Home
http://www.faz.net/-gs3-7grjj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Zum Tod von Fritz Rau Im Namen des Jazz

Er brachte alle Größen des Rock und Pop auf die Bühne: Nun ist der Konzertveranstalter Fritz Rau im Alter von dreiundachtzig Jahren verstorben.

© dpa Vergrößern Fritz Rau (1930 - 2013)

In seiner hintergründig-selbstironischen Art hat er sich gelegentlich als Kofferträger für musikalische Stars bezeichnet. Und weil er ein guter Kofferträger gewesen sei, habe man ihn auch andere Dinge machen lassen, Konzerte veranstalten, zum Beispiel. So hat Fritz Rau früh schon an seinem Mythos gearbeitet. Dabei begann der Volljurist in Heidelberg ganz seriös als lokaler Konzertveranstalter und machte sich früh schon einen Namen als Förderer deutscher Jazzmusiker um den Posaunisten Albert Mangelsdorff.

Sein Aufstieg zum erfolgreichsten europäischen Konzertagenten begann, als er in den frühen sechziger Jahren Partner von Horst Lippmann in Frankfurt wurde und die Jazz-at-the-Philharmonic-Tourneen des amerikanischen Produzenten Norman Granz organisierte.

Folk und Blues zu Beginn

Zu dieser Zeit begann die Agentur Lippmann + Rau mit Serien wie dem „American Folk Blues Festival“ auch Einfluss auf die Entwicklung der populären Musik zu nehmen. Viele berühmte Rockmusiker wie Mick Jagger oder Eric Clapton haben später erklärt, erst durch diese Konzerte auf Musiker wie Howlin Wolf oder Willie Dixon aufmerksam und in ihrem Hang zum Blues bestärkt worden zu sein.

Nicht zuletzt mit diesen Tourneen gewann die Agentur auch das Vertrauen der Szene, um in den folgenden Jahrzehnten Tourneen für die größten Stars und Bands durchzuführen - von den Rolling Stones zu Jimi Hendrix und Janis Joplin, von Bob Dylan zu Prince und von Frank Zappa zu Madonna.

Mick Jagger und Peter Alexander

Fritz Rau, der Jazzenthusiast, war gleichwohl für alle Stilrichtungen der Popmusik offen, vertrat Schlagermusiker wie Udo Jürgens, Peter Maffay, Howard Carpendale und Peter Alexander mit dem selben professionellen Engagement wie die Flamenco-Künstlerin La Singla, den Chansonsänger Charles Aznavour oder die Show-Stars Marlene Dietrich und Frank Sinatra. Wahllos war der politisch wache Rau, der der Friedensbewegung nahe stand und in den achtziger Jahren die Grünen im Wahlkampf unterstützte, gleichwohl nie. Den „Böhsen Onkelz“ verweigerte er wegen ihrer rechtslastigen Songtexte die Zusammenarbeit.

In den vergangenen Jahren war Rau mit dem Jazzgitarristen Jürgen Schwab selbst auf Tournee, um von seinen Erfahrungen als Konzertagent zu berichten, die er auch in seinen Erinnerungen „50 Jahre Backstage“ niedergeschrieben hat. Das darin enthaltene Verzeichnis der Künstler, für die Rau Konzerte veranstaltete, liest sich wie ein „Who’s who“ der Popmusik seit 1950. Mick Jagger hat seinen Freund Fritz Rau als „Godfather“ bezeichnet, Udo Lindenberg als friedlichen Vulkan. Jetzt ist Fritz Rau im Alter von dreiundachtzig Jahren gestorben.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Musikerin Natalia Mateo Jazzblüten mit tiefen Wurzeln

Das Fremdsein kennt sie, nicht nur deshalb macht Natalia Mateo Musik, die ihrer Seele guttut. Und immer mehr Leute finden das großartig. Jetzt ist sie mit ihrer Band in Mainz zu Gast. Mehr

13.07.2014, 17:21 Uhr | Rhein-Main
Nachruf auf Johnny Winter Im Meer seiner Tränen

„Der Blues wird niemals sterben“, sagte Johnny Winter einmal. Mit ihm aber verliert er zumindest einen Teil seiner Seele. Zum Tod einer Legende. Mehr

17.07.2014, 15:34 Uhr | Feuilleton
Theater Gert Voss ist tot

Er galt als der herausragende Schauspieler seiner Generation. Am Sonntag ist Gert Voss nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Die Theaterwelt trauert. Mehr

14.07.2014, 09:29 Uhr | Feuilleton

Nicht dummstellen

Von Christian Geyer

Alle Beschwichtigungsrhetorik kann nicht darüber hinwegtäuschen: Der aktuelle Antisemitismus hat eine neue Qualität erreicht. Seine Wurzeln liegen in der Türkei und arabisch-islamischen Herkunftsländern. Ein Kommentar. Mehr 500