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Zum Tod von Konstanze Vernon Das Synonym für Ballett

 ·  Sie war eine der großen Tänzerinnen des vergangenen Jahrhunderts und eine ebenso engagierte Intendantin: Konstanze Vernon ist im Alter von 74 Jahren gestorben.

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Als Konstanze Vernon 1991 den Deutschen Tanzpreis erhielt, beschrieb August Everding in seiner Laudatio den Einfluss der Tänzerin, Professorin und Ballettdirektorin mit Worten großer Bewunderung: „Auf dem Podest steht heute Konstanze Vernon für das deutsche, nein, das internationale Ballett überhaupt. Diese Berufsgruppe im Theater, immer noch unterbezahlt und am arbeitswilligsten, wird heute geehrt. Tänzer haben nicht die Erfolgslebenserwartung von Bassisten, die noch mit fünfundsechzig Jahren kraftvoll ihren Mann singen, sie haben nicht die Gagen der Tenöre, nicht die Pensionen der Kulturbeamten; Tänzer sind die letzten Verrückten am Theater; und das Verrücktsein macht Theater zum Theater.“

„Verrücktsein“ bedeutete im Zusammenhang mit Konstanze Vernon stets leidenschaftliches Arbeiten, ein durch und durch diszipliniertes Leben für ihre Idee von Tanz. Das begann bei der am 2.Januar 1939 geborenen Berlinerin sehr früh, aus eigenem, unstillbarem Drang nach tänzerischer Bewegung, dem ihr Vater, der Musikwissenschaftler Friedrich Herzfeld, bereitwillig entgegenkam. Er ließ nicht nur zu, dass die Sechsjährige bei der russischen Ballettmeisterin Tatjana Gsovsky mit dem professionellen Unterricht begann, sondern tolerierte auch die Folgen: Mit vierzehn nahm Gsovsky, die als Choreographin modern beeinflusst war und häufig zeitgenössische Kompositionen verwendete, die junge Tänzerin bereits in ihre Compagnie auf. Nur drei Jahre später avancierte Konstanze Herzfeld - wie sie damals noch hieß - bereits zur Gsovsky-Solistin. Und schließlich opferte der Vater auch noch den Familiennamen auf dem Altar der Kunst: Sein Kind, eine der letzten Babyballerinen des zwanzigsten Jahrhunderts, wie man die minderjährigen, von ihren Müttern begleiteten Stars im Ensemble der Ballets Russes bezeichnete, nannte sich nun französischer, internationaler „Vernon“.

Aus Berlin warb der Münchner Ballettdirektor Heinz Rosen die begabte Tänzerin ab, und unter seiner Direktion stieg sie zur Primaballerina auf. Von 1963 bis 1981 zog sie täglich die Spitzenschuhe an. An der Seite ihres Lieblingspartners Heinz Bosl wurde sie in und für München zum Synonym für Ballett. Zu ihren größten Erfolgen entwickelten sich die Partien der Giselle in der Fassung von Peter Wright sowie der Tatjana, deren Interpretation John Cranko ihr anvertraute, als er 1970 sein Puschkin-Ballett „Onegin“ zum ersten Mal außerhalb von Stuttgart einstudierte.

Erste Intendantin des Bayerischen Staatsballetts

Bereits als aktive Tänzerin begann Vernon mit Hingabe zu unterrichten und gründete 1978 zur Förderung junger Begabungen die nach ihrem drei Jahre zuvor verstorbenen Tanzpartner benannte Heinz-Bosl-Stiftung. Sie machte das Lehren, wie zuvor das Tanzen, zu ihrem Lebensinhalt und war ein derart engagierter Coach, dass schnell die internationalen Ballettwettbewerbe begannen, Medaillen und Preise erstmals an westdeutsche Tanzstudenten zu vergeben.

August Everding unterstützte sie maßgeblich bei ihrem nächsten Großprojekt, der Umwandlung ihrer ehemaligen Compagnie in das von ihr als erster Intendantin geleitete Bayerische Staatsballett. Wie zuvor das Leistungszentrum für ihre Stiftung gebaut wurde, so erreichte sie nun, dass man dem Ballett neue Probenräume und ein eigenes Balletthaus einrichtete.

Ihr Ensemble unterzog Konstanze Vernon einer Runderneuerung und speiste das hungrige Theater ständig mit neuen Absolventen ihrer Akademie. Sie begeisterte mit dieser Qualität schließlich die internationale Tanzwelt und durfte erleben, dass berühmte Choreographen wie Hans van Manen sich dafür interessierten, Werke in München zu schaffen. 1998 übergab sie die Leitung des Staatsballetts an ihren Wunschnachfolger Ivan Liska und widmete sich wieder in Vollzeit der Ausbildung des Nachwuchses. Ihren Mann Fred Hoffmann, mit dem sie seit 1968 verheiratet war, hatte Vernon vor vier Jahren verloren. Jetzt ist sie in München, zweieinhalb Wochen nach ihrem Geburtstag, im Alter von vierundsiebzig Jahren gestorben.

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