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Bundesliga-Fernsehrechte Die kriegen das hin

17.06.2003 ·  Der Fußball kehrt zurück: Die ARD steht vor der Übernahme der Bundesliga-Rechte, Ende der Woche soll es soweit sein.

Von Michael Hanfeld
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Die Spatzen haben es von den Dächern bereits vor der Zeit gepfiffen, jetzt scheint es in der Tat soweit zu sein: Die ARD steht davor, die Rechte an der Fußball-Bundesliga zu übernehmen. "Der Rechteinhaber Infront hat der ARD ein Angebot unterbreitet, das gute Voraussetzungen für einen Abschluß bietet", sagte der ARD-Vorsitzende Jobst Plog gestern in Frankfurt.

„Klar" sei, "daß die ARD deutlich weniger für die Bundesliga-Rechte zahlen wird als bislang Sat.1." Der Privatsender hatte zuletzt rund achtzig Millionen Euro pro Saison für die Liga aufgewendet und nun - wie in Frankfurt zu erfahren war - dem Rechteanbieter Infront schriftlich ein Gebot von 45 Millionen Euro unterbreitet.

In dieser Preisklasse und keinesfalls darüber sei auch der Abschluß mit der ARD zu erwarten, ließ Plog durchblicken. Der Senderverbund habe nicht von sich bereits über die Bundesliga verhandelt, es sei vielmehr am Montag abend "per Telefon" ein Angebot der Firma Infront eingegangen. "Das Angebot erreicht uns jetzt", sagte Plog. Der Programmdirektor des Ersten, Günter Struve, hat nun den offiziellen Auftrag, für die ARD zu verhandeln, und soll die Gespräche möglichst in dieser Woche abschließen.

"Wir kriegen das hin," zeigte sich Jobst Plog davon überzeugt, daß die Tempovorgabe eingehalten werde. Was dafür spricht, daß man sich nicht nur im Grundsatz schon weitgehend einig ist. Aus ARD-Kreisen war noch zu erfahren, daß man sich zu den von Sat.1 genannten 45 Millionen Euro einen Ausgleich der fünfzehn Millionen Euro, welche die ARD bislang schon für ihre Drittverwertungsrechte zahlt, vorstellen müsse.

Um den Kauf der Bundesliga-Rechte zu refinanzieren, wird die ARD ihre "Sportschau" samstags in der Zeit zwischen 18.10 Uhr und 19.45 Uhr weit über das Maß ausdehnen, das man bisher vom Ersten gewohnt ist. Dabei werde es, wie Günter Struve sagte, einen "spürbaren Anteil an Werbung" geben, an den sich das Publikum inzwischen ja gewöhnt habe. Offen ist, über wie viele Jahre der Vertrag über die Bundesliga-Rechte läuft und - ob die ARD, um weiteres Geld lockerzubekommen, dafür andere Fußballrechte abgibt. Im Falle des Uefa-Cups ist das so, sie könnten, wie Struve sagte, direkt abgegeben werden, auch wenn der Vertrag, der die Qualifikationsspiele für die Champions League umfaßt, noch bis 2005 läuft. Die Spiele von Borussia Dortmund um den Aufstieg in die europäische Meisterklasse könnten also bei RTL zu sehen sein.

RTL aber will lieber etwas anderes: "Wenn wir schon die Champions League nicht genommen haben," so RTL-Geschäftsführer im Gespräch mit dieser Zeitung: "Welches Interesse sollten wir das am Uefa-Cup haben? Wir werden das mit absoluter Sicherheit nicht kaufen." Ein Sprecher des Senders sagte derweil, man sei "grundsätzlich" am DFB-Pokal interessiert: "Wir können uns vorstellen, daraus ein runderneuertes Live-Event zu machen." Das am Ende aber schwarze Zahlen ergeben müssse.

Vom DFB-Pokal wiederum, daran ließ der ARD-Vorsitzende Plog keinen Zweifel, würde sich die ARD nur ausgesprochen ungern trennen. Die Spiele der Nationalmannschaft, welche ARD und ZDF für die Unsumme von 390 Millionen Euro gekauft haben, sakrosankt. Mag das Gekicke der DFB-Auswahl gegen die Färöer noch so grausam gewesen sein, für den Programmspezialisten Struve war es - zehneinhalb Millionen Zuschauer lassen grüßen - ein "Monstererfolg". Monströs genug.

