„Wenn Sie wüssten, was für eine Scheiße ich hier erlebe! Man müsste dieses Theater von Christo verhüllen und abreißen lassen...Dieses Land ist ein Irrenhaus...Über eine Zigarette, die auf der Vorbühne geraucht wird, entscheidet der Bundeskanzler...Das sind für einen Regisseur Lebensfragen“. Wenn das nicht Sätze aus einem Interview, ach was, aus einer Lebenshassbeichte wären, die ein ehemaliger Wiener Burgtheaterdirektor im Interviewstuhl dem Befragungsgroßpriester André Müller ablegte und damit eine direktorenzeitlange Hassliebe der Wiener zu ihm begründete - dann müssten sie einer großen Komödie von Thomas Bernhard zuzurechnen sein. Sie trüge den Titel „Der Claus trügt“ oder „Der ehemalige Direktor des Burgtheaters wird Ehrenmitglied des Irrenhauses“. Nur leider hat Bernhard diese große Burgtheaterdirektorenkomödie nie geschrieben.
Dafür nur drei dramolettische Komödienfingerübungen dazu, die vollendeten Vorstufen der Unvollendeten: „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“ und „Claus Peymann verlässt Bochum und geht als Burgtheaterdirektor nach Wien“; und die schönste dieser Vorstufen „Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese“ (weil darin Hermann Beil vorkommt). Abgründige Harmlosigkeiten, deren Höhepunkt erreicht wird, wenn Hermann Beil in ein kaltes Wiener Schnitzel beißt. Aber jetzt hat die österreichische Wirklichkeit jedwede Bernhardsche Dramatik überboten: Peymann, der das Burgtheater von 1986 bis 1999 leitet, ist unter Zustimmung aller von ihm einst Beleidigten, Erniedrigten und Bekämpften (also der ganzen österreichischen theatralischen Irrenhauskulturnation) zum Ehrenmitglied des Hauses ernannt worden
Dreizehn Jahre nach seinem Abgang. Sein Nachfolger, dem er nie verzieh, dass er ihm nachzufolgen wagte, ist zwar längst Ehrenmitglied, obwohl Klaus Bachler sich heute Nikolaus Bachler nennt und die Bayerische Staatsoper leitet. Auch Klaus Maria Brandauer, der als vielseitiger österreichischer Staatsschauspieler ja immer wie der heimliche Direktor des Hauses wirkt, ist längst Ehrenmitglied. Es ist an Kläusen im Ehrenhain der Burg eigentlich kein Mangel. Aber jetzt wird der fünfundsiebzigjährige Claus Peymann, der zurzeit und wahrscheinlich noch bis 2037 das Berliner Ensemble leitet, am 25.Oktober bei einem Festakt im Foyer der Burg zum Ehrenmitglied promoviert. Die Laudatio hält naturgemäß Maria Happel, die komischste aller Burgschauspielerinnen. Es ist ja auch zum Lachen.
Mir wurde erzählt...
Hubert Appenrodt (HubertAppenrodt)
- 17.10.2012, 11:51 Uhr