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Männerverein Heimatministerium : Das Spiegelkabinett des Horst Seehofer

Frauen brauchen wir hier nicht: Die Führungsmannschaft des Heimatministeriums Bild: Bundesinnenministerium

Nur weiße Männer mittleren Alters schafften es in die Führungsriege des Heimatministeriums. Gehören Frauen eigentlich zu Deutschland? Ein Kommentar.

          Eines hat Horst Seehofer schon erreicht: Man möchte das Bundesinnenministerium jetzt und immerdar nur noch Heimatministerium nennen, weil die ganze heimelig-bedrohliche Biederkeit des Wortes so herrlich zu dem passt, was Seehofer daraus machen will. Und bereits daraus macht, schließlich hat er als Erstes klargestellt, was nicht zu Deutschland, also zur Heimat, gehört – der Islam. Das äußerte er so krachert, wie man ihn aus Bayern kennt, und fing sich sofort den öffentlichen Widerspruch der Kanzlerin ein. Seitdem hat Seehofer offenbar dazugelernt, denn sein zweites Statement war regelrecht subtil: In der Pressemitteilung auf der Website des Heimatministeriums wurde stolz die neue Führungsriege vorgestellt, und zwar mit einem Foto, das Seehofer inmitten von acht weißen Männern mittleren Alters zeigt, alle Staatssekretäre und Abteilungsleiter.

          Die einzige Vielfalt, die sich auf diesem Foto zeigt, betrifft die tausend Arten, auf die ein Anzug schlecht sitzen kann. Man kann sich hervorragend ausmalen, wie Seehofer jeden Morgen von Büro zu Büro spaziert, sich in jedem aufs Neue darüber freut, dass da jemand hinter dem Schreibtisch sitzt, der aussieht wie er selbst, und dabei „Ho-ho-ho“ lacht wie der Weihnachtsmann. Da würden Frauen wirklich nur stören.

          Gehören Frauen zu Deutschland? Prompt folgte eine Welle der Empörung, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Ministeriums – und das Foto verschwand von der Website. Angeblich weil die Personalien noch nicht alle sicher waren, doch die Namen blieben im Text stehen. Darüber prangt nun ein Bild des Gebäudes, in dem all diese Prachtburschen künftig ihre Arbeit verrichten werden. Man werde das Foto bald wieder veröffentlichen, heißt es, und wirklich, diese implizite Definition von Heimat darf man der Welt nicht vorenthalten. Unsere Freunde in Saudi-Arabien werden begeistert sein, dass wir uns endlich in entscheidenden Punkten so einig sind. Im Verkehrsministerium sieht es übrigens kein bisschen anders aus, da können wir doch endlich mal international punkten: Bei uns wird über Autobahnen und Sicherheit von Männern entschieden, so wie die göttliche Ordnung es vorsieht!

          Auch Menschen mit Migrationshintergrund dürfen zwar für Deutschland Fußball spielen, aber bitte nicht Abteilungen in Ministerien leiten, zumindest nicht dort, wo Seehofer und Scheuer das Sagen haben. Ja gut, manche leben jetzt in dritter Generation hier, aber das macht sie noch lange nicht zu Einheimischen, oder? Mit solchen Personalentscheidungen wird eine Atmosphäre zementiert, in der ohnehin keine Frau und niemand mit Migrationshintergrund arbeiten möchte – es sei denn, um alle rauszuschmeißen und von vorne anzufangen. Der neue Koalitionsvertrag sieht übrigens vor, dass die Leitungspositionen im öffentlichen Dienst bis 2025 gleichberechtigt mit Frauen und Männern zu besetzen sind. Und wer wurde auserkoren, dieses Ziel zu verwirklichen? Genau: das Heimatministerium.

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