Gegenstand der Spekulation bleibt, welches Spiel das ZDF spielt. Der Sprecher Walter Kehr dementierte, daß sein Sender bereits um die Sonntagsspiele der Bundesliga verhandele, was zuvor seitens der ARD angedeutet worden war, die ihrerseits allein den Bundesliga-Samstag in den Blick nimmt. Ob es an diesem in der ARD während der Saison mehr Livespiele geben wird als zuvor bei Sat.1, das je ein Spiel in der Hin- und in der Rückrunde übertrug, stehe, so ARD-Chef Plog, noch dahin. Der Sendeverbund will sich darum bemühen, wird aber an den "älteren" Rechten des Bezahlsenders Premiere nicht vorbeikommen.

Aus Premiere-Kreisen hieß es dazu, bislang sei noch niemand mit dem Wunsch, mehr Spiele live zu zeigen, vorstellig geworden. Käme jemand mit dem Ansinnen, wäre dies "ein herber Exklusivitätsverlust", für den sich wiederum Premiere eine Kompensation ausbedinge, das 140 Millionen für die Erstlübertragung der Bundesliga ausgibt. Zu der Garantiesumme von insgesamt 290 Millionen Euro hat sich Günter Netzer mit seiner Firma Infront verpflichtet.

"Die Botschaft für alle Fußball-Fans nach dem De-facto-Rückzug von Sat.1 lautet", so der ARD-Vorsitzende Plog schließlich: "Die Bundesliga wird nicht im Pay-TV verschwinden, sondern mit großer Sicherheit im frei empfangbaren Fernsehen bleiben." Einen "groben Unsinn" nannte Plog den vom Privatsenderverbandschefs Jürgen Doetz in die Debatte eingeführten Begriff der "Fußballsteuer", womit die Erhöhung der Rundfunkgebühr (ARD und ZDF wollen achtzehn statt bisher 16,15 Euro pro Monat) gemeint ist. Die Aufwendungen für den Fußball lägen bei weniger als fünf Prozent des ARD-Gesamtetats, sagte Plog, und würden auch nicht ansteigen.

Die ARD legt so großen Wert auf die Tatsache, daß nicht sie, sondern der Rechtevermarkter Infront die Verhandlungen aufgenommen und der Privatsender Sat.1 abgewinkt habe, weil ihr zuvor angelastet worden war, sie springe in dem Moment mit Gebührengeldern in den überhitzten Fußballrechtemarkt ein, in dem die privaten Sender vor der Unbezahlbarkeit des Liga-Fußballs die Waffen streckten. Dabei sehen sich die öffentlich-rechtlichen Rechteabnehmer eher als Retter denn als Profiteure, denen die Liga mangels anderer Nachfrager geradezu aufgedrängt wird. Dabei muß die Entwicklung in den letzten zwei Tagen in der Tat atemberaubend gewesen sein. So atemberaubend, daß ARD-Eins-Chef Struve davon sprach, die Entwicklung sei gerade vier Stunden alt, womit er den Auftrag meinte, mit Infront in den Infight zu gehen. Von Pro-Sieben-Sat.1, deren Vorstandschef Urs Rohner am Montag auf der Hauptversammlung seines Konzerns gesagt hatte, man habe auch nach dem Kauf der Champions League (für 28 Millionen Euro) Interesse an der Bundesliga, war ein Kommentar gestern leider nicht zu erhalten.

Für den an der Bundesliga interessierten Fernsehzuschauer ändert sich in der nächsten Saison, wie es derzeit aussieht, wenig: die Sendungen bleiben die gleichen, nur laufen sie auf anderen Kanälen. Die ARD zeigt die Bundesliga anstelle von Sat.1, Sat.1 überträgt die Champions League und nicht mehr RTL, und wenn die ARD merken sollte, daß sie für die Bundesliga mehr Geld braucht, als die Werbung hergibt, zeigt RTL den DFB-Pokal. Alle gemeinsam hätten sie dann aufs feinste die Preise gedrückt. Wer diesen Masterplan wohl erdacht hat.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2003, Nr. 139 / Seite 40
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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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