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Christian Sievers fragt die Kanzlerin : Geht es noch blöder?

Die Kanzlerin weilte beim G-20-Gipfel in Sankt Petersburg. Von Mainz aus interviewte sie der ZDF-Moderator Christian Sievers für das „heute journal“. Dabei wurden seine Fragen zunehmend absurd.

          Christian Sievers hat im „heute journal“ ein ziemlich peinliches Interview geführt. Er befragte die Bundeskanzlerin, die gerade beim G-20-Gipfel in Sankt Petersburg weilte. Da ging es bekanntlich um die Lage in Syrien, um Obamas Plan, militärisch einzugreifen, die neue Eiszeit zwischen Russland und dem Westen und um die internationale Regulierung der sogenannten Schattenbanken.

          Darum ging es auch in dem Gespräch, das Sievers mit Angela Merkel führte. Aber nicht nur. Leider nicht nur. Nach einigen Minuten nämlich musste Sievers unbedingt nach der Pkw-Maut fragen, nach den einander widersprechenden Standpunkten von CDU und CSU, gipfelnd in der Frage: „Knicken Sie ein, oder knickt Seehofer ein?“

          Was bei anderer Gelegenheit passend erschienen wäre, wirkte bei dem Schaltgespräch nach Sankt Petersburg unfassbar deplaziert und kleinkariert. Syrien versinkt in einem blutigen Krieg, und im ZDF reden sie über die Maut. Provinzieller geht es nicht.

          Was im Fall von Christian Sievers besonders erstaunt, schließlich moderiert er das „heute journal“ nur sechs Wochen pro Jahr und ist ansonsten im Hauptberuf – Korrespondent in Tel Aviv. Doch er machte noch munter weiter: „Was ist der größte Fehler, den eine Amtsinhaberin, die wiedergewählt werden möchte, so kurz vor der Wahl machen kann?“, fragte er. Geht es noch blöder? Geht es und ging es: „Vor welchem Szenario haben Sie jetzt in den letzten Tagen vor der Wahl am meisten Angst?“ Wir würden an dieser Stelle sagen: vor Interviews wie diesen.      

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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          Quelle: F.A.Z.

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