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CIA-Akten : Eindeutig paranormal

Das Kaninchen wurde von einem skeptischen Menschen gezeichnet, da kann Geller ja nichts spüren. Bild: dpa

Die CIA öffnet ihr geheimes Archiv zur rechten Zeit: Mit den Protokollen des Stargate-Projekts sollten übernatürliche Fähigkeiten ausgelotet werden.

          Es gibt einen Lichtblick in dieser Zeit, in der allzu gerne das Faktische transzendiert wird und wir uns allenthalben mit Fake-Entitäten mannigfaltigster Art herumzuschlagen haben: Die CIA hat 13 Millionen Seiten aus ihrem Fundus mit deklassifiziertem Faktenmaterial ins Netz gestellt. Geheimdienstliche Tatsachen, sauber gesammelt und protokolliert. Die Dokumente waren, gerichtlich erzwungen, bereits vorher auf vier Computern im Nationalarchiv in Maryland während der regulären Öffnungszeiten zugänglich gewesen. Doch es erforderte erst eine Crowdfunding-Initiative, die damit begann Dokumente auszudrucken und diese ins Netz zu laden, bis die CIA nun auch online einen Zugang zur Datenbank gewährte.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das Filetstück dieser Sammlung sind diejenigen knapp zehntausend Dokumente, die aus dem berüchtigten Stargate-Projekt hervorgegangen sind. Die CIA hatte sich zwischen 1972 und 1995 angeschickt, endlich auf der Grundlage solider, wissenschaftlicher Methoden das Potential parapsychologischer Fähigkeiten für militärische Zwecke auszuloten. Lange vor der Fake-News-Debatte wurden hier unglaublich klingende Zeitungsartikel und Berichte über Seher und Wunderheiler verschiedenster Art geprüft, um so dem Wahrheitsgehalt prophetischer Fähigkeiten auf die Spur zu kommen. Ziel war nichts Geringeres, als die Grenzen menschlicher Fähigkeiten im Experiment faktisch abzuschreiten: „Remote Viewing“ und „Remote Action“, die Fähigkeit, allein durch mentale Mittel Zugang zu versiegelten Daten oder entfernten Orten zu bekommen sowie physikalische oder biologische Systeme zu beeinflussen, sollten im Test erschlossen werden.

          Kosmos mit Irgendwas: Zeichnung von Geller für die CIA.

          Kulturell unfähig, Teufel zu zeichnen

          Der israelische Zauberkünstler Uri Geller war einer der aussichtsreichsten Kandidaten. Die Tests, die zwischen dem 4.und 11. August 1973 mit Geller vorgenommen wurden, verfolgten protokollgemäß das Ziel, „Gellers paranormale Wahrnehmung unter sorgfältig kontrollierten Bedingungen zu verifizieren, um die physischen und psychologischen Variablen zu verstehen, denen diese Fähigkeit unterliegt.“ Die Tests, in denen Geller Zeichnungen reproduzieren sollte, die an einem ihm unzugänglichen Ort hergestellt wurden, begannen vielversprechend.

          Erster Tag: Das zu erkennende Zielobjekt ist ein Feuerwerkskörper, Geller zeichnet einen Zylinder, aus dem Lärm kommt. Zweites Zielobjekt sind Weintrauben. Geller empfängt aus dem Bild kommende Wassertropfen, violette Kreise, schließlich Trauben. Doch schon am nächsten Tag läuft es weniger flüssig: Zielobjekt ist ein Teufel mit Dreizack, Geller zeichnet Mose, die Zehn Gebote, eine Schlange. Ausnahmslos biblische Motive, aber leider die falschen. Vielleicht hat aber auch alles seine Richtigkeit: „Man wird zu der Spekulation verleitet, dass die biblischen Zeichnungen assoziatives Material sind, verursacht durch das Zielbild. Die Unfähigkeit Gellers, den Teufel zu zeichnen, mag kulturell bedingt sein“, so die CIA.

          Geller empfängt leider nichts

          Montag: Das Zielbild zeigt ein Kaninchen, doch Geller zeichnet nichts Kaninchenartiges. Kein Drama, denn, so die CIA: „Man muss dazu sagen, dass das Bild von einem Wissenschaftler gemalt wurde, den Geller nicht mag.“ Dienstag: Messung von Gellers Gehirnaktivität beim Empfangen der Signale. Geller empfängt leider nichts. Man hätte sich denken können, dass das nichts werden würde, denn, so steht es im Protokoll, „derselbe skeptische Experimentator, der das Kaninchen gezeichnet hatte, war der EEG Operator an diesem zweiten, nicht erfolgreichen Tag.“

          Der Mittwoch läuft besser. Gemalt werden ein Kamel, eine Brücke und eine Möwe. Geller zeichnet ein Pferd, geschwungene Linien über graden Linien mit Rechtecken darunter sowie einen Schwan. Das Fazit scheint somit klar: „Gute Ergebnisse wurden an den vier Tagen erzielt, sofern kein offensichtlich skeptischer Beobachter vor Ort war (außer den Experimentatoren, die Geller zu akzeptieren gelernt hat).“ Schlußfolgerung der CIA: Geller habe „seine paranormalen Wahrnehmungsfähigkeiten in einer überzeugenden und eindeutigen Weise demonstriert.“ Wenn man die CIA Protokolle liest, steht außer Frage: Wir Menschen haben tatsächlich unglaubliche Fähigkeiten. Allein durch unsere mentalen Fähigkeiten können wir die harten Fakten unserer Welt zu einer erstaunlich formbaren Interpretationsmasse schmelzen. Wir müssen nur fest genug daran glauben.

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