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Zum Tod Esbjörn Svenssons Unwiderrufen feinnervig

16.06.2008 ·  Sein Trio „e.s.t.“ schaffte die Balance zwischen Anspruch und Erfolg. Jetzt ist Esbjörn Svensson bei einem Tauchunfall vor Stockholm ums Leben gekommen. Wolfgang Sandner schreibt zum Tod des großen schwedischen Jazzpianisten.

Von Wolfgang Sandner
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Für Größe in der populären Musik gibt es einen Indikator: Wer es auf das Cover des „Rolling Stone“ schafft, der kann schon einmal den Makler bestellen, um sich ein Haus in Malibu oder Nottinghill Gate auszusuchen. Ähnliches gilt für den Jazz. Wessen Konterfei die Titelseite des „downbeat“ ziert, der muss sich um seine musikalische Zukunft keine Sorgen mehr machen, auch wenn ein Wohnsitz in Kalifornien oder in vornehmeren Gegenden von London nicht ohne weiteres damit verbunden sein muss. Zwischen der massenwirksamen Popmusik und der Nischenkunst Jazz liegt immer noch der Rubikon des kommerziellen Erfolgs.

Der Pianist Esbjörn Svensson hat es als erster europäischer Jazzmusiker tatsächlich bis auf die erste Seite der amerikanischen Zeitschrift „downbeat“ gebracht. Noch erstaunlicher aber ist, dass er mit seiner anspruchsvollen Musik sogar den gordischen Knoten zerschlagen konnte und kommerziell erfolgreich wurde. Dies lag sicherlich auch an der Fähigkeit des Pianisten, mit seinem Trio unter dem Kürzel „e.s.t.“ einen Klang zu produzieren, der die Popfans in ihrer Abneigung vor Kopfmusik nicht verschreckte, die Jazzgemeinde nicht zugleich mit trivialem Melos beleidigt hat und selbst die Klassikhörer mit kultiviertem Anschlag und kompositorischer Formvollendung für sich einnehmen konnte.

Was er aber vor allem konnte

Dennoch blieb alles, was er im Konzert und auf Tonträger herausgebracht hat, unwiderrufen Jazz: Esbjörn Svensson konnte swingen, sich klanglich-musikalisch zurücknehmen wie der Zweifinger-Pianist John Lewis vom Modern Jazz Quartet oder der rockige Jazzminimalist Ramsey Lewis, einen sanften Balladenstil entwickeln wie Bill Evans, bisweilen auch sich in einen wahren Rausch der improvisatorischen Selbstinspiration steigern, als wäre er ein zweiter Keith Jarrett. Was er aber vor allem konnte, war: einprägsam und identifizierbar zu musizieren. Esbjörn Svensson hatte seinen Stil gefunden, einen feinnervigen Jazz ohne virtuose Überkompensation, nicht selten mit Anklängen an populäre Sounds und moderne Rockrhythmen, gelegentlich in die mystische Klangwelt nordischer Folklore eintauchend, um dann wieder wie manisch um ein paar Motive zu kreisen.

Esbjörn Svensson, 1964 im mittelschwedischen Västeras geboren, scheint für seine Laufbahn ebensoviel in die Wiege gelegt bekommen wie selbst entwickelt zu haben. Seine Mutter war klassische Pianistin, der Vater Jazzfan, er selbst hörte sich als Jugendlicher durch die aktuellen Popcharts und komplettierte das alles durch ein Musikstudium in Stockholm. Dennoch war er kein Wunderkind. Den ersten Klavierunterricht nahm er erst im Alter von sechzehn, und seinen Durchbruch als Jazzmusiker hatte er im Grunde erst Anfang der neunziger Jahre, als er mit dem Bassisten Dan Berglund und dem Schlagzeuger Magnus Öström „e.s.t.“ gründete.

Nun ist die hoffnungsvolle Karriere jäh zu Ende gegangen. Am Samstag ist Esbjörn Svensson bei einem Tauchunfall vor Stockholm ums Leben gekommen.

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