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Comandante Fidel Castro Echt Supero oder Maximo Langeweiler?

21.05.2006 ·  Fidel Castro geht es blendend: Er hat genügend Pesos und sein Leibarzt jubelt angesichts seines Gesundheitszustands. Aber soll er wirklich 140 Jahre alt werden? Wir streiten uns.

Von Volker Weidermann und Peter Körte
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Fidel Castro geht es blendend: Sein Reichtum ist unumstritten und sein Leibarzt jubelt angesichts seines Gesundheitszustands. Aber soll er wirklich 140 Jahre alt werden? Volker Weidemann ist dafür und Peter Körte dagegen.

Pro: Comandante echt Supero

Klar, der Mann ist unter Druck. Seit Hugo Chavez in Venezuela und Evo Morales in Bolivien das Ruder übernommen haben und sich der alte Lula in Brasilien immer noch als Amerikafeind Nummer eins feiern läßt, muß Fidel Castro sich schon mächtig ins Zeug legen, um als Dauerrevolutionär überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Das ganze schöne Lebenswerk droht am Ende zu verblassen, nur weil diese Kampfzwerge im Süden lauthals ihre Revolutiönchen vermarkten, als hätten sie sie erfunden. Dabei hat er sie erfunden!

Video: Maradona unterstützt Fidel Castro

Er, Fidel, und keiner sonst! Was für Tumulte jeden Morgen im Palast, wenn der Comandante, von seinem ersten Ausritt des Tages zurückgekehrt, die lateinamerikanische Revolutionspresse durchgearbeitet hat und wieder mal kein Wort über sich, sein Land und seine Taten findet. Statt dessen Lügenberichte über sein kleines, geheimes Vermögen. Tränen, Wut und Schimpf und Schande haben die Zeitungsträger des Präsidenten zu ertragen: „Ich will auch endlich irgendwas verstaatlichen wie dieser kleine Pulliträger aus Orinoco“, ruft er seinen Ministern zu, die dann nur leise nicken und verschämt murmeln: „Verzeihung, Comandante, es gibt schon längst nichts mehr, was wir auf Ihrer Insel verstaatlichen können.“

So geht es Tag um Tag, und die Stimmung des Präsidenten mit dem ewig gutgelaunten Vornamen verdüstert und verdüstert sich, dann kommt auch noch dieser lächerliche Arzt vorbei und prognostiziert ein 140jähriges Leben. Doch jetzt, in einem letzten lichten Moment, hat er sein Testament gemacht, in dem er seinen Landsleuten verspricht: „Ich hinterlasse ihnen die Belanglosigkeit. Die ödeste Belanglosigkeit!“ schreibt er. Und endlich hört er sie wieder rufen: „Lang lebe er! Lang lebe Fidel!“

Contra: Maximo Langweiler

Daß wir immer älter werden, ist schon lange kein Geheimnis mehr, man braucht nur in den Vorruhestandssender ZDF zu schauen, da fühlt man sich gleich so alt wie dessen Zielgruppe und möchte schon den Antrag auf Verrentung stellen. Deswegen gibt es auch keinen Anlaß, die Behauptung des Mediziners Eugenio Selman-Housein, dessen Name, wenn man ihn undeutlich vor sich hin murmelt, fast wie Saddam Hussein klingt, zu bezweifeln, sein Patient Fidel Castro werde 140 Jahre alt werden.

Da trifft es sich gut, daß das Magazin „Forbes“ Castro bei seinem jüngsten Zensus auf Platz sieben in der Kategorie „Könige, Königinnen und Diktatoren“ gesetzt hat, mit einem persönlichen Vermögen von zirka 900 Millionen Dollar, was vermutlich reichen wird, um bis zum 140. Geburtstag Miete und Strom zu bezahlen. Castro behauptet zwar, für seinen Job nur 40 Dollar monatlich zu kassieren, aber das ist nur ein Trick, um der Reichensteuer zu entgehen, die auch auf Kuba eingeführt werden könnte, wenn Fidel einmal nicht mehr der Chef ist. So ist seine Rente wenigstens sicher.

Viel beunruhigender ist, daß Castro jenseits der 120 schon vergessen haben könnte, daß er in grauer Vorzeit mal das Batista-Regime gestürzt hat, denn wir haben ja keine gesicherten Erkenntnisse darüber, wie verläßlich das Langzeitgedächtnis bei 120jährigen noch arbeitet. Nach all dem, was wir von sehr alten Leuten wissen, zum Beispiel von Master Yoda, dessen Alter sein geistiger Vater George Lucas mit über 800 Jahren angibt, anfangen sie zu sprechen merkwürdig, das aber nicht merken. Und wenn man an Castros berüchtigte siebenstündige Reden denkt, demnächst vorgetragen in der Yoda-Diktion, dann sind weitere 60 Jahre Fidel vielleicht doch keine so gute Idee.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.05.2006
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Jahrgang 1969, verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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