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Das Wetter Dieser Juli

 ·  Der Himmel ist grau, die Aussichten sind trüb: Am Ende heißt es, der Monat sei trotzdem zu warm gewesen. Wärmegewitter und Wolkenbrüche muss man gelassen sehen, wie die „Wettergötter“.

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Wetten, dass wir diesen Sommer eine noch größere Unverschämtheit erleben werden, als das Wetter ohnehin schon eine darstellt? Seit Wochen harren wir bei denkbar trüben Aussichten aus, die auch eine Animierdame wie Claudia „Willkommen zum Wetter“ Kleinert (ARD) nicht nennenswert aufheitern kann, sehen dem nächsten Wärmegewitter entgegen, das sich ja offenbar schon einstellt, sobald die Temperatur zweistellig wird, und erwarten stoisch den vierten Wolkenbruch des Abends - aber irgendwann, wahrscheinlich noch im Juli, wird man uns sagen, eben dieser verdammte Juli sei am Ende doch zu warm gewesen, genaugenommen um 0,2 Grad.

Sonnenscheinstunden und Pegelstände

Was macht man dann? Man rauft sich die nassen Haare und brüllt, in der Annahme, damit im Zeitalter der „gefühlten“ Temperaturen nichts falsch zu machen, mit aller Inbrunst, deren man noch fähig ist, die Wettergötter an: Das ist mir egal! Lasst mich mit euren ewigen Statistiken zufrieden, wenn ich es nämlich so empfinde, dass dieser Juli ganz einfach nicht gut ist, und mit „gut“ meine ich nicht gleich „brütend heiß“, sondern nur für ein paar Stunden stabiles Wetter, damit man weiß, was man anziehen soll, sobald man das Haus verlässt?! So ein Satz kann natürlich nur von sehr geübten Wetterskeptikern gebrüllt werden. Um sich von dem Ausmaß der Empörung einen Begriff zu machen, stelle man sich einfach eine schreiende, den Mund weit aufreißende Figur aus „Peanuts“ vor.

Es war hier mit Bedacht von den „Wettergöttern“ die Rede, denn diesen einen Wettergott, der, ob er nun Dr. Karla Wege oder Uwe Wesp hieß, früher solche Seriosität und Verlässlichkeit ausstrahlte und auch die unangenehmste Hitze im Fernsehstudio nicht zum Anlass nahm, leicht bekleidet zum Dienst zu erscheinen - diesen Typus, der aus dem Wetter nicht mehr machte, als es ist, nämlich irgendwie ganz wichtig und andererseits auch wieder nicht, gibt es nicht mehr. Statt seiner herrscht längst das fast schon obszön augenzwinkernde Hineinziehen des Zuschauers in die allgemeine Wetterfühligkeit, garniert natürlich mit unzähligen, rein zufällig gewonnenen und in keinen Kontext gestellten Daten zu angeblichen Sonnenscheinstunden oder Pegelständen. Man wird irre davon und will es ja auch gar nicht so genau wissen.

Dies ist vielleicht doch der Moment, an Rudi Carrell zu erinnern, jenen großen Wetterfreund, der einst die einzig richtige, weil nicht alles in Erwägung ziehende und damit quasi wie „Goethe war gut“, das andere ganz große Carrell-Lied, verfahrende Frage stellte: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ In diesem Jahr wohl nicht mehr. Carrells Lied erschien übrigens 1975 auch als Single. Auf der Rückseite sang er „Heul nicht“. Daran wollen wir uns halten.

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Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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