29.12.2006 · Anschlußfehler, Geographiefehler oder Kameramann-im-Bild-Fehler: „Casino Royale“ ist ein Film mit außerordentlich vielen Ungereimtheiten. Und doch klingelten die Kassen.
Seit wann liegt Chur in Montenegro? Tragen die Münztelefone dort das Logo der tschechischen Telefongesellschaft? Schließen die Türen im Aston Martin selbsttätig? Legen Gangster Knieschoner an? Pumpen die Herzen Toter? Landen Superagenten nach waghalsigen Sprüngen auf getarnten Turnermatten? Diese und noch viel mehr Anschlußfehler, Geographiefehler, Nummernschilderfehler oder Kameramann-im-Bild-Fehler finden sich im neuen James-Bond-Film „Casino Royale“, wie moviemistakes.com und einige andere Websites sie gesammelt haben.
Unzählige Fans hatten bis in den November hinein noch darauf gewettet, daß der Reinfall des Filmjahres Daniel Craig heißen würde. Verfrühte Häme. Der neue James Bond ist besser als viele alte und „Casino Royale“ der überzeugendste Bond-Film seit langem. Die Kritiker denken das, und das Publikum stimmt zu, wenn man den Einspielergebnissen trauen kann.
Im Kino zählen keine Fehler
Daß „Casino Royale“ auch der Film mit den meisten Fehlern ist (bisher gezählt: 490), verdankt sich wahrscheinlich einem langwierigen Schneideprozeß und wird niemanden vom Filmbesuch abhalten, der im Kino etwas anderes sucht als makellose continuity. Die Fehlerliste für „Liebesgrüße aus Moskau“ ist auch ziemlich lang, und nur unwesentlich kürzer ist die für „Citizen Kane“, jenen Film von Orson Welles, der bei Kritikerumfragen nach den besten Filmen aller Zeiten immer wieder auf einem der ersten Plätze steht.
Im Kino zählen keine Fehler, weil die ganze Sache sowieso nur funktioniert, wenn wir Unwahrscheinliches glauben, woran uns eine Frau, die zwei verschiedene Kleider in derselben Szene trägt, nicht hindern kann. Und nach einem Lauf wie zu Beginn von „Casino Royale“ hat sich Daniel Craig die weiche Landung auf der Turnermatte allemal verdient.