige mit den besten genetischen Voraussetzungen in dieser nicht entfalten kann, so bleibt dieser salopp gesagt dumm, aber immernoch klüger als jemand, der in die selbe gesellschaft geboren wird, jedoch weniger "gute" genetische Voraussetzungen mitbringt. Nun schlussfolgert Sarrazin und so einige Kommentatoren, dass nach der geringen Anzahl der sichtbar intelligenten Migranten, es schließlich nur an den Genen der Migranten liegen kann. Es könnte aber auch genau so gut daran liegen, dass Migranten mit hoher genetischer Intelligenz in einer Umgebung leben, die es ihnen nicht ermöglicht ihr Potenzial zu entwickeln. Herr Sarrazin möchte suggerieren, dass die hier leben Migranten genetisch dumm sind, indem er auf der einen Seite sagt, schaut euch doch unsere dummen Migranten an und auf der anderen Seite ohne die Umgebungskomponente zu erwähnen auf die genetische Vererbung von Intelligenz hinweist! Darauf fallen so manche Menschen rein. Könnte das möglicherweise daran liegen, dass Rassismus genetisch vererbbar ist? Ich hoffe nicht!!!!

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Alfons Penter
Alfons Penter (Phidaro) - 03.09.2010 01:17 Uhr

Wo liegt der Unterschied?

Worin liegt der Fehler in Sarrazins Aussage, dass die Gesellschaft relativ dümmer wird, wenn sich Minderbemittelte überdurchschnittlich vermehren, wenn nicht Intelligenz als feste Eigenschaft, sondern nur Intelligenzunterschiede vererbt werden, wie es Frau Stern behauptet? Die grundlegende Aussage bleibt doch gleich!? Ich sehe nicht, warum die Aussagen Sterns Sarrazins Kernaussage widerspricht.

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Michael Kratel

Korrelation vs. Kausalität

@Herr Schulze:
Natürlich ist es in einem "gesellschaftspolitisch angelegten Buch (...) zulässig anhand von statistischer Korrelation auf mögliche zusammenhänge hinzuweisen". Aber man darf eben nicht den Fehler machen, die Korrelation als Kausalität anzunehmen. Einfach mal "korrelation kausalität variable" googlen, dann wird ihnen der Unterschied (hoffentlich) klar.
@Herr Matto:
"Ein Bildungssystem, welches darauf angelegt ist, Unterschiede einzuebnen und sprachlich lebenslang ungeförderte Kinder aus Parallelgesellschaften mitzunehmen, kann das nicht leisten"
Sie haben recht, das Bildungsystem kann das leisten, es MUSS es leisten. Wozu ist das Bildungsystem denn da, wenn nicht den Spracherwerb der Kinder zu ermöglichen? Das Migrantenkinder aufgrund der oft mangelhaften Beherrschung der deutschen Sprache nicht die gleichen Startchancen haben, wie die Kinder der autochthonen Bevölkerung, sollte eigentlich zur Konsquenz haben, dass im Sinne einer "ausgleichenden Gerechtigkeit" die Förderung dieser Kinder ganz oben auf der Agenda eines Bildungssystems steht (und das tut es ja auch immer öfter).

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