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Dänemark Kulturkampf um den Kanon

25.01.2006 ·  Von der Meerjungfrau bis zur Oper von Sydney: Dänemark präsentiert einen „nationalen Kanon“ von Werken dänischer Künstler. Vertreten ist auch ein Film von Lars von Trier - doch der reagiert wütend.

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Dänemark verfügt seit Mittwoch über einen amtlichen „nationalen Kulturkanon“. Wie Kulturminister Brian Mikkelsen nach der Vorstellung von insgesamt 108 ausgewählten Werken in sieben Kategorien angab, sei der Kanon ein „Angebot an alle Bürger, klüger zu werden“.

Es gehe hier weder um kulturelle Bevormundung noch um nationale Engstirnigkeit, sagte Mikkelsen im Fernsehen. Der konservative Minister hatte Expertenkomitees bilden lassen für die künstlerischen Sparten Architektur, Literatur, Bühnenkunst, Film, klassische Musik, Populärmusik, Design/Kunsthandwerk, bildende Kunst sowie Kunst für Kinder. Diese wählten jeweils 12 ausschließlich von Dänen geschaffene Werke, darunter etwa für Literatur das Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen oder für Architektur das vom Dänen Jørn Utzon entworfene Opernhaus in Sydney.

Von Trier zerschnitt die Nationalfahne

Der dänische Filmregisseur Lars von Trier, dessen Film „Idioten“ ebenfalls in den Kulturkanon aufgenommen wurde, protestierte gegen das Gesamtvorhaben als „Nationalisierung von Kultur“, indem er in einem Fernsehbeitrag die rotweiße dänische Nationalfahne „Danebrog“ zerschnitt und als völlig rot zusammengenähte Fahne wieder hißte. Dazu spielte er die „Internationale“ ab.

Der konservative Minister Mikkelsen fand das wenig witzig und verteidigte sein Projekt am Dienstag abend im Fernsehen: „Je mehr Bürger den Reichtum und die Vielfalt dänischer Kultur erkennen, um so besser.“ Alle großen Zeitungen präsentierten ihren Lesern am folgenden Tag in dicken Sonderbeilagen, was ab sofort offiziell als unverzichtbarer Kern der dänischen Kulturgeschichte gilt.

„Langer und zäher Nationalkanon“

In Zeiten immer schnellerer Globalisierung sei es um so wichtiger, die eigenen kulturellen Wurzeln zu erkennen, hatte Mikkelsen sein Projekt begründet. Ihm gefällt, daß die Experten darin Kunst äußerst breit definiert haben: Im Kinderkunst-Kanon findet sich einerseits die dänische Version von Donald-Duck-Geschichten und im Literaturkanon die philosophische Schrift „Entweder - Oder“ von Søren Kierkegaard (1813-1855). Die Filmregisseurin Susanne Bier (45), Chefin des Filmkomitees für den Kanon, kann in der Auswahl von zwölf „allgemein gültigen“ Kunstwerken je Sparte nichts Schlechtes sehen. „Das Gute ist doch gerade, daß man sich entscheiden mußte. Das bringt Diskussionen in Gang“, meinte die in Deutschland von der Kritik für „Brothers“ hochgelobte Regisseurin.

Mikkelsen selbst hatte bei einem Kongreß seiner konservativen Partei im letzten Herbst den nationalen Kanon als Teil eines „langen und zähen Kulturkampfes“ gegen zugewanderte Minoritäten mit „mittelalterlichen Normen“ herausgehoben.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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