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Das Orakel von Oberhausen Krakenkräcker

09.07.2010 ·  Der prophetische Krake Paul hat seine letzten Spieltipps abgegeben. Deutschland und Spanien sollen als Sieger vom Platz gehen. Wer weiß, wie schlau Kraken in Wirklichkeit sind, wird das nicht wundern.

Von Joachim Müller-Jung
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Krake Paul haut sie alle in die Pfanne. Muscheln, Krabben, Garnelen, Fische und Totospieler – Paul vernascht jeden. Das Kraken-Orakel von Oberhausen hat unter den Kameraaugen der Welt zuerst fahrig und dann doch wild entschlossen seine letzten Spieltipps in dieser Weltmeisterschaft abgegeben. Deutschland und Spanien gehen als kleiner und großer Finalsieger vom Platz.

Traurig nur: Oktopus Paul ist danach gleich reif fürs Gnadenbrot. Ein paar Muscheln noch, garniert vielleicht mit Fischfilets, einem herzhaften Hummer oder gehaltvollen Garnelenschwänzen, mehr ist nicht mehr drin. Denn als Schnecken-Vetter erreicht so ein Tintenfisch kaum ein Alter von über vier Jahren. Jetzt ist er bald drei. Höchste Zeit also, ernsthaft über die Lebensumstände dieses prophetischen Kraken nachzudenken. Drei Muschelkräcker Belohnung am Tag zum Beispiel scheinen uns für ein Orakel seines Kalibers nicht gerade üppig. Angeblich braucht er nicht mehr, um glücklich zu sein, behauptet man im Oberhausener Aquarium.

Der Dosenöffner von Jacques Cousteau

Dreimal Muschelknacken für zehn Gramm Glibberfleisch. Offenbar kennt man im Ruhrgebiet den berühmten Dosenöffner von Jacques Cousteau nicht. Vor fünfzig Jahren hatte der drahtige Meeresforscher einen Oktopus vor eine verschraubte Dose gesetzt, die von einer stattlichen Krabbe bewohnt wurde. Cousteau, in seinem erfrischenden Weltwunder-Gestus, demonstrierte, wie der Krake gefühlvoll die Dose aufschraubte und zupackend das mächtige rosa Filet aus dem Panzer schälte.

Nun sitzen Tintenfische, von denen es an die 750 Varianten in allen Längen und Formen gibt, gewöhnlich am Meeresgrund und trainieren insbesondere den schnellen camouflageartigen Wechsel ihres Trikots. Was fast immer weltmeisterlich gelingt und regelmäßige Beute verspricht. Ans Dosenöffnen oder orakelnde Deckelheben jedenfalls muss so ein Krake keinen Gedanken verschwenden.

Rattenmäßiger Verstand, adlerhaftes Linsenauge

Das hat zwei italienische Zoologen vor bald zwanzig Jahren allerdings nicht davon abgehalten, ihrem Tentakelkameraden das Ballspiel beizubringen. Eine Variante des Spiels lautete: Attackiere den roten Ball, und der Fisch gehört dir. Eine zweite Variante war: Guck dir an, welchen Ball dein Nachbar mag, und nimm dir ein Beispiel. Gesagt, getan: Der schlaue Krake mit seinem rattenmäßigen Verstand und seinem adlerhaften Linsenauge muss nicht etwa stundenlang trainieren, um das Spielchen zu verstehen, er attackierte schon nach Minuten des Zuschauens den richtigen Ball. Was lernen wir daraus für Orakel-Krake Paul? Dass im Oberhausener Aquarium offenbar die richtigen Spiele doch im Flimmerkasten laufen.

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