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„Burkini“ Der Schwimmanzug für die Muslima

18.01.2007 ·  Ein Ganzkörperdress, der an Jedi-Ritterfilme oder an Imker erinnert: Der Burkini ist der erste Badeanzug für muslimische Frauen. Kaufen kann man ihn derzeit allerdings nur in einer Boutiquen in Sydney.

Von Melanie Mühl
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Zugegeben, dieser schwarze Ganzkörperdress mutet ein wenig seltsam an, und man könnte meinen, seine Trägerin spiele in irgendeinem Jedi-Ritterfilm mit oder bereite sich gerade auf ihre Imkerprüfung vor. Dabei handelt es sich hier um ein ziemlich praktisches Kleidungsstück: den Burkini, den ersten Badeanzug für muslimische Frauen, eine, zumindest aus etymologischer Sicht, Mischung aus Burka und Bikini. Außer Füßen, Händen und Gesicht bleiben natürlich alle körperlichen Reize sittsam bedeckt, wie es der Koran vorschreibt.

Die muslimischen Frauen werden den bodenlangen Zweiteiler, der aussieht wie ein leger geschnittener Neoprenanzug mit Kapuze, gewiss lieben. Schließlich gibt es wohl nichts Unangenehmeres, als, in eine Burka gewickelt, im Meer zu baden und danach stundenlang in der Sonne zu schwitzen, bis die zahlreichen Stofflagen endlich wieder trocken sind. Ganz zu schweigen davon, wie anstrengend es sein muss, beim Tauchen ständig gegen einen verrutschten Schleier anzukämpfen, der einem die Sicht auf die Unterwasserwelt raubt (und überdies herannahende Surfer unsichtbar macht). An die Behäbigkeit, mit der man sich in dieser Stoffmontur im Meer wohl fortbewegen mag (selbst ein Seepferdchenträger dürfte schneller schwimmen), möchte man gar nicht erst denken.

Schwimmen mit Ziegelsteinen

Wenn sie aus dem Wasser kam, habe sie sich stets gefühlt, als trage sie zehn Tonnen Ziegelsteine auf ihrem Rücken, erinnert sich die vierunddreißigjährige Burkini-Schöpferin Aheda Zanetti in einem Interview. Außerdem wurde die Tochter libanesischer Einwanderer stets ausgelacht, wenn sie, mit ihrer dunklen Burka bekleidet, ins Wasser stieg. Dass sie nun den Burkini erfand, ist also schlicht eine logische Konsequenz ihrer traurigen Kindheitserlebnisse.

Der Zweiteiler lässt sich in den unterschiedlichsten Rot-, Blau- und Grautönen erstehen. Die gewagteren Modelle sind mehrfarbig, mit hellblauen und pink Bündchen. Wer weniger mutig ist, kann sich auch für die schlichte, schwarze Variante entscheiden, die selbst dem australischen Obermufti Sheik Tadj Din al-Hilali gefällt (der übrigens in einer Predigt zum islamischen Fastenmonat Ramadan unverschleierten Frauen vorwarf, sexuelle Begehrlichkeiten zu wecken). Um den Segen des Geistlichen hatte die Designerin gebeten, bevor sie ihre revolutionäre Bademode kreierte. 120 Euro kostet der Badeanzug, und er wird bald auch in den Rettungsschwimmerfarben Rot und Gelb in Aheda Zanettis Boutique in Sydney hängen, denn warum sollten nicht auch muslimische Frauen an Australiens Stränden Leben retten? Sexy müssen sie dabei ja nicht unbedingt aussehen.

Auch die Australian Cancer Society dürfte Aheda Zanettis Entwurf loben, da der Burkini hervorragend gegen die aggressive australische Sonne schützen soll. Kaufen kann man den muslimischen Badeanzug derzeit allerdings nur in Aheda Zanettis Boutique. Doch aus Asien, Amerika und Europa ist angeblich bereits Interesse bekundet worden. Für muslimische Mädchen dürfte es also bald schwieriger werden, sich vor dem Schwimmunterricht zu drücken.

Quelle: F.A.Z., 19.01.2007, Nr. 16 / Seite 36
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Jahrgang 1976, Redakteurin im Feuilleton.

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