Home
http://www.faz.net/-gs3-770y3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Zum Tode des Dirigenten Eric Ericson Nördliches Wunder

Zum Tode des Dirigenten Eric Ericson

© danapress Vergrößern Subtilität und Balance: Der Chordirigent Eric Ericson (1918 bis 2013)

Chordirigenten - und natürlich auch ihre Chöre - wurmt es oft, dass sie in Kritiken oft nur mit einem Lobeswort bedacht werden: „Insgesamt kompetent“ oder „sonore Fülle“. Dass dieses Kürzelurteil ungerecht ist, merkt der Opern-Musikfreund spätestens bei Mussorgskis „Boris Godunow“, wo das Chor-Volk die Hauptrolle spielt. Aber es gibt ja noch mehr als nur die Oper - Passionen, Kantaten, Motetten, Requiem, in denen oft das Wertvollste unserer Musik aufscheint.

Ein Künstler, der das in seinem langen Leben bewundernswert immer wieder aufgezeigt hat, war der schwedische Chorleiter und Dirigent Eric Ericson, 1918 in Boras geboren, jetzt in Stockholm gestorben. Der Sohn eines Pfarrers kam früh mit Orgel- und Chormusik in Berührung, studierte Kirchenmusik und Chorleitung an der Königlichen Akademie Stockholm und, keine schlechte Adresse, an der Schola Cantorum Basiliensis. 1945 gründete er den Stockholmer Kammerchor, von 1951 an leitete er den Stockholmer Rundfunkchor, der sich damals zu einem wichtigen Interpreten zeitgenössischer Chormusik entwickelte - Parallelen zum SWR-Vokalensemble Stuttgart dürfen gezogen werden.

Demütiger Dienst an der Musik und ihren Schöpfern

Bei Ingmar Bergmans Verfilmung der „Zauberflöte“ hatte er die musikalische Leitung inne. Er gastierte mit seinem Stockholmer Kammerchor, der sich 1988 ihm zu Ehren in „Eric Ericson Kammerchor“ umbenannte, auch oft in Deutschland. Auch auf Schallplatten sind seine Einspielungen, zum Beispiel der Bach-Motetten, erschienen. Eric Ericson kannte zwar Nikolaus Harnoncourts Interpretationen und die historische Aufführungspraxis, aber er kopierte sie nicht. Ericsons „Klangrede“ wirkt in vieler Hinsicht natürlicher, subtil ausbalanciert in Dynamik und Artikulation, sauber durchleuchtet in den polyphonen Verläufen. Wenn man Ericsons Chorästhetik vergleichen will, dann am ehesten mit Clytus Gottwald und seiner Stuttgarter Schola Cantorum.

Eric Ericson wurde auf seinen vielen Tourneen, die er nach seiner Pensionierung 1983 mit dem Niederländischen Kammerchor, der Groupe Vocale de France, den BBC Singers, dem Rias Kammerchor und dem Ensemble Accentus Rouen absolvierte, gern als „Chorwunder aus dem Norden“ gefeiert. Das Wunder bestand aus Können, harter Arbeit und dem demütigen Dienst an der Musik und ihren Schöpfern. Die Schallplatte wird Wichtiges davon bewahren, auch für die schwedische Chormusik eines Stenhamar, Wikander, Sandström, Lidholm oder Jennefelt. Ericson hat nie die Verbindung zu den Ursprüngen seines Musikempfindens verloren.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mysteriöses Unterwasserfahrzeug Schweden suchen nicht weiter nach einem U-Boot

Nach einer Woche hat das schwedische Militär die Suche nach einem Unterwasserfahrzeug vor Stockholm abgebrochen. Die Operation war die größte schwedische Mobilisierung seit dem Kalten Krieg. Mehr

24.10.2014, 08:59 Uhr | Politik
Nürnberg braucht ein Fußball-Wunder

Vor dem Spiel gegen Schalke 04 spricht vieles dafür, dass der 1. FC Nürnberg abermals in die zweite Bundesliga absteigen wird. Der Club würde damit einen Rekord aufstellen. Mehr

07.05.2014, 16:28 Uhr | Sport
Hänsel und Gretel in der Oper Frankfurt Auf dem Weg zur nächsten Elternversammlung

Der Regisseur als Entwicklungspsychologe: Keith Warner führt Humperdincks Hänsel und Gretel an der Oper Frankfurt vom Traumspiel in die Wirklichkeit. Sieht deshalb das Hexenhaus nun wie ein Betonbunker aus? Mehr Von Gerhard Rohde

17.10.2014, 11:23 Uhr | Feuilleton
Flugzeug kracht in Haus in Colorado

In Northglenn stürzte ein Kleinflugzeug auf das Dach eines zweistöckigen Gebäudes und richtete erheblichen Schaden an. Wie durch ein Wunder gab es bei dem Vorfall keine Verletzten. Mehr

06.05.2014, 10:32 Uhr | Gesellschaft
Suche in Schweden Militär gab falsche U-Boot-Position heraus

Schwedens Militär hat offenbar verschleiert, wo das unbekannte U-Boot gesichtet worden sein soll, nach dem es momentan sucht. Der Schwindel flog auf, als ein Fernsehsender nach dem Objekt recherchierte. Mehr

20.10.2014, 23:12 Uhr | Aktuell
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.02.2013, 17:10 Uhr

Sesam öffnet sich

Von Michael Hanfeld

Monatelang bemühte sich der Strafrechtsexperte Walter Grasnick um eine Veröffentlichung der schriftlichen Urteilsgründe im Fall Hoeneß - eine vergebliche Mühe, wie es schien. Aber siehe da: Auf einmal werden sie publiziert. Mehr 43 37