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Debatte ums Humboldtforum : Immer rein ins Feuilleton!

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, vor dem Berliner Schloss Bild: Picture-Alliance

Jahrelang hat er sich um die Debatte über das Humboldtforum verdient gemacht. Jetzt will Hermann Parzinger plötzlich raus aus dem Feuilleton. Aber geht es jetzt nicht erst richtig los?

          Klingt da ein frecher Sound an? Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erklärt mit Blick auf die Debatte um das Konzept des Humboldtforums: „Wir müssen endlich raus aus den Feuilletondebatten.“ Er erklärt das in einem Interview mit der „Berliner Morgenpost“, welches selbst getrost als ein Beitrag zur Feuilletondebatte über das koloniale Erbe und seine angemessene Darstellung gelten kann. Überhaupt ist Parzinger einer von jenen, die sich um die Feuilletondebatte zu dem Thema vielfach verdient gemacht haben, eine Debatte, die freilich weit über die Verlegenheiten ihres institutionellen Berliner Anlasses hinausreicht, und aus der man nicht einfach aussteigen kann, wenn man das Gefühl hat: Die ich rief, die Geister, werde ich nun nicht los.

          Tatsächlich grenzte es an Betriebsblindheit, würde Parzinger jetzt all die Fragen wieder einfangen wollen, die sich aus seinem Anspruch ergeben, mit den vom Humboldtforum neu zu präsentierenden außereuropäischen Sammlungen „die heutige Welt verständlich zu machen, aktuelle Probleme in ihrer historischen Dimension zu erläutern“. Die Fragen, die sich hieraus für den Umgang mit dem kolonialen Erbe ergeben, sind handgreiflich in der Welt, und es ist absehbar, dass jede einzelne von ihnen drei weitere Fragen nach sich zieht und eine Historisierung des ganzen Komplexes nicht gelingen kann, ohne das neokoloniale Kalkül von heute mit in den Blick zu nehmen, das sich hinter dem ökonomistischen Diskurs verbirgt.

          Quer zu den betrieblichen Logiken

          Meint Parzinger, die Analyse des neuen ideologischen Herrenmenschentums betriebsförmig organisieren und institutionell monopolisieren zu können? Eine postkolonial informierte Selbstverständigung über die universalen Werte des Westens lässt sich nicht in Platzhirschmanier führen. Den Diskurs über die Herr-und-Knecht-Verhältnisse von damals und heute einhegen zu wollen, hieße, der kolonialen Utopie des politikfreien Verwaltens aufzusitzen.

          Es ist denn auch der Aufruf zu einer breit und kontrovers geführten Debatte quer zu den betrieblichen Logiken, der Aufruf zu einer waschechten Feuilletondebatte eben, wenn Angela Merkel in einem lässigen Gespräch mit Gabor Steingart über das Sendungsbewusstsein Chinas mitteilt: „So, und der chinesische Präsident sagt, wir müssen ökonomisch noch ein bisschen stärker werden, und dann werden die Leute im Westen schon all ihre Werte vergessen, dann werden ihnen Individualisierung, freie Meinungsäußerung oder Religionsfreiheit alles nicht mehr so wichtig sein.“ Um aktuelle Probleme wie das chinesische „in ihrer historischen Dimension zu erläutern“ (Parzinger), kann es ganz frech nur heißen: Rein in die Feuilletondebatten, nicht raus aus ihnen!

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