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Ceausescus Sturz vor 20 Jahren : Der kurze Weg von der Anklage bis zur Hinrichtung

  • -Aktualisiert am

Verlassenes Symbol des Größenwahns: Ceausescus „Haus des Volkes” Bild: Barbara Klemm

Ganz entwirren lassen sich die Ereignisse in Rumänien im Dezember 1989 immer noch nicht. Und auch zwanzig Jahre nach dem Ende der Ceausescu-Diktatur bleibt Rumänien ein unberechenbares, nicht einzuschätzendes Land am Rande Europas.

          Kurz nach Bekanntgabe des Nobelpreises für Herta Müller meldete sich in Temeswar der bis Dezember 1989 zweitmächtigste Mann der dortigen Securitate, Radu Tinu, zu Wort und teilte in zwei Zeitungsartikeln mit, dass er seinerzeit die Abhörwanzen in Herta Müllers Wohnung montiert habe, dass die Autorin eine Psychopathin sei und schlechter schreibe als etwa Amos Oz oder Mario Vargas Llosa. Der Nobelpreis sei allein aufgrund politischer Erwägungen an sie vergeben worden. Der ehemalige Securitate-Oberst, nunmehr Direktor der Versicherungsgesellschaft Asirom (einer Tochter der Wiener Städtischen), gebärdete sich als Literaturkritiker: Alle Einzelheiten, die Herta Müller über die Zersetzungs- und Unterdrückungsmethoden der Securitate in ihren Büchern mitteile, beruhten auf freier Erfindung. Man habe ihr nichts getan, sie sei lediglich beobachtet worden, weil sie mit einem deutschen Spion in Kontakt gestanden habe. Von dem Mord an dem jungen Autor Roland Kirsch - er wurde am Morgen des 2. Mai 1989 erhängt in seiner Wohnung aufgefunden - weiß er nichts, ja, er hat noch nicht einmal dessen Namen gehört. Aber er kennt den Polizisten, der diesen Tod untersucht hat. Deutlicher kann ein Versprecher nicht sein.

          Der Mann, der öffentlich derart sein neues Selbstbewusstsein ausstellt, galt den Temeswarer Demonstranten und Revolutionären im Dezember 1989 als einer der brutalsten Securitate-Offiziere. Er wurde verhaftet, zwei Jahre in Untersuchungshaft gesteckt und anschließend mit eingestelltem Verfahren entlassen: Mangel an Beweisen. Bald darauf sah man ihn als privatwirtschaftlichen Unternehmer, der in den neunziger Jahren kräftig an der Boykottumgehung im Geschäft mit dem serbischen Restjugoslawien verdiente. Abgesichert in einem österreichischen Unternehmen, repräsentiert er nun die rumänische Variante der Kontinuität.

          Unklare Fronten

          Was zwischen dem 15. Dezember 1989, als in Temeswar die ersten Demonstrationen zum Schutz des ungarischen reformierten Pfarrers László Tökés begannen, und dem 25. Dezember, als das Diktatorenehepaar in Târgoviste erschossen wurde, wirklich geschehen ist, weiß heute niemand mit Sicherheit zu sagen. Nach wie vor ist ungeklärt, wer wann und warum welchen Schießbefehl erteilt hat, ob es sich in Bukarest um eine Palastrevolte mit anschließend herbeigeschossener Legitimation handelte oder um eine Revolution, deren Entfaltung von den Putschisten aus der zweiten Riege der herrschenden Partei in einem Scheingefecht zwischen angeblichen Ceausescu-Anhängern und -Gegnern im Militär und in der Securitate ein vorzeitiges Ende bereitet wurde. Dass das Militär auf die von Terroristen unbekannter Herkunft unterstützte Securitate geschossen habe, ist jedenfalls eine Mär.

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