Als Volker Reiche zu Jahresbeginn seine an fünf Tagen laufende Serie „Strizz“ aufgab, um nur noch einmal pro Woche eine dafür umso prächtigere Samstags-Folge zu zeichnen, war uns klar, dass die Nachfolge nicht einfach anzutreten sein würde. Deshalb haben wir mehrere Zeichner um Geschichten gebeten. Als erster begann Ralf König mit seinem in der vergangenen Woche beendeten „Archetyp“ (Archetyp: Alle Folgen), und nun wird für knapp vier Monate Ulf K. den Stift in die Hand nehmen, um den Lesern der F.A.Z. von Dienstag bis Freitag ihren täglichen Comic zu liefern.
Ulf K., geboren 1969 in Oberhausen, lebt heute mit Frau und bald zwei Kindern in Düsseldorf. Er ist einer der renommiertesten deutschen Comiczeichner; 2004 wurde das in Erlangen durch die Verleihung der wichtigsten einheimischen Auszeichnung auf diesem Feld, des Max-und-Moritz-Preises als Bester deutscher Comiczeichner, bestätigt. Verglichen mit manchen seiner Kollegen ist das Gesamtwerk aber noch relativ schmal. Ulf K. ist aber umso mehr als Illustrator präsent, besonders mit Kinderbüchern, die er in Zusammenarbeit mit seinem Freund, dem Autor Martin Baltscheit gestaltet. Der letzte Comic aus seiner Feder war schon ein paar Jahre alt. Umso mehr können wir uns schmeicheln, schon zum zweiten Mal in den Genuss einer speziellen Serie von Ulf K. zu kommen, denn treue Leser der F.A.Z. mögen sich noch an den ersten Comic erinnern, der überhaupt im Feuilleton erschienen ist: „Der Exlibris“ im Jahr 2000. Auch er stammte von Ulf K.
Ein toter Mann
Das war eine Krimigeschichte. Bei der neuen Serie, die den Titel „Der Anfang nach dem Ende“ trägt, geht es um ganz andere Themen. Doch auch an ihrem Beginn steht ein toter Mann, auch wenn das erst in der zweiten Folge klar wird. Wer ihn auf dem Gewissen hat, ist aber nicht die zentrale Frage des Geschehens. Die Frage ist vielmehr, wie der Täter damit umgeht.
Denn einer der Protagonisten von „Der Anfang nach dem Ende“ ist niemand Geringerer als der Tod selbst. Er ist als Comicfigur bei Ulf K. schon häufig aufgetreten, meist als „Monsieur Mort“ bezeichnet, was in Frankreich, wo Ulf K. früher Erfolg hatte als in seiner Heimat, eine sehr pikante Titulierung ist, weil der Tod (la mort) dort weiblich ist. Sein deutscher Zeichner ließ ihn dabei durchaus auch manches Mal einen guten Mann sein, der ein Metier betreibt wie alle anderen auch - mal professionell, mal weniger geglückt. Aber die Aufgabe des Todes ist eine, die uns berufliche Praxis aus anderem Blickwinkel betrachten lässt. Und genau darum wird es in der neuen Comicserie gehen.
Ulf K. ist der poetischste Zeichner Deutschlands, und was er besonders verabscheut, sind laute Töne. Deshalb wird in seinen Folgen nicht gesprochen. Die Erzählung muss sich ganz auf die Bilder verlassen - und auf die Aufmerksamkeit des Publikums, das aber schnell in den spezifischen Tonfall eines stummen Strips eingeführt sein wird. Mit seiner Serie verlässt Ulf K. das gewohnte Terrain von Zeitungscomics, thematisch wie formal. Wir werden ihn vier Monate lang auf diesen Ausflügen ins Jenseits unserer Welt und der Comicerzählkonventionen begleiten können.