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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Darwin Centre in London Wie die Mückenforschung forscht

 ·  Kommunikation unter dem Vorzeichen der bedrohten Umwelt: Das neue Darwin Centre in London ist ein Spiegelbild unseres Zeitgeistes. Die Schaustelle der Forschung ist von jetzt an den Besuchern zugänglich, deren Mitwirkung ausdrücklich erwünscht ist.

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Einem gigantischen Kokon ähnlich wölbt sich die achtundzwanzig Meter hohe Betonschale des neuen Darwin Centre, in dem das Londoner Natural History Museum jetzt seine zwanzig Millionen Trockenpräparate lagert. 2002 hatte das wohl bedeutendste naturhistorische Museum der Welt einen Flügel für seine zoologische Sammlung eröffnet.

Auf die von HOK International entworfene erste Phase des Darwin Centre folgt nun der zweite, mit 78 Millionen Pfund finanzierte Bauabschnitt. Er wird als die wichtigste Entwicklung des Museums seit 1881 angepriesen, als der aus dem British Museum kommende naturkundliche Bestand Quartier in dem neoromanischen Bau von Alfred Waterhouse bezog, der mit seinem hinreißenden Terrakotta-Schmuck zu den beliebtesten Wahrzeichen Londons gehört. Die Funktion des seit diesem Dienstag öffentlich zugänglichen Erweiterungsbaus findet symbolhaften Ausdruck in der Architektur der dänischen Firma C. F. Møller.

Allein die Dimension vermittelt eine Vorstellung des sowohl physisch als auch im übertragenen Sinne voluminösen Inhalts: Stahlkanäle, die den gespritzten Beton fassen, winden sich an der elfenbeinfarbenen Verkleidung aus poliertem Gips wie die Gespinste um die Puppe der Seidenraupe. Eingelassen in eine Glas-und-Stahl-Konstruktion suggeriert der Kokon zugleich ein Museumsexemplar in seinem Behälter und organisches Wachstum. Die Puppe wirkt, als werde im nächsten Moment ein Falter schlüpfen – auch das ein Sinnbild des Wissens, das sich dem Besucher vermitteln soll. Dem Museum geht es darum, seine Relevanz für die moderne Welt kenntlich zu machen und die Öffentlichkeit für die Wahrnehmung und Erkundung der natürlichen Umwelt zu begeistern.

Ein Spiegel unseres Zeitgeistes

Ein Fahrstuhl führt durch den achtstöckigen Kokon hinauf in die oberste Etage, von wo aus man sich entlang einer Rampe durch die Ausstellung schlängelt. Mehr als vierzig interaktive Installationen veranschaulichen die Feldarbeit des Sammelns, das Konservieren der Präparate, ihre Klassifizierung und Analyse, deren akademische Bedeutung, vor allem aber ihre Relevanz etwa für die Bekämpfung von Krankheiten oder die Aufklärung von Verbrechen. Der Besucher wird ständig zum Mitmachen animiert, etwa, indem ihn einer der vielen Freiwilligen, die ihre Passion für die Naturkunde weitergeben wollen, auffordert, Käfer zu sortieren oder an einem Berührungsbildschirm einen Mückenschwarm einzufangen, damit DNS-Sequenzen erfasst werden können. Ein Spiel, das lehrt, wie die Naturwissenschaftler die Übertragung von Malaria zu verhindern suchen.

Immer wieder gibt es Durchblicke in die mit der neusten Technologie ausgestatteten Labore. Dort werden die Forscher selbst zu Exponaten. Man kann sie hinter einer Glaswand beobachten und über ein Mikrofon befragen. Auf einer Karte mit Strichcode lassen sich Informationen speichern und am häuslichen Computer wieder aufrufen. In dem wie ein altes Operationstheater angelegten, doch futuristisch ausgestatteten Attenborough Studio führen Wissenschaftler ihre Arbeit in Schaustücken vor; möglich sind Direktübertragungen aus dem Labor oder gar die Verbindung mit Forschern im Feld.

Kommunikation unter dem Vorzeichen der bedrohten Umwelt ist der Kern des neuen Darwin Centre. Insofern ist es ein Spiegel unseres Zeitgeistes, so wie der Waterhouse-Bau den der Viktorianischen Epoche erfasste.

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Jahrgang 1957, Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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