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Filmfestival Cannes : Bilder aus der ewigen Stadt des Kinos

1955: Der Fotograf bat Brigitte Bardot an den Strand, die Fans hielten Abstand. Bild: Traverso: „Cannes Cinema - A Visual History Of The World’s Greatest Film Festival“

Alle wollen zum Filmfestival nach Cannes: die Filmemacher, die Geschäftemacher, die Fans. Dabei ist es unbequem, und jeder kann untergehen. Aber die Magie des Kinos funktioniert in Cannes immer noch. Jedenfalls meistens.

          Am nächsten Mittwochabend werden Woody Allen und mit ihm wahrscheinlich Carla Bruni und ihr Mann, der französische Staatspräsident Sarkozy, die Treppen zum Festivalpalast in Cannes emporschreiten. Allens Film „Midnight in Paris“ eröffnet die Filmfestspiele, Carla Bruni hat eine kleine Rolle darin. Am Eingang hoch oben werden sie von Gilles Jacob, dem Präsidenten des Festivals, und Thierry Frémaux, seinem Direktor, begrüßt werden. Hunderte Fotografen werden bereits mittags im Smoking neben den Stufen Position bezogen haben – wie auch Tausende Touristen in Shorts, die am Rand der Straßen und Promenaden in der Nähe picknicken und darauf warten, dass es losgeht. Noch von weither werden sie das Geschehen auf der Großleinwand über dem Palasteingang verfolgen können. Eine Parade berühmter Leute aus dem Filmgeschäft wird vor ihren Augen den roten Teppich hinauf defilieren, unter ihnen Robert de Niro, der Juryvorsitzende, und seine Truppe mit Jude Law, Uma Thurman und Johnny To. Die Absätze der Frauen werden sehr hoch, die Ausschnitte ihrer Kleider tief sein, die Musik irre laut, die Luft vielleicht heiß. Und niemand, der irgend etwas mit Film zu tun hat, wird ehrlicherweise sagen, er wäre nicht gern dabei.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Woher kommt es, dass Cannes immer noch, nach guten wie nach schlechten Jahren, das Festival ist, das alle anzieht? Die Besten der Branche, die schrillsten Lookalikes? Warum wollen sie alle nach Cannes – die Filmemacher, obwohl die Konkurrenz härter ist als anderswo, die Angestellten der Filmfirmen, obwohl sie sich winzige Kammern mit Kollegen teilen müssen und möglicherweise keinen der großen Filme zu sehen bekommen, weil der Zugang äußerst restriktiv ist und Karten nahezu unmöglich zu kriegen sind, die Filmliebhaber, für die dasselbe gilt? Alle anderen Festivals haben mit dem Kino an Glanz verloren. Cannes nicht. Das mag auch damit zu tun haben, dass immer noch gilt, was Zelda Fitzgerald einst über die Feste an der französischen Riviera sagte: Sie seien ein Karneval, in dem der Untergang lauere. Das erklärt die Nervosität, die über den zwölf Tagen im Mai liegt, die Wachsamkeit. Aber es erklärt nicht alles.

          Pünktlich zum Beginn des Festivals ist ein Band erschienen, in dem seine Geschichte durch die Arbeit einer Fotografenfamilie, die von Anfang an dabei war, noch einmal erzählt wird („Cannes Cinema. A Visual History of the World’s Greatest Film Festival.“ Hrsg. von Cahiers du Cinema. Paris 2011). Die Fotografenfamilie heißt Traverso und siedelte bereits Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von Italien nach Cannes über, wo ihr Fotostudio „Maison Traverso“ zum ersten Mal 1919 in einem Branchenblatt Erwähnung findet. Der Gründer, Auguste Traverso, war bereits Anfang September 1939 dabei, als Louis Lumière, einer der Begründer des Kinos, in Cannes aus dem Zug stieg, um seinen Platz als Ehrenpräsident des gerade gegründeten Filmfests einzunehmen. Zwei Tage später brach der Zweite Weltkrieg aus, das Festival wurde abgebrochen.

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