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Das Ende von AC/DC : Es war immer Malcolm, hinter jeder Entscheidung

Auf den Rhythmus kommt es an: Malcolm Young, 61 Jahre alt, hinter einem weniger unförmigen Exemplar seiner Gretsch. Bild: interTOPICS/Retna Ltd.

Nachrufe zu Lebzeiten kommen in der Regel zu früh. Wir machen, aus gegebenem Anlass, eine Ausnahme: Die Hardrockband AC/DC ist tot. Nach der schweren Erkrankung von Malcom Young kann die Band nicht mehr sein, was sie einst war.

          Zuerst ein Geständnis: Es war ein Sommertag 1981, kurz nach der Hochzeit von Prince Charles und Lady Di, ich war gerade noch fünfzehn. Mein Vater hatte mich mal wieder zum Friseur gezwungen, und als ich wieder nach Hause kam, ging ich sofort in mein Zimmer, legte die zweite Seite von AC/DCs „Let There Be Rock“ auf, stellte auf nicht mehr familienverträgliche Lautstärke, und schon dröhnten diese unglaublich machtvollen, knochentrockenen Akkorde von „Overdose“ los. Ich stellte mich an die Wand meines Jugendzimmers, vor das Poster der Band und sah mir den winzigen Mann links jetzt ganz genau an, der für diesen wohltuenden Krach verantwortlich war: Malcolm Young.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          So wie er wollte ich auch aussehen: weit über schulterlange, mittig gescheitelte Haare, knautschiges Gesicht mit nach unten zeigenden Mundwinkeln, die Hände in den Jeanstaschen, das weiße T-Shirt liegt eng an, wirft aber noch die entscheidenden Falten; insgesamt: lässig und skeptisch. Ich hatte, als ich ihn so ansah, Tränen in den Augen – vor Wut, weil ich nun wieder für eine Weile ganz besonders schlimm aussah mit meiner bescheuerten Frisur, aber auch, weil ich wusste und ja gerade wieder in voller Lautstärke hörte, dass mehr als lange Haare dazugehörten, um so zu werden wie Malcolm Young.

          Jetzt zur Sache: Unabhängig davon, woran Malcolm Young nun erkrankt ist – entscheidend ist die einhellig bestätigte Vermutung, der AC/DC-Gitarrist werde nie wieder spielen können, weder auf der Bühne noch im Studio. Dennoch hieß es, auch aus dem Mund des eigenen Sängers Brian Johnson, man werde „weitermachen“.

          Der Mann im Hintergrund: Malcom Young liefert mit seines knallharten Riffs und Akkorden den Kraftstoff für die Hardrockband

          Das wird nicht funktionieren. Das Ende der größten Hardrock-Band aller Zeiten ist besiegelt. Malcolm Young ist nicht irgendjemand, nicht nur Gründungsmitglied, sondern der Boss. Es war immer ein Irrtum, wie die breitere, nur oberflächlich interessierte Hörerschaft zu glauben, es komme auf den Leadgitarristen und jüngeren Bruder Angus an. Dieser grundsätzlich nur in Schuluniform auftretende kleine Teufel war von Anfang an zwar die Galions- und Identifikationsfigur; aber seine musikalischen Beiträge sind weniger erheblich.

          Seine Soli jaulen effektvoll, wirken aber auch ein wenig dünn und oft zu leise; seine Intros, mit denen die meisten Songs gestartet werden, klingen ebenfalls bandtypisch und auch gut. Aber erst wenn Malcolm seine anfangs oft düster dräuenden, knallharten Riffs stoisch aus seiner klobigen Gretsch-Gitarre herauswringt und damit die dreckigen Phantasien des Sängers unterlegt, weiß man, was die Stunde geschlagen hat; erst damit entfaltet die Musik ihre unvergleichliche Durchschlagskraft und Wucht, am besten nachzuhören im Lied „Hell’s Bells“.

          Längst wird AC/DC-Musik, die in ihren ersten Jahren von der seriösen Rockkritik nur niedergemacht wurde, aber in Teenagermagazinen schon früh Wohlwollen erntete, in aller Welt bewundert, und zwar für ihren Minimalismus und ihre Effizienz – Eigenschaften, die in hohem Maße Malcolm Young zu verdanken sind, der mit seinen paar Akkorden den Kraftstoff liefert, hinter dessen Formel man, wie bei Coca Cola, so leicht nicht kommt.

          Der Frontmann, aber nicht der Kopf: Angus Young hebt ab

          Nachdem es bis weit in die erste Karrierehälfte hinein üblich war, sich über das vermeintlich Stumpfsinnige und Ideenlose des Ewig-Gleichen abfällig zu äußern, findet insbesondere Malcolm Young für seine Arbeit längst mehr als kollegiale Anerkennung. Frank Zappa („Wenn du etwas über Gitarren lernen willst, musst du AC/DC hören“), die Guns N’ Roses, Keith Richards und viele andere nennen diesen mit wenig Aufwand zustande gekommenen Sound eine Inspiration. Und schon in den späten siebziger Jahren, als man allgemein noch dem progressiven Rock hinterherlief, galt die Band etwas in Londoner Punk-Clubs, in denen sich damals der Widerstand gegen Bombast und Verlogenheit formierte.

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