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Computerspiele Trittbrettfahrer blasen zur Jagd auf Saddam

18.12.2002 ·  Opportunistisch, zynisch oder realistisch? Das Computerspiel „Quest for Saddam“ gibt einen Diktator zum Abschuss frei.

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Ob Computerspiele das Potenzial besitzen, die Inszenierung für Gewalt vorzugeben, wurde im Zusammenhang mit „Counterstrike“ und dem Schulmassaker von Erfurt leidenschaftlich diskutiert, und das nirgendwo so ausgiebig wie in der F.A.Z. und auf den Foren von FAZ.NET.

Dass diese Welt des ungehemmten Aggressions-Abbaus opportunistisch genug ist, auch einen möglichen Kriege kommerziell auszuschlachten, kann nicht verwundern. Ein 19-jähriger Amerikaner, der schon ein Spiel über Al Qaida herausgegeben hatte, hat jetzt den irakischen Diktator Saddam Hussein in einem Spiel zum Abschuss freigegeben.

„Quest for Saddam“ ist allerdings alles andere als ein politisches Spiel. Saddam Hussein stellt hier keine Bedrohung für den Weltfrieden dar. Sein möglicher Zugang zu Massenvernichtungswaffen spielt ebenfalls keine Rolle. Seine Soldaten sind nur mit AK-47-Gewehren bewaffnet. Ein Journalist des amerikanischen Salon-Magazins, der „Quest for Saddam“ durchspielte, bemängelt auch das jegliche Fehlen von UN-Inspekteuren. Das einzige, worum es geht, ist das Duell zwischen dem Spieler und dem Ziel-Saddam.

Damit werden die Personen komplett austauschbar. Morgen könnte Saddam durch den Diktator Nordkoreas oder einen anderen so genannten „Schurken“ ausgetauscht werden, ohne dass sich der Spielverlauf ändern müsste. Allenfalls die Dekoration müsste verändert werden. Der Irak ist in „Quest for Saddam“ ein zugrunde gerichteter Wüstenstaat, der von Kamelen bevölkert ist und wo von jeder Wand Saddams Konterfei prangt.

„Frustrationsabbau

Entwickelt hat das Spiel der 19-jährige Jesse Petrilla aus dem kalifornischen Malibu. Durch sein Spiel „Quest for Al Qa'eda“ wurde er wenige Monate nach dem 11. September 2001 berühmt. „Salon.com“ verriet er, dass dieses Spiel zwei Millionen mal heruntergeladen wurde. So wie damals sieht er auch jetzt sein Spiel als Möglichkeit für die Amerikaner, ihre außenpolitischen Frustrationen abzubauen. Dass er aus einer angespannten weltpolitischen Lage Kapital schlagen möchte, bestreitet er.

„Quest for Saddam“ ist nicht das einzige Spiel, das einen möglichen Irak-Krieg zum Thema hat. Ein anderes, aufwendigeres Szenario, heißt „Conflict: Desert Storm“ und wurde im Oktober von der Firma „Gotham Games“ auf den Markt gebracht.

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Von Dirk Schümer

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