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Veröffentlicht: 30.12.2013, 07:09 Uhr

Chaos Communication Congress Hacker aller Länder, vereinigt euch!

Wikileaks-Gründer Julian Assange ruft die Hacker-Gemeinde auf, in Geheimdienste und andere Organisationen zu gehen, Informationen zu sammeln und sie zu verraten. „Wir sind eine Klasse“ - wie die Industriearbeiter sie einst gewesen seien.

von Katrin Rönicke, Hamburg
© dpa Übers Netz zugeschaltet: Julian Assange vor der Hacker-Gemeinde auf dem CCC in Hamburg.

Die Überraschung des Abends war am gestrigen Sonntag die Anwesenheit der Wikileaks-Journalistin Sarah Harrison. Der Raum war voll bis auf den letzten Platz, mehr als 3100 Menschen waren gekommen, um einem Gespräch zwischen Jacob Appelbaum und Julian Assange über die Zukunft des Internets zu lauschen. Und dann lehnt Appelbaum, der an einem Tisch links auf der Bühne sitzt, sich lässig zurück. Am Rednerpult steht eine junge Frau. „Manche von euch könnten sie kennen – sie rettete Edward Snowdens Leben“, erklärt Appelbaum lapidar. Für die dann folgende Minute begrüßen tosender Applaus und Standing Ovations Sarah Harrison. Wer hätte das gedacht? Die Hacker sind entzückt.

Harrison lebt derzeit in Deutschland, da sie nicht in ihre Heimat Großbritannien zurückkehren kann: Dort laufen Ermittlungen gegen sie, wie sie in den ersten Minuten ihrer Rede berichtet. Die Regierung des Vereinigten Königreichs habe beschlossen, die Offenlegung  geheimer Dokumente als Terrorismus einzustufen – und sie somit als Terroristin zu verfolgen. Doch sie sei nicht die einzige, der man mit der politischen Nutzung von juristischer Macht auf den Fersen sei, erklärt sie überleitend auf den Dritten im Bunde, den man via Videoschaltung dazu holen wird: Julian Assange selbst, den Gründer von Wikileaks.

Doch bevor dieser auf einer großen Leinwand erscheinen wird, rollt Harrison, die ihre Rede fast ein wenig zu schnell abliest, den Fall noch weiter auf. Wie das FBI versucht habe in anderen Ländern zu ermitteln und zum Beispiel in Island gescheitert sei. Wie man aktiv den Geldhahn zugedreht habe, indem VISA, Master Card und Paypal, sowie andere amerikanische Finanzriesen die Zahlung verweigert oder die Konten gesperrt hätten – wir erinnern uns. Der Name Chelsea Manning fällt. Dann folgt eine atemlose Aufzählung aller Offenlegungen, die Wikileaks in den vergangenen Jahren erreicht habe – fast so, als müsste man in einem Jahr, in dem alle nur von Edward Snowden sprechen, betonen, wie tätig man selbst schließlich auch sei.

Die im Internet leben

In der Zukunft solle es nun vor allem darum gehen, die Quellen zu schützen. „So wie wir Snowden Asyl besorgt haben, setzten wir auch Mr. Snowdens Verteidigungs-Fonds auf“, erklärt Harrison. Und dazu – in die Zukunft blickend – den Fonds zum Schutz und zur Verteidigung journalistischer Quellen. Die Zukunft nach Snowden soll das zentrale Thema zwischen Appelbaum, Harrison und Assange sein. Und nun ist er auch endlich zu sehen und auch er, den viele so gespalten betrachten, wird mit viel Applaus begrüßt: Assange. Die erste Frage Harrisons an ihn lautet: „Was ist dein Gefühl: Gewinnen oder verlieren wir diesen Kampf für freies Wissen?“

Interessant die Antwort: Wie bemerkenswert es doch sei, dass der Chaos Communications Club (CCC) im vergangenen Jahr um 30 Prozent gewachsen sei. Es mag zunächst erstaunen, dass Assange gefragt nach der Lage im Kampf für Informationsfreiheit mit der Lage des CCC antwortet. Doch der Kreis wird sich bald schließen. Auch wenn Assange nur noch wenige Worten sagen kann, dann bricht die Verbindung zu ihm ab: Der CCC sei eine wichtige Institution.

Applebaum führt diesen Gedanken fort und erklärt: Der CCC sei ein Netzwerk, das aus Hackern, Administratoren verschiedener Systeme („Sysadmins“), Entwicklern und Leuten bestehe, die technisch gebildet seien. Eines, dass keineswegs eine neutrale Stellung habe, nicht nur aus Zuschauern bestünde, sondern aus jenen Menschen bestehe, die das Internet gebaut hätten und die es am Laufen hielten. Die dort lebten, die Code schrieben und die Netzwerke verwalteten.

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