Die Welt fragt sich wieder, ob Sie Gott gespielt haben, Dr. Venter. Haben Sie's getan?
Ganz bestimmt nicht. Aber das Klischee taucht halt jedes Mal wieder auf, wenn es in Wissenschaft oder Medizin etwas Neues gibt. Dank sorgfältiger, harter Arbeit und Forschung erfahren wir jetzt etwas mehr über die Grundlagen des Lebens und können dadurch, dass wir ein synthetisches Chromosom hergestellt und in einer Zelle gestartet haben, auch Beweise vorlegen. So haben wir unser Wissen erweitert, aber auch fünfzehn Jahre dafür gebraucht.
Müssen wir nun anders über das Leben und sein Wesen nachdenken?
Ich für meinen Teil denke jetzt völlig anders darüber nach. Die Ergebnisse, die wir vorgelegt haben, zeigen, wie dynamisch Leben ist. Noch sehen die Leute Zellen und Arten als klar fixierte Einheiten, aber wenn man sich an die Mikrobenwelt heran- und in sie hineinzoomt, ändern sich die Dinge dynamisch von einer Sekunde zur andern. Wir haben herausgefunden, dass wir ganz eindeutig durch DNA-Software betriebene Informationsmaschinen sind. Diese Software wird ununterbrochen gelesen. Wenn man sie entfernt, stirbt die Zelle, und wenn man in sie neue Software einfügt, wie wir es mit dem synthetischen Chromosom getan haben, wird die Zelle sie sofort lesen und neue Proteine nach dem Code des neuen Chromosoms erzeugen. Die Zelle verwandelt sich so in eine neue Lebensform. Wir sehen also Leben als dynamischen Prozess, voll und ganz gesteuert vom Informationssystem.
Stellen Sie auch eine neue Art von Leben her?
Nein, wenn ein Mikrobiologe sich diese Zelle anschauen würde, käme er zu dem Ergebnis, es sei ein Mykoplasma, eine Bakterie, und er könnte ihre Eigenart im Verhältnis zu anderen Lebensformen nur erkennen, wenn er wüsste, wie ihr Genom isoliert und ihre DNA sequenziert wurde. Dann erst wäre festzustellen, dass jene DNA menschengemacht ist. Ansonsten haben wir es mit einer ganz gewöhnlichen lebenden, vermehrungsfähigen Zelle zu tun, und ohne Studium ihres genetischen Codes wäre es unmöglich, ihre Besonderheit wahrzunehmen.
Peilen Sie jetzt einen neuen Meilenstein an?
Vor zehn Jahren, nachdem wir das erste menschliche Genom entziffert hatten, habe ich meinem Forschungsteam drei Ziele gesetzt. Erstens sollte die Arbeit am menschlichen Genom fortgesetzt werden, um eine komplette Version vorlegen zu können. Das haben wir 2007 getan. Zweitens sollten wir mehr übers Hauptproblem unserer Zukunft, die Bedrohung der Umwelt, in Erfahrung bringen und Rettungsmaßnahmen entwickeln. Und drittens sollten wir an den Punkt kommen, das erste synthetische Leben herzustellen. Alle drei Forschungsgebiete stehen in Bezug zueinander, und dass wir dabei soviel erreichen konnten, ist für mein Team ein gutes Gefühl und für mich auch. Unser Ziel bleibt es, dass diese Instrumente zum Wohl der Menschheit eingesetzt werden. Bei der Entzifferung des menschlichen Genoms hatte ich damals von einem Rennen nicht an die Ziellinie, sondern an die Startlinie gesprochen. In Sachen synthetisches Genom haben wir soeben die Startlinie überschritten.
Herzlichen Glückwunsch Dr. Venter, die Menschheit hat einen
Emanuel Schwabe (fray048x)
- 24.05.2010, 19:38 Uhr
Also wenn der nicht Gott spielt:
Hermann Nübel (rosenfuchs)
- 24.05.2010, 20:00 Uhr
@"Beamtenforscher"
Christian Oppenländer (Contraton)
- 24.05.2010, 21:21 Uhr
Interessant ist
Ralf Vormbaum (Vormbaum)
- 24.05.2010, 21:22 Uhr
Ein wirklicher Querdenker
Max Munter (mueller1000)
- 24.05.2010, 21:23 Uhr