Es gibt Schlimmeres als eine misslungene Ausstellung. Aber das Deutsche Historische Museum in Berlin war einmal berühmt für seine zeithistorischen Projekte, die Streit provozierten und durch ungewöhnliche Thesen im Gedächtnis blieben. Das ist lange her. Jetzt wird wieder einmal eine DDR-Schau angeboten, die völlig thesenfrei daherkommt und noch mehr Gemischtwarenhandlung ist als die Vorgängerin 2007; dafür braucht sie weniger Platz. Wieder heißt es im Untertitel unverbindlich „aus den Sammlungen“. Ein Untergeschoss im Pei-Bau wird mit allerlei sozialistischem Geschichtsgerümpel gefüllt. Warum jetzt und nach all dem Dauerjubel zu Mauerfall und Mauerbau und Wiedervereinigung, nach tausend Ausstellungen dazu?
Diese jedenfalls erinnert mehr an die Panik bei Schlussverkäufen - was Sie jetzt nicht sehen, werden Sie nie gesehen haben. „Mehr als zwanzig Jahre nach der Vereinigung sind manche Facetten des Lebens in der DDR nicht mehr präsent“, lautet die Kuratorenbegründung im Ausstellungsflyer, eigentlich ein beruhigender Befund. Trotzdem werden noch einmal die Einkaufsbeutel aus Dederon hergezeigt und diese Putzmittel, die so merkwürdig rochen, und die vielen Büsten der Piecks und Honeckers, alles gleich im Dutzend aufgereiht und gestapelt. Und tatsächlich, wer weiß schon noch, was „KIM“ (Eiermassenproduktion) zu tun hatte mit den „LPG“, womit eben gerade nicht die schicken Ökosupermärkte von heute gemeint sind! Tischaufsätze mit Atom-Fortschrittssymbolen oder in die ungewisse Zukunft stürmenden Sowjetpop-Helden lassen sicher Sammlerherzen höher schlagen, doch was sollen Lehrer und Schulkinder, an die sich die Ausstellung volkspädagogisch wendet, damit anfangen?
Damit all diese Kuriositäten und ästhetischen Zumutungen aus dem DDR-Alltag nicht so ideologisch einseitig daherkommen, hat man zwischen SED-Funktionärsbüsten, Plattenbautypen und sozialistische Sprachungeheuer (EKO, NVA, DSF, ML, IFA,VEB usw.), Uniformen und Honeckers Jagdgewehr ein bisschen was richtig Oppositionelles - vom Neuen Forum (NFo!) - gemixt. Natürlich hängt „NFo“ genauso unverbunden an der Wand wie die sozialistischen Reliquien in ihren Vitrinenschreinen; es fällt aus dem Zeitrahmen, soll aber vielleicht auch das historische Ende dieses Staates im Abkürzungswahn markieren. Ein putzig-historisierender Kramladen: Noch ideenloser kann man Geschichte nicht zeigen. Ehrlicher wäre es, aus „den Sammlungen“ gleich ein praktisches Schaudepot zu machen.
Verlagert.
fridolin hinterhuber (montaxxmontaxx)
- 14.06.2012, 10:28 Uhr