Home
http://www.faz.net/-gqz-7732v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Bundesverwaltungsgericht Grundgesetz sichert Auskunftsanspruch der Presse

Ein Reporter der „Bild“-Zeitung ist vor das Bundesverwaltungsgericht gezogen, nachdem ihm der Bundesnachrichtendienst nicht alle Fragen beantwortete. Journalisten haben einen Anspruch auf Auskünfte, sagen die Richter, aber nur für einen „Mindeststandard“ an Informationen.

© dpa Vergrößern Bundesverwaltungsgericht in Leipzig

Journalisten haben einen Anspruch auf Auskünfte von Bundesbehörden, der sich direkt aus dem Grundgesetz ergibt. Das hat das Bundesverwaltungsgericht am Mittwoch in Leipzig entschieden. Geklagt hatte die „Bild“-Zeitung, die vom Bundesnachrichtendienst wissen wollte, wieviele seiner Mitarbeiter (und solche seiner Vorläufereinrichtung „Organisation Gehlen“) früher Mitglied von nationalsozialistischen Organisationen gewesen waren.

Joachim Jahn Folgen:

Die obersten Verwaltungsrichter kamen jetzt zu dem Ergebnis, dass sich der Reporter zwar nicht auf das Berliner Pressegesetz berufen könne. Denn die Bundesländer könnten in ihren Gesetzen einer Bundesbehörde keine Vorschriften machen. Doch dem Urteil zufolge ergibt sich eine Pflicht des Staates, auf Anfragen von Medien zu antworten, unmittelbar aus der Pressefreiheit, die von der Verfassung garantiert sei. Dies gelte allerdings nur für einen „Mindeststandard“ an Informationen – und auch nicht, wenn die Interessen von Privatleuten oder Behörden an einer Vertraulichkeit entgegenstünden. Die Richter machten deutlich, dass der Bundestag durch ein Gesetz auch weitergehende Auskunftspflichten festlegen kann.

Im konkreten Fall musste der Geheimdienst allerdings doch keine Angaben machen, weil er keine „Informationsbeschaffungspflicht“ habe und ohnehin eine Historikerkommission zur Aufklärung dieser Fragen eingesetzt hat (Az.: 6 A 2.12). Konkret ging es dem Reporter der Springerpresse um die Anzahl der früheren BND-Mitarbeiter mit Nazi-Vergangenheit. Die beklagte Behörde hatte argumentiert, dass der Rechercheaufwand für die Auskunft zu hoch sei. Insgesamt beträfe die Rechtsauskunft etwa 7.000 bis 10.000 hauptamliche Mitarbeiter.

Für Kritik hatte im Vorfeld gesorgt, dass eine dem Bundesinnenministerium nahestehende Behörde (der „Vertreter des Bundesinteresses“ beim Bundesverwaltungsgericht) ein Auskunftsrecht aufgrund von Landesvorschriften abgelehnt hatte.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
BND-Skandal Für den Fall der Fälle

Der Berliner Politikbetrieb konnte gerade noch einen schweren Konflikt verhindern. Vorerst: Denn der Umgangston in der Koalition wird zunehmend härter. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

22.05.2015, 08:01 Uhr | Politik
Kairo Ägyptisches Gericht hebt Strafen für Al Dschazira-Reporter auf

Bis zu einer erneuten Anhörung müssten die drei Mitarbeiter des arabischen Senders aber weiterhin hinter Gitter bleiben. Mehr

01.01.2015, 15:34 Uhr | Politik
Indonesien Flüchtlinge berichten von Todeskampf ums Essen

An Bord eines Flüchtlingsschiffs sollen in Südostasien viele Menschen ermordet worden sein. Mehrere Flüchtlinge berichteten von tödlichen Auseinandersetzungen um Nahrungsmittel. Mehr

17.05.2015, 21:18 Uhr | Politik
Südafrika Reporter vor laufender Kamera ausgeraubt

Dieser Reporter vom südafrikanischen Fernsehen wollte in Johannesburg einen Aufsager machen, als zwei Männer nicht nur ins Bild laufen, sondern auch sein Handy fordern. Mehr

11.03.2015, 15:09 Uhr | Gesellschaft
Gastbeitrag Entlastung durch Marginalisierung?

Das Verfassungsgericht kämpft mit einer Flut von Verfahren. Manche Probleme sind hausgemacht. Andere könnten durch die Bedeutung Europas gelöst werden. Mehr Von Klaus F. Gärditz

15.05.2015, 13:02 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.02.2013, 16:36 Uhr

Über alles

Von Niklas Maak

Irrsinn an der Magazinfront: Die „Auto Bild“ wirbt für ein Modell des Halbkettenfahrzeugs „Opel Blitz Maultier“ und Reisemagazine vermitteln fast den Eindruck, der Holocaust sei Berlins spannendste Seite. Mehr 2