16.09.2005 · „Eigenverantwortung für den Rücken“ schlägt Professor Grönemeyer vor. Welche Partei hat das im Programm?
„Eigenverantwortung für den Rücken“ schlägt Professor Grönemeyer vor. Wer seine Fibel durchliest, gelangt ins Zentrum aller Debatten über die Kostensenkung im Krankheitswesen. Wir lernen auf unseren Schulen die Kontinentalverschiebung, aber über die Bandscheiben wissen wir erst etwas, wenn sie sich selber bei uns melden. Wir delegieren das eigene Wohlergehen an das undurchsichtige Zusammenwirken interessierter Kreise: Kassen, Ärzteverbände, Pharmafirmen. Und wir kombinieren Rücksichtslosigkeit des Lebensstils mit Wehleidigkeit im Schadensfall.
Die politische Frage ist jetzt, ob die Einsicht, daß es besser anders wäre, ausreicht, um sie gegenüber den Verführungen durch den Lobbyismus unserer niederen Interessen durchzuhalten. Wenn man so will, ein typisches FDP-Problem: Einsicht ins Bessere der freien, sich selbst tragenden Bürgerlichkeit, die aber der Schwerkraft, dem Begehren und dem Drang zum Mitmachen um jeden Preis allzu leicht nachgibt - Willensschwäche bei Wollensstärke also. Der Leser Grönemeyers würde als Anhänger gesundheitlicher Selbsthilfe die Liberalen bestimmt gerne zu mehr Eigenverantwortung für den Rücken ermuntern. Aber wenn sie, so gestärkt, dann doch wieder umfallen?