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Christen im Mittleren Osten : Auf der Abschussliste der Islamisten

Eine zweitausend Jahre alte Geschichte droht an ihr Ende zu kommen: Eine assyrische Christin im nordirakischen Dianah. Bild: Knut Mueller / vario images

Die orientalischen Kirchen sind der Ursprung des Christentums. Jetzt werden sie von Terrorgruppen wie dem „Islamischen Staat“ ausgelöscht. Bald wird es im Mittleren Osten keine Christen mehr geben.

          Das Christentum ist heute in Syrien und im Irak, also an den Stätten, wo es in der Spätantike seine erste Blüte entfaltet hatte, in seiner Existenz bedroht. In Damaskus findet man immer noch die Gerade Straße, auf der Saulus zum Paulus wurde. Doch ganz in der Nähe, in der Ortschaft Maalula, wo noch bis vor kurzem die Sprache Jesu, Aramäisch, gesprochen wurde, haben islamistische Extremisten das Kloster der Heiligen Thekla aus dem vierten Jahrhundert geschändet und zerstört. In der Hügellandschaft um Aleppo hatten Säulenheilige wie Simeon erstmals eine strenge Askese praktiziert. Dort haben Krieger des Islamischen Staats, an deren Spitze ein selbsternannter Kalif steht, zwei Bischöfe entführt und mutmaßlich getötet. Die Evangelisten Matthäus und Lukas berichten, wie das Volk von Ninive, dem heutigen Mossul, durch Jonas von allem Bösen erlöst worden sei. Doch soeben haben in Mossul die Krieger des Dschihad die Christen vertrieben und das Grabmal des Jonas vernichtet.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die meisten von uns halten das Christentum für eine westliche Religion. Bestenfalls ist uns das Schisma des Jahres 1054 bewusst, das die Trennung von Rom und Konstantinopel, von der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen vollzogen hat. Doch schon viel früher, im vierten und fünften Jahrhundert, führten machtpolitische Interessen, theologische Kontroversen und unterschiedliche philosophische Traditionen zur Trennung der alten orientalischen Kirchen von Konstantinopel und der zentralistischen Kirche von Byzanz.

          Die aufgefächerte Kirche

          Das Urchristentum und die Urgemeinde hatten ihre Blüte im Morgenland, das dem Abendland kulturell und zivilisatorisch damals weit voraus war. Von den fünf frühchristlichen Patriarchaten, der Pentarchie, lagen drei – Alexandria, Antiochien und Jerusalem – im Orient. Rom lag im Westen, Konstantinopel zwischen Ost und West. Alexandria wurde zur Kirche der Kopten und Afrikas, Antiochien zur Kirche des Ostens, und auf Jerusalem erheben alle Anspruch. Große Theologen aus dem Osten – wie Origines (185–251), Ephräm der Syrer (306–373) oder Gregor von Nyssa (335–394) – brachten die Entwicklung der christlichen Dogmatik voran.

          Die Blüte des frühen Christentums im Orient war möglich, weil im Reich der persischen Parther, das religionspolitisch liberal war, die Christen ihren Glauben zu einer Zeit ungehindert praktizieren konnten, da sie die Römer noch verfolgten. Erst 380 wurde das Christentum im Römischen Reich Staatsreligion. Zudem überlappten sich im Osten Anatoliens der römische und der persische Kulturkreis. In Städten wie Edessa (heute Urfa) und Nisibis (heute Nusaybin) pulsierte das geistige Leben, theologische Grundfragen wurden kontrovers diskutiert. In der christlichen Grenzstadt Edessa gab es viele Sekten, die ihre Dogmen noch nicht festgelegt hatten. Die Kirche, die sich später durchsetzen sollte, war noch in der Minderheit. Nisibin war ein Zentrum für die Übersetzung griechischer Philosophie. Viele Häretiker fanden dort Schutz. Es wurde ein Zentrum für die nestorianischen Christen, die von Byzanz verstoßen waren, weil sie die Lehre von den zwei Naturen Christi ablehnten.

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