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China Der Spion, der aus der Zeitung kam

02.06.2005 ·  Es scheint, als wolle Peking gegen die „Lakaien der Ausländer“ vorgehen: Ching Cheong, der Chefkorrespondent der in Singapur erscheinenden Tageszeitung „Straits Times“ in Peking, ist verhaftet worden.

Von Zhou Derong
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Er habe unter journalistischer Tarnung für „ausländische Nachrichtendienste“ spioniert - so begründete vorgestern ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums die geheime Verhaftung des fünfundfünfzigjährigen Hongkonger Bürgers Ching Cheong, des Chefkorrespondenten der in Singapur erscheinenden Tageszeitung „Straits Times“ in Peking.

Einen Beweis nannte er nicht. Ching selbst habe aber bereits gestanden, in den vergangenen Jahren auf Anweisung ausländischer Nachrichtendienste Informationen in China gesammelt und dafür Geld erhalten zu haben. Chings Frau wiederum erklärte, die Anschuldigungen seien haltlos. Ihr Mann sei ein Patriot, der ein einfaches Leben führe und es nicht nötig habe, als Spion zu arbeiten; er sei vielmehr in eine Falle gelockt worden.

Ein brisantes Manuskript

Als Köder diente danach ein brisantes Manuskript, verfaßt von einem Mann namens Zong Fengmin, der als Qing-Gong-Meister den im Januar verstorbenen ehemaligen Parteichef Zhao Ziyang während dessen letzten Lebensjahren, die er unter Hausarrest verbrachte, regelmäßig besuchen durfte. Ihre Gespräche hat Zong niedergeschrieben. Ein Teil davon wurde im vergangenen Jahr in Hongkong publiziert.

Danach bekam der Verleger Besuch von der Staatssicherheit. Das gleiche passierte auch seiner Mitarbeiterin in der Volksrepublik, die inzwischen gestanden hat, damals eine Kopie des Manuskriptes an Ching gegeben zu haben. Inzwischen arbeitet der Qing-Gong-Meister an einem zweiten Buch über Zhao Ziyang. Als Ching, der verhaftete Journalist, am 22. April nach Guangzhou reiste, um persönlich das Manuskript entgegenzunehmen, wartete der Geheimdienst auf ihn. So wurde aus einem Journalisten ein Spion.

Absurder Vorwurf

Mak Yin-ting, der Ehrenvorsitzende der Hongkonger Journalistenvereinigung, hält den Vorwurf für absurd. Ching hatte seine journalistische Karriere bei einer ultralinken Honkonger Tageszeitung begonnen. In den achtziger Jahren wurde er deren Peking-Korrespondent, dann Büroleiter in Peking. 1989 verließ er aus Protest gegen die Niederschlagung der Studentenproteste gemeinsam mit vierzig Kollegen die Redaktion. Er wechselte zur „Straits Times“ und wurde für die Kommunisten ein Dorn im Auge.

Mit der Verhaftung scheint es nun, als wolle Peking endlich gegen die „Lakaien der Ausländer“ vorgehen. In den vergangenen Jahren haben sich vor allem die englischsprachigen Medien vermehrt auf chinesische Mitarbeiter gestützt. Denn diese kennen das Land, sie sprechen die Sprache und sehen das, was den westlichen Korrespondenten entgeht. Und sie tragen, wie das Pekinger Propagandaministerium glaubt, zur „Verteufelung Chinas in den westlichen Medien“ bei.

Ein Exempel wurde schon im vergangenen Jahr statuiert: Zhao Yan, ein freier Mitarbeiter der „New York Times“, wurde unter gleichem Vorwand verhaftet. Anfangs versuchte seine Zeitung, im Weißen Haus für ihn zu intervenieren; selbst Colin Powell sprach mit dem chinesischen Außenminister über den Fall. Inzwischen aber taucht der Name Zhao Yan nur noch in den Berichten der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ auf. Solche Fälle vergißt man leicht, um dann zur Tagesordnung überzugehen.

Was Ching Cheong angeht, hüllt sich die Hongkonger Behörde in höfliches Schweigen. Aus dem Außenministerium von Singapur verlautete am Dientag, man sei von den chinesischen Behörden noch nicht informiert worden.

Quelle: F.A.Z., 02.06.2005, Nr. 125 / Seite 42
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