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Frankfurter Schauspiel : Auf kürzestem Weg in den Zwiespalt

Auch André Meyer und Nils Kreutinger (hier als Affe) können nicht über die derbe Sprache und die fragwürdig grobschlächtigen Spielelemente des Stücks „Der haarige Affe“ im Frankfurter Schauspielhaus hinwegtäuschen. Bild: Arno Declair

Das Frankfurter Schauspiel eröffnet mit einem Totalausfall und einem Glanzstück. Das ganzheitliche Fazit fällt nicht leicht, doch zumindest die prinzipielle Daseinsberechtigung des Intendanten Anselm Weber scheint geklärt.

          Nach dem ersten Abend denkt man: Lasst es einfach sein. Macht das Theater zu, es muss ja eh saniert werden. Auf dieses Niveau darf Frankfurt nicht sinken. Das schmerzt beim Anschauen, da setzt man sich besser drei Stunden in die Eckkneipe und hört dem Nachbartisch zu. Oder schaut „Dogman“, das neue italienische Sozialdrama von Matteo Garrone. Vom Klassenbewusstsein der Erniedrigten und Beleidigten erfährt man da mit Sicherheit mehr als in der zweistündigen O’Neill- Adaption von Clemens Meyer. „Der haarige Affe“ heißt die 1922 uraufgeführte Stoffvorlage über einen stolzen Heizer, der sich vom angewiderten Blick einer Milliardärstochter verletzt fühlt, daraufhin zu einem Rachefeldzug gegen die oberen Zehntausend aufbricht und am Ende in den todbringenden Armen eines Zoo-Gorillas landet. Eine mit Marx- und Nietzsche-Schablonen kräftig aufgebauschte Parabel auf die soziale Ungerechtigkeit und den Klassenkampf ist das schon im Original. Aber so, wie sie das in Frankfurt machen, ist es endgültig nicht ernst zu nehmen.

          Simon Strauß

          Redakteur im Feuilleton.

          Weder der Sprache („Die Kulturmuschis lassen den IS rein“, „Nur Onanie ist free“, „Unsere Huren liefen anders“) noch dem Spiel (Bierkistenschleudern, Als-ob-Kotzen, High-Heel-Hochmut) traut man für einen Moment zu, etwas von der marternden Verzweiflung am eigenen Schicksal und den selbstsicheren Vorurteilen der anderen ausdrücken zu können. Der ostentative Anarchismus des Autors wird hier durch scheppernde Schlagzeugsoli und unkontrollierte Kreisch-Arien eines käppitragenden Live-Elektronikers ad absurdum geführt. Der einzige Satz an diesem von Thomas Dannemann gründlich verwirkten Abend, der etwas gilt, lautet: „Nichts ist einfach mehr da – alles ist Rummel.“ Damit hätte man etwas anfangen können, aber so sind das nur zwei bösartig gestohlene Stunden Lebenszeit.

          Im Schatten einer anderen Zeit lebt es sich schwer

          Dem zweiten Eröffnungsabend in den Kammerspielen schaut man dann einigermaßen missmutig entgegen. Noch so einen Flop, und die neue Intendanz von Anselm Weber muss sich ernsthaft fragen lassen, wohin die Reise eigentlich gehen soll. „Räuber. Schuldenreich“ heißt das Stück des österreichischen Dramatikers Ewald Palmetshofer, das unter leicht verändertem Titel 2012 in Wien uraufgeführt wurde. In manieriert-gebrochener Sprache erzählt es von zwei Söhnen, Franz und Karl, die ihre pensionierten Eltern ausrauben wollen, weil die das Geld horten, das ihnen für ihre Zukunft fehlt.

          Still verzweifelt: Sarah Grunert als Nachbarstochter in „Räuber. Schuldenreich“

          Der Verweis auf Schillers „Räuber“ ist mehr als vage, es handelt sich diesmal nicht um eine Überschreibung, sondern um ein augenzwinkerndes Titelspiel. Im Grunde geht es um das Schicksal einer Generation, deren Zeit einfach nicht kommen will, die auf den Boden schaut und im Schatten wartet, bis die Eltern aus der Sonne gehen. Sie, die ihren Kindern finanziell, rhetorisch und auch erotisch überlegen sind. Der Kühlschrank voll, die Libido gut trainiert, von morgen erwarten sie mit bräsiger Selbstsicherheit nichts anderes als das Gleiche wie gestern. Die Zukunft hat ihre Offenheit verloren: „Nichts vergeht mehr, weil alles schon vergangen ist.“

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