Home
http://www.faz.net/-gqz-6xqqc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Datenschutz im Internet Jetzt fallen die Masken

Google und Facebook haben nun offenbar die letzte Scheu verloren: Die Giganten des Internets ändern ihre Datenschutzbestimmungen und bereiten den nächsten großen Schritt vor, um allwissend und unentbehrlich zu werden.

© dapd Vergrößern Gerätekennungen und Ortsiformationen: Googles Datenschutzänderung hat es in sich

Die Warnungen sind nicht neu: Die Netzgiganten Facebook und Google sind keine „sozialen Netzwerke“ oder Suchmaschinen. Es sind Nutzerdaten-Vermarkter mit dem Ziel, Werbung individueller und gezielter an den Konsumenten zu bringen. Doch in zunehmendem Maße werden Kritiker, die auf diese simple Tatsache hinweisen, als Spielverderber und Online-Spaßbremsen verunglimpft: Was soll schon dabei sein, ein wenig Werbung hier und da, die besser zugeschnitten ist und deswegen weniger nervt. In den letzten Wochen und Monaten jedoch wurde es sogar manchem hartgesottenen Apologeten mulmig.

Was war geschehen? Den Anfang machte Google mit der Erzwingung von anzugebenden Realnamen in seinem neu gestarteten Dienst Google+. Man wolle schließlich den Nutzer kennen, lautete die vage Begründung nach den ersten zaghaften Protesten. Wie immer beim weltgrößten Werbekonzern, war bereits das weitere Vorgehen geplant, sorgfältig abgewogen und getestet. Denn im nächsten Schritt werden nun die Google-Datenschutzbestimmungen geändert.

Für immer gespeichert

Es klingt erst einmal harmlos, schließlich sind die Nutzer solche Änderungen alle paar Monate bereits gewohnt: Man hat ohnehin keine Wahl, man nimmt es hin. Diese Änderung jedoch hat es in sich. Die „Vereinheitlichung“ der Klauseln bringt eine Verknüpfung der Datenbestände der Google-Dienste mit sich. Was bisher getrennt gehandhabt wurde, wird nun verbunden und zusammengeführt. Suchanfragen, Google-Mail, Google-Dokumente, Chat-Daten, umfangreiche Nutzungsdetails der Android-Smartphones, soziale Kontakte bei Google+, mit einiger Wahrscheinlichkeit demnächst auch noch, welche Filme bei der Google-Tochter Youtube angesehen wurden - all das fließt künftig in ein umfassendes Nutzerprofil.

Die Details der neuen „Datenschutzerklärung“ sind haarsträubend. Google genehmigt sich darin nicht nur den Zugriff auf Telefonnummern und Gerätekennungen, sondern auch auf Nummern, Datum und Uhrzeit von Anrufen und SMS sowie verfügbare Ortsinformationen. De facto startet der Wissensmonopolist eine komplette Vorratsdatenspeicherung - mit unklarer Speicherfrist. Und damit es nicht allzu bedrohlich klingt, sind in dem verharmlosend formulierten Text immer wieder Vokabeln wie „möglicherweise“ und „unter Umständen“ eingestreut. Doch die am 1. März in Kraft tretenden Bestimmungen sind ein frontaler Angriff auf die Kernideen der informationellen Selbstbestimmung von Datensparsamkeit bis Zweckbestimmung. Gespeichert wird auf Vorrat, quasi für immer und so viel, wie nur geht.

Ein allwissender Lebenshelfer?

„Don’t be evil“ ist definitiv vorbei. Und es gibt kaum ein Entrinnen, denn der als Suchmaschine getarnte Werbekonzern hat sich in unser aller Online-Leben gefressen. Besonders perfide ist die Situation bei den Android-Telefonen. Ohne Anlegen einer Google-Identität kann man die Funktionen der Geräte nur sehr eingeschränkt nutzen. Das Installieren von Applikationen über den Android-Markt ist nicht möglich, es sei denn, der Nutzer löst sich aus den Google-Fesseln und installiert - soweit verfügbar - eine der freien Varianten des Android-Betriebssystems, die mehr Kontrolle und Steuerungsmöglichkeiten erlauben. Dem unerfahrenen Nutzer bleiben kaum Optionen. Allenfalls kann er sich einen separaten Google-Account für sein Telefon anlegen, um das Datenprofil auf ein Gerät zu beschränken.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Facebook und Verlage Die Presse überschlägt sich

Spiegel und Bild kriechen bei Facebook unter. Springer will angeblich die Huffington Post kaufen. Aber was macht Google? Erleben wir gerade die letzten Tage der Presse oder sind manche Verlage cleverer als die anderen? Mehr Von Michael Hanfeld

13.05.2015, 12:10 Uhr | Feuilleton
Brüssel EU leitet weitere Untersuchung gegen Google ein

Die EU wirft dem Internetunternehmen Google Verfälschung von Suchergebnissen im Internet vor. In seiner Suchmaschine würde Google Treffer für eigene Dienste bevorzugen. Man habe auch eine kartellrechtliche Untersuchung gegen das Betriebssystem Android eingeleitet, teilte die Wettbewerbskommission in Brüssel mit. Mehr

16.04.2015, 11:57 Uhr | Wirtschaft
Facebook und Journalismus Bitte benutzen Sie den Lieferanteneingang

Spiegel und Bild servieren ihre Artikel jetzt direkt Facebook. Geld bekommen sie dafür nicht. Es gibt nicht einmal einen Link zum Urheber. Warum macht die Presse so etwas mit? Mehr Von Michael Hanfeld

15.05.2015, 11:28 Uhr | Feuilleton
Internet Googles Vision von der totalen Vernetzung

Aktienkurse, Katzenvideos, Nachrichten: Wer im Internet sucht, der findet - und das meist mithilfe der Suchmaschine Google. Doch der Technologiekonzern will längst mehr sein: Das Internetunternehmen hat sich selbst zum Weltverbesserer erklärt. Und schraubt schon heute an einem komplett vernetzten Morgen Mehr

14.02.2015, 13:44 Uhr | Wirtschaft
Google und Samsung Geheimdienste wollten offenbar Smartphones ausspionieren

Der amerikanische Geheimdienst hat laut einem Medienbericht die App Stores von Google und Samsung nutzen wollen, um Schadsoftware auf Smartphones zu installieren. Das Vorhaben mit dem Namen Irritant Horn habe vor allem auf Afrika gezielt. Mehr

22.05.2015, 13:46 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.02.2012, 22:11 Uhr

Ü14-Party

Von Michael Hanfeld

Der gemeinsame Jugendkanal von ARD und ZDF ist auf dem Weg - mit einem Budget, das Start-ups die Tränen in die Augen treibt. Beim ZDF glaubt man damit keine großen Sprünge machen zu können. Mehr 2 4