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Zum Tod der Sopranistin Galina Wischnewskaja Menschen werden wir nur auf der Bühne

 ·  Für sie komponierte Benjamin Britten das völkerversöhnende „War Requiem“: Zum Tode der russischen Sopranistin Galina Wischnewskaja.

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© Getty Images Vergrößern Im Alter von 86 Jahren gestorben: Galina Wischnewskaja

In den fünfziger und sechziger Jahren war Galina Wischnewskaja die herausragende Primadonna des Moskauer Bolschoi-Theaters. 1996, ein Jahrzehnt nach ihrem Bühnenabschied, wurde sie zur Protagonistin einer Oper von Marcel Landowski: „Galina“. Passend für ein mit Drangsal beladenes Leben, von dem sie sagte: „Im Alltag sind wir nichts als Schauspieler, Menschen werden wir nur auf der Bühne.“

1926 geboren, verlor Galina Wischnewskaja während der Blockade Leningrads ihre Eltern und wuchs bei den Großeltern auf. Ohne eine Gesangsausbildung schloss sie sich mit sechzehn einer Operettentruppe an. Erst 1948 fand sie in Vera Nikolajewna Garina eine Gesangslehrerin, die sie auf ihre Karriere am Bolschoi vorbereitete. Unter der Regie von Boris Pokrowski erarbeitete sie die zentralen Partien in den Opern von Glinka, Rimski-Korsakow, Alexander Dargomyschski, Tschaikowsky und Mussorgski.

Politische Außenseiterin

1955 lernte sie den Cellisten Mstislