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„Haus Bastian“ in Berlin : Geschenkt

Das Berliner Galeriehaus Bastian wird nun an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verschenkt. Bild: dpa

Erfreuliche Nachrichten für Hermann Parzinger: Die Familie Bastian hat das Berliner „Haus Bastian“ der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geschenkt. Eine Glosse.

          Jetzt also doch: Nach einem beträchtlichen Hin und Her gaben gestern in Berlin, während eine spätsommerlich milchige Sonne die Szene in allermildestes Licht tauchte, Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, und die Familie Bastian bekannt, dass das Haus Am Kupfergraben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geschenkt wurde. Das jetzt „Haus Bastian“ getaufte Gebäude hatte der Architekt David Chipperfield vor zehn Jahren gegenüber der Museumsinsel als privates Galeriehaus für die Familie Bastian errichtet. In Zukunft soll es als Zentrum für kulturelle Bildung genutzt werden und vor allem ein junges Publikum an die Kunst heranführen.

          Die Schenkung sei „bedingungslos“ und (nach einem zwischenzeitlichen Rückzieher) vollzogen, wie Parzinger betonte. Sie ist eine der größten, die die Stiftung je erhielt, und spektakulär nicht nur aufgrund ihres Wertes. Das Haus Bastian war seit seiner Fertigstellung 2007 gleich in mehrfacher Hinsicht eine gebaute Antithese zu seinem Umfeld. Formal gesehen war seine moderne Gestalt das Gegenteil des Zuckerbäckerstils etwa der rekonstruierten Alten Kommandantur nebenan, deren Fassade aussieht, als sei sie von einem mit Sahne gefüllten 3-D-Drucker aufs Gelände gepresst worden. Chipperfield dagegen verwendete für das Haus Bastian alte unregelmäßige Backsteine und ließ die Wände nur leicht schlämmen. Der Bezug zur Geschichte wird über die Materialität, nicht über mühsam imitierte Formdetails erzielt; das moderne Haus aus echten alten Steinen beschämt die gipsernen Nachäffungen des Historischen.

          Klares Zeichen der Familie Bastian

          Haus Bastian war aber nicht nur stilistisch eine Antithese zu den öffentlichen Häusern. Sichtbar nobler als vieles, was der Staat gegenüber baute, war das Haus auch ein Zeichen für die Macht privater Sammler, die den öffentlichen Häusern Konkurrenz machen. Ob der Kunstbunker von Christian Boros oder die Monumentalkiste, die der einstige Shampoo-Tycoon Thomas Olbricht in die Auguststraße setzte: Auch in Berlin stifteten die Großsammler immer seltener ihre besten Werke den öffentlichen Häusern, sondern bauten sich lieber spektakuläre Selbstdarstellungstempel, und wo doch geschenkt wurde, wird erwartet, dass der Staat ein Haus dafür errichtet, und zwar fix – wie gerade am Berliner Kulturforum beim Projekt für ein Museum des zwanzigsten Jahrhunderts zu beobachten. Als ehemaliger Kurator der Sammlung Marx, die dort unter anderen unterkommen wird, war auch Bastian lange mittendrin in einem oft schwer überschaubaren Kunstsystem, in dem Einkäufe fürs Museum oder vermeintliche Dauerleihgaben plötzlich wieder auf dem Markt gelandet sein sollen.

          Mit der Schenkung setzt die Familie Bastian jetzt ein klares Zeichen für ein Mäzenatentum im Geist großer Stifter wie James Simon; das Haus wird zukünftig nicht Antithese, sondern Portal der öffentlichen Museumslandschaft sein. Man kann nur hoffen, dass die Schenkung Signalwirkung hat – und daran erinnert, dass ein öffentliches Museum nicht nur das Ergebnis staatlicher Kunstankaufpolitik sein kann, wenn es wirklich Ort der Selbstvergewisserung einer Gesellschaft werden will, sondern auch die Summe der Gaben ihrer Bürger sein muss.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

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