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Zum Tod von Bob Brookmeyer Drei Ventile für den Jazz

19.12.2011 ·  Er wurde im West Coast Jazz groß, in New York berühmt und machte einen merkwürdigen Mischling zum respektierten Instrument: Zum Tod des Posaunisten Bob Brookmeyer.

Von Wolfgang Sandner
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Den musikalischen Bastard zwischen Trompete und Posaune hat vor ihm nur Juan Tizol gespielt, und das auch fast ausschließlich als Satzmusiker in den Big Bands von Duke Ellington und Harry James. Bob Brookmeyer aber hat die Ventilposaune zu einem respektierten Soloinstrument gemacht, als er in den fünfziger Jahren als Nachfolger von Chet Baker zum Quartett von Gerry Mulligan stieß. Dieser schlackenlose Ton ohne all die Verschleifungen der Zugposaune passte perfekt zum filigranen Klang dieser Combo mit zwei Bläsern, Bass und Schlagzeug, die den vielstimmigen Kontrapunkt zum beherrschenden Stilprinzip erhob.

Es mag paradox erscheinen, dass der Posaunist Bob Brookmeyer und der Baritonsaxophonist Gerry Mulligan einen linearen Klang ohne Klavier bevorzugten, obwohl beide auch ausgezeichnete Pianisten waren. Sie waren so sicher in ihrem harmonischen Gespür, dass ihnen die Akkordbasis eines Tasteninstruments als überflüssig erschien. Die Aufnahmen des Quartetts aus dieser Zeit, vor allem das Livealbum des legendären Konzerts vom 1. Juni 1954 in der alten Salle Pleyel von Paris, gehören jedenfalls zu den Meilensteinen des modernen Jazz.

Bob Brookmeyer, der aus Kansas City stammte und dort eine klassische Ausbildung am Konservatorium genoss, hat mit vielen Musikern des Westcoast-Jazz zusammen gespielt, mit Stan Getz und Jimmy Giuffre etwa, kam aber schon in den fünfziger Jahren nach New York. Seit den achtziger Jahren lebte er zeitweilig in Europa und arbeitete auch häufig mit Musikern in Schweden, Holland, Deutschland und Österreich zusammen, unter anderem mit der Jazz Big Band Graz oder der Big Band des WDR in Köln, mit der er Anfang der neunziger Jahre eine aufwendige Produktion ausschließlich mit eigenen Kompositionen herausbrachte.

Auch als Lehrer für Komposition, Arrangement und Instrumentalspiel wurde Bob Brookmeyer geschätzt. Er unterrichtete an der Manhattan School of Music in New York, hatte in den neunziger Jahren einen Lehrstuhl für Jazzkomposition am New England Conservatory of Music in Boston inne und wirkte auch bei zahlreichen Workshops in Europa, unter anderem beim Schleswig-Holstein Musikfestival. Vor zwei Wochen erschien seine letzte Aufnahme mit dem von ihm gegründeten New Art Orchestra und der Sängerin Fay Claassen unter dem Titel „Standards“. Am vergangenen Freitag ist er, kurz vor seinem zweiundachtzigsten Geburtstag, gestorben.

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Jahrgang 1942, freier Autor im Feuilleton.

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