http://www.faz.net/-gqz-7grjj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.08.2013, 12:58 Uhr

Zum Tod von Fritz Rau Im Namen des Jazz

Er brachte alle Größen des Rock und Pop auf die Bühne: Nun ist der Konzertveranstalter Fritz Rau im Alter von dreiundachtzig Jahren verstorben.

von
© dpa Fritz Rau (1930 - 2013)

In seiner hintergründig-selbstironischen Art hat er sich gelegentlich als Kofferträger für musikalische Stars bezeichnet. Und weil er ein guter Kofferträger gewesen sei, habe man ihn auch andere Dinge machen lassen, Konzerte veranstalten, zum Beispiel. So hat Fritz Rau früh schon an seinem Mythos gearbeitet. Dabei begann der Volljurist in Heidelberg ganz seriös als lokaler Konzertveranstalter und machte sich früh schon einen Namen als Förderer deutscher Jazzmusiker um den Posaunisten Albert Mangelsdorff.

Sein Aufstieg zum erfolgreichsten europäischen Konzertagenten begann, als er in den frühen sechziger Jahren Partner von Horst Lippmann in Frankfurt wurde und die Jazz-at-the-Philharmonic-Tourneen des amerikanischen Produzenten Norman Granz organisierte.

Folk und Blues zu Beginn

Zu dieser Zeit begann die Agentur Lippmann + Rau mit Serien wie dem „American Folk Blues Festival“ auch Einfluss auf die Entwicklung der populären Musik zu nehmen. Viele berühmte Rockmusiker wie Mick Jagger oder Eric Clapton haben später erklärt, erst durch diese Konzerte auf Musiker wie Howlin Wolf oder Willie Dixon aufmerksam und in ihrem Hang zum Blues bestärkt worden zu sein.

Nicht zuletzt mit diesen Tourneen gewann die Agentur auch das Vertrauen der Szene, um in den folgenden Jahrzehnten Tourneen für die größten Stars und Bands durchzuführen - von den Rolling Stones zu Jimi Hendrix und Janis Joplin, von Bob Dylan zu Prince und von Frank Zappa zu Madonna.

Mick Jagger und Peter Alexander

Fritz Rau, der Jazzenthusiast, war gleichwohl für alle Stilrichtungen der Popmusik offen, vertrat Schlagermusiker wie Udo Jürgens, Peter Maffay, Howard Carpendale und Peter Alexander mit dem selben professionellen Engagement wie die Flamenco-Künstlerin La Singla, den Chansonsänger Charles Aznavour oder die Show-Stars Marlene Dietrich und Frank Sinatra. Wahllos war der politisch wache Rau, der der Friedensbewegung nahe stand und in den achtziger Jahren die Grünen im Wahlkampf unterstützte, gleichwohl nie. Den „Böhsen Onkelz“ verweigerte er wegen ihrer rechtslastigen Songtexte die Zusammenarbeit.

In den vergangenen Jahren war Rau mit dem Jazzgitarristen Jürgen Schwab selbst auf Tournee, um von seinen Erfahrungen als Konzertagent zu berichten, die er auch in seinen Erinnerungen „50 Jahre Backstage“ niedergeschrieben hat. Das darin enthaltene Verzeichnis der Künstler, für die Rau Konzerte veranstaltete, liest sich wie ein „Who’s who“ der Popmusik seit 1950. Mick Jagger hat seinen Freund Fritz Rau als „Godfather“ bezeichnet, Udo Lindenberg als friedlichen Vulkan. Jetzt ist Fritz Rau im Alter von dreiundachtzig Jahren gestorben.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Festivals in der Region Der Hit des Sommers

Die Festivalsaison mit viel Rock, Pop und Jazz beginnt: Zahlreiche Festivals und Konzerte im Rhein-Main-Gebiet locken zum Rocken an der frischen Luft. Ein Überblick. Mehr Von Christian Riethmüller

15.05.2016, 12:09 Uhr | Rhein-Main
Fast oben ohne Iggy Pop ohne Hemd auf dem roten Teppich

Er hat es tatsächlich getan. Rock-Legende Iggy Pop hat sich ohne Hemd auf dem roten Teppich der Filmfestspiele von Cannes gewagt, wenn auch nicht ganz oben ohne, wie gewöhnlich bei seinen Konzerten. Zur Vorführung des ihm gewidmeten Dokumentarfilms Gimme Danger von Jim Jarmusch kommt der auch gerne als Pate des Punk titulierte Musiker im blauen Anzug. Mehr

20.05.2016, 09:27 Uhr | Feuilleton
Alte Geschichte Der dunkle Märchenkaiser

War Nero so schlimm wie sein Ruf? Mehr Von Ulf von Rauchhaupt

13.05.2016, 17:34 Uhr | Wissen
Frühe Fotografie Scharf wie 140 Gigapixel

Anderes Licht, höchste Auflösung, fast wie gemalt: Frühe Fotografien waren absolut wirklichkeitsgetreue Abbilder. Sie wurden mit Apparaten hergestellt, die geradezu extrem analog waren. Mehr Von Fritz Jörn

26.04.2016, 15:55 Uhr | Aktuell
Deutschland Feuerbrünste im Gefolg

Auf leichten Versfüßen von Schweinfurt nach Coburg: Zum hundertfünfzigsten Todestag feiert Franken den Dichter und Gelehrten Friedrich Rückert, der dem Abendland das Morgenland nahebrachte und als Weltpoet die Welt versöhnen wollte. Mehr Von Elsemarie Maletzke

13.05.2016, 15:36 Uhr | Reise
Glosse

Nach dem Massenmord

Von Jürg Altwegg

Als die „Eagles of Death Metal“ im Bataclan spielten, richteten Islamisten ein Massaker an. Jetzt hat der Sänger Hughes in Interviews Verschwörungstheorien kundgetan. Und plötzlich ist die Band in Frankreich unerwünscht. Mehr 52

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“