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Laudatio zum Börne-Preis : Er erinnert an die Grenzen in uns

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Gott und Adorno sind schon lange tot

Safranski erzählte von seiner Studienzeit in Frankfurt, von Adornos Vorliebe und Wirkung auf junge Studentinnen, auch das wird von Houllebecq, allerdings um einiges profaner beschrieben, aber zur Zeit der „Unterwerfung“ waren Gott und Adorno ja schon lange tot. Und plötzlich fiel der Name Paul Tillich. Ich hatte von ihm schon öfter gehört, aber nichts gelesen. Alles, was Rüdiger Safranski nun streifte, zog mich in seinen Bann. Bereits auf dem Rückflug bestellte ich mir eine von Tillichs einflussreichsten Schriften: „Der Mut zum Sein“.

Erlauben Sie mir, lieber Herr Safranski, zum Abschluss einen Blick auf Ihr Denken durch die Brille des  Religionswissenschaftlers und Philosophen Paul Tillich, mit dem Sie mich bekannt gemacht haben, so wie Sie Ihren Lesern fortwährend ihre Gedanken über das Denken anderer anvertrauen. Und erinnern wir uns, ich glaube, es war einmal so gedacht, wenn man jemandem etwas anvertraut, darf man hoffen, dass er, selbst da wo es ihm widerspricht, zumindest respektvoll damit umgeht. Paul Tillich hat seine autobiografische Skizze „Auf der Grenze“ genannt. Und über Grenzen wird gestritten, die eigenen, wie die fremden und es ist Ihr Verdienst, dass Sie beharrlich an die eigene Fremdheit eines Jeden innerhalb der eigenen Existenz erinnern. Es geht Ihnen nicht um das Errichten von Mauern und Zäunen, sondern um die Definition eines Begriffs und den Verweis auf seine Notwendigkeit. Ihren Kritikern schlage ich vor sich heute Abend einen Wein einzuschenken und dabei auf das begrenzende Glas zu verzichten.

Paul Tillichs zentrale Themen in „Mut zum Sein“ sind die Grundbefindlichkeiten von Mut und Angst. Mut, so Tillich, „ist Selbstbejahung, trotz (…) alles dessen, was dazu beiträgt, das Selbst an der Bejahung seiner selbst zu hindern“. Angst hingegen ist „der Zustand indem ein Seiendes der Möglichkeit seines Nichtseins gewahr wird, oder kürzer gesagt: Angst ist das existentielle Gewahrwerden des Nichtseins“. Man kann zwar mit Woody Allen entgegenhalten, dass der Tod nach wie vor nicht empfehlenswert ist, aber auch damit werden wir, zumindest äußerlich, diese Grenze nicht einreißen.

Der Mut zum Sein bedeutet für Tillich die Selbstbejahung des Einzelnen, indem er die Bedrohung durch Schicksal und Tod, Schuld und Verdammung, Sinnlosigkeit und Leere als Teil seiner Selbst anerkennt und überwindet, um nicht der Verzweiflung angesichts des Todes, des Nichtseins, anheimzufallen. Dieses Nichtsein markiert nicht nur die absolute Grenze, es gehört zu unserer Selbstwahrnehmung. Wir definieren uns über Grenzen, kleinere und größere, weil wir begrenzt sind. Sie bestimmen unsere Freiheit, so wie der Gedanke der Unendlichkeit ohne die Endlichkeit kaum existieren würde.

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