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Clubkultur : WMF Berlin - Party unter der Abrissbirne

  • -Aktualisiert am

Floor im WMF-Club in den Postpakethallen Bild: Heike Ollertz / WMF Berlin

Der „WMF-Club“, für viele der wichtigste Club Berlins, feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen in der Unbeständigkeit.

          Das WMF ist nicht nur der älteste Club in Berlin-Mitte, sondern auch ein Sammelpunkt verschiedenster Szenen, Musikstile und Kunstaktivitäten. Begonnen hat die wechselhafte Geschichte des Clubs Anfang 1991. Damals besetzten Subkultur- und Musikaktivisten das ehemalige Stammhaus der Württembergischen Metallwarenfabrik, kurz „WMF“. Bis heute folgten vier Umzüge innerhalb des ehemaligen Ostens der Hauptstadt. Derzeit befindet sich das WMF in den früheren Postpakethallen Ost-Berlins.

          Die ständigen Umzüge müssen sein. Dafür kann der Club immer wieder spannende, leerstehende DDR-Gebäude bespielen. In Zwischennutzung, erklärt WMF-Betreiber Gerriet Schultz, müsste für diese Standorte auch nur wenig Miete gezahlt werden. Allerdings müsse man bereit sein, die Gebäude mit hoher Eigenleistung zu erhalten. Dabei, erzählt Schultz, säßen einem „immer die Abrissbirne, die Rückübertragung an Prä-DDR-Besitzer oder finanzkräftige Investoren im Genick.“

          Aus der Not, also dem Fehlen einer bezahlbaren Dauerresidenz, hat das WMF aber längst eine kulturelle Tugend gemacht. Schultz nennt sie das „nomadische Prinzip“: „Damit meinen wir nicht nur das geografische Vagabundieren durch Stadträume, sondern auch das Wandern durch verschiedene Musikwelten, die Selbstorganisation in einer informellen Ökonomie, die ständige Neudefinition auf der Basis langjähriger Teamarbeit sowie den Aufbau eines kreativen internationalen Netzwerks.“

          Überwacht wie einst: In der Lounge des WMF-Clubs
          Überwacht wie einst: In der Lounge des WMF-Clubs : Bild: Heike Ollertz / WMF Berlin

          Experimente für alle

          Ein angenehmer Nebeneffekt dieses dynamischen und mobilen Ansatzes: Im WMF wird nicht nur zu Bekehrten gepredigt. Der Club ist kein elitärer Zirkel, in dem nur eingeweihte Spezialisten und Kenner willkommen sind. Ohne deshalb anbiedernd auf ein Massenpublikum zu schielen, hat das WMF immer wieder neue Musikstile präsentiert und lässt diese heute friedlich koexistieren: Drum'n'Bass-Abende wechseln sich mit House-Parties ab. Dazu kommen diverse Partyreihen externer Partnerveranstalter wie der „GMF“-Abend (wobei das „G“ für „Gay“ steht) oder das Nu Jazz-Event „Kaleidoskop“.

          Alle Veranstaltungen werden von renommierten DJs bestritten, und oft sind Live-Auftritte elektronischer Acts Teil des Programms. Ein sanftes „erzieherisches“ Interesse ist dabei unübersehbar - das Ausgehpublikum soll sich auch bei musikalischen Experimenten amüsieren. Erstaunlich oft gelingt das auch. Vor allem in der „Komfort.Labor“ genannten DJ-Lounge geht es avantgardistisch zu: Zu den regelmäßigen „Laboranten“ gehören unter anderem das Label „~scape“ sowie der „Ocean Club“, bei dem die Musiker und DJs durch eine Art musikalisches Hörspiel führen. In besonderen Momenten wird im „Komfort.Labor“ begeisterter getanzt, als auf der eigentlichen Tanzfläche, dem „Mainfloor“ im hinteren Teil der verschachtelten Pakethallen.

          Auch Bilder machen die Musik

          Videokünstler bebildern die DJ-Sets live am Videomixer und haben die Bar mit alten Überwachungsanlagen ausgestattet. Dazu passen die alten DDR-Requisiten im WMF, allen voran die legendäre Rundbar aus dem „Palast der Republik“ im überdachten Innenhof. Mit den geschichtsträchtigen DDR-Designstücken ist das WMF inzwischen zu einem inoffiziellen Archiv des sozialistischen Deutschland geworden.

          Die Plattform zieht weiter

          Wie wird es weitergehen mit dem umtriebigen und unsteten Club? „Wir werden noch dieses Jahr in neue Räume ziehen - man darf gespannt sein“, verspricht Gerriet Schultz. Sicherlich wird es wieder ein interessanter historischer Ort sein. So spektakulär wie die Residenz der Jahre 1992-1993 wird das neue Domizil allerdings wohl kaum sein. Damals befand sich das WMF in den unterirdischen Toilettenanlagen des Mauerstreifens; der Eingang der illegalen Partyräume wurde durch Container getarnt.

          Heute braucht sich das WMF nicht mehr zu verstecken - als kulturelle Plattform hat es sich längst im Berliner Nachtleben etabliert.

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