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Debatte Der Tod der französischen Kultur

 ·  Ein totenbleich geschminkter Clown blickt traurig auf eine welke rote Blume: Das amerikanische Magazin „Time“ beerdigt die französische Kultur. Frankreichs Medien wehren sich.

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Nicht schon wieder! „Alle vier oder fünf Jahre“, stöhnt Maurice Druon im „Figaro“, „bricht in den Vereinigten Staaten das antifranzösische Fieber aus, und eines ihrer großen Medien verkündet der Welt den Tod der französischen Kultur.“ Maurice Druon muss es wissen. Der Altgaullist blickt auf ein langes Leben zurück, er war Kulturminister und ist als Schriftsteller selber ein Leuchtturm dieser Kultur, der die Amerikaner in regelmäßigen Abständen den Totenschein ausstellen. Jetzt ist wieder „Time“ an der Reihe: „The Death of French Culture“.

Die Schlagzeile wird mit einem totenbleich geschminkten Clown illustriert, der traurig auf eine welke rote Blume blickt. Mit der Unterzeile wird ein neues Spiel propagiert: „Schnell den Namen eines französischen Künstlers oder Schriftstellers mit weltweiter Bedeutung nennen.“ Richtig: Es fällt nicht leicht. „But help is on the way.“ Nicht wirklich. Denn die Titelgeschichte beweist vielmehr, dass dem Leser zu Recht keine Namen einfallen. Jedenfalls keine neuen.

Coca-Colonialisierung

Mit seinen vier oder fünf Jahren liegt Druon nicht falsch. Früher waren amerikanische Attacken auf die Würde der französischen Kultur Gegenangriffe auf den notorischen Antiamerikanismus der Franzosen. Unter Mitterrand hatte Jack Lang die „Coca-Colonialisierung der Köpfe“ gegeißelt. Wegen Chiracs Opposition gegen den Krieg im Irak wurden die höchsten Güter der französischen Alltagskultur - Champagner, Bordeaux - boykottiert und die „french fries“ geächtet. Man hielt das für Schlachten von gestern. Denn inzwischen hat Frankreich einen Präsidenten, der den Irak-Krieg befürwortete, im Amt in Amerika Urlaub machte und die „exception culturelle“ abschaffen will - sie war für Hollywood ein permanentes Ärgernis.

Einen schlechteren Dienst hätten seine undankbaren amerikanischen Freunde Sarkozy jedenfalls nicht erweisen können. Den Gegenangriff führen die französischen Medien, die ihm politisch nahestehen. Mit besonderer Verve tut dies der „Figaro“. Drei Zeitungsseiten an einem einzigen Tag. Eine umfassende Bilanz als Gegenbeweis: Film, Literatur, Kunst, Philosophie. Die linken Medien - „Libération“, „Le Monde“ - kommentieren gelassener. Und registrieren erleichtert, dass der Arm des Präsidenten nicht bis in die amerikanischen Redaktionen hineinreicht. Im Übrigen ist der Skandal auch leicht als anachronistisches Störmanöver im transatlantischen Kulturkrieg durchschaubar. Die Titelgeschichte wird nur in der Europa-Ausgabe gedruckt. Denn in den Vereinigten Staaten kann man mit der französischen Kultur keine Auflage machen.

Quelle: F.A.Z., 06.12.2007, Nr. 284 / Seite 37
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Jahrgang 1951, Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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