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Westerwelles Rede : „Man konnte Mord als Dienstgeschäft abrechnen“

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Für den Hausherrn ein gewichtiges Werk: Guido Westerwelle bei der Vorstellung von „Das Amt” im Auswärtigen Amt Bild: Reuters

Der Bundesaußenminister hat am heutigen Donnerstag in Berlin die Historiker-Studie „Das Amt“ vorgestellt. Guido Westerwelle zeigte sich beschämt darüber, wie das Auswärtige Amt „während der Nazi-Herrschaft schwere Schuld auf sich geladen“ hat. Wir dokumentieren seine Rede.

          Meine Herren Professoren, Exzellenzen, verehrte Gäste, liebe Amtsangehörige, meine sehr geehrten Damen und Herren,

          ich möchte mit einem ausdrücklichen Dank an die Mitglieder der Unabhängigen Historikerkommission beginnen. Professor Conze, Professor Frei, Professor Hayes und Professor Zimmermann, Sie und Ihr ganzes Team haben nach vier Jahren nicht nur ein gewichtiges, sondern vor allem ein wichtiges Werk vorgelegt.

          Dies ist ein notwendiges Buch.

          Westerwelle mit den Herausgebern der Studie: Peter Hayes, Eckart Conze, Moshe Zimmermann und Norbert Frei (von links nach rechts)
          Westerwelle mit den Herausgebern der Studie: Peter Hayes, Eckart Conze, Moshe Zimmermann und Norbert Frei (von links nach rechts) : Bild: REUTERS

          Ihre Studie wird aus den Diskussionen über das Selbstverständnis des Auswärtigen Amtes und der deutschen Diplomaten künftig nicht mehr wegzudenken sein. Ihr Werk gibt Antworten auf zwei zentrale Fragen. Was tat der Auswärtige Dienst im nationalsozialistischen Deutschland? Wie wirkte diese Vergangenheit nach dem Krieg? Erste Antworten kennen wir seit längerem.

          Christopher Browning hat 1978 eine wichtige Studie vorgelegt, und seitdem ist eine ganze Reihe von Publikationen erschienen. Die Arbeit dieser Forscher hat das zuweilen gern gepflegte Bild, das Auswärtige Amt habe die Verbrechen des Naziregimes nur am Rande mitverfolgt oder sich gar bemüht, das Schlimmste zu verhindern, bereits deutlich korrigiert.

          Ihre Arbeit macht dieses Bild runder, facettenreicher, vielschichtiger, manchmal widersprüchlicher, in der Summe aber erheblich klarer. Die Fülle der Details, die Sie für Ihre Studie aus den Akten heraus destilliert haben, verleiht Ihrer Arbeit besonderes Gewicht. Die wissenschaftliche Forschung wird weiter gehen. Die Debatte wird durch die vorgelegte Studie neu angeregt und neu belebt. Zuende ist sie längst nicht.

          Der schwierige Weg zur Transparenz

          Die Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels unserer deutschen Vergangenheit ist schwierig und zuweilen schmerzhaft gewesen. Transparenz und Offenheit konnten das Verdrängen, das Verschweigen und auch das Vertuschen nur schrittweise überwinden. Die Auschwitz-Prozesse in Frankfurt, Willy Brandts Kniefall in Warschau, die Rede Richard von Weizsäckers zum 40. Jahrestag des Kriegsendes, all das waren entscheidende Wegmarken hin zu dieser Aufarbeitung, hin zu dieser Offenheit.

          Nun liegt die Studie der unabhängigen Historikerkommission vor. Ihre Verfasser beschreiben, wie sich das Auswärtige Amt nach der Machtergreifung Hitlers als Institution anpasste. Die Autoren verwenden dafür den Begriff der „Selbstgleichschaltung“. Das Auswärtige Amt war ein Teil, ein aktiver Teil der verbrecherischen Politik des sogenannten Dritten Reiches. Das Auswärtige Amt war unmittelbar in die Gewaltpolitik des Naziregimes eingebunden und frühzeitig über die verbrecherischen Methoden der deutschen Kriegsführung informiert. An der systematischen Vernichtung der europäischen Juden war es mit administrativer Kälte beteiligt.

          Einige der schockierendsten Dokumente aus dieser Zeit sind heute in diesem Saal ausgestellt. Das Protokoll der Wannseekonferenz. Berichte über Judendeportationen aus Frankreich. Die Reisekostenabrechnung des sogenannten „Judenreferenten“ Rademacher. Liquidation von Juden schrieb er als Reisegrund auf. Das Unfassbare war Realität. In diesem Auswärtigen Amt konnte man Mord als Dienstgeschäft abrechnen.

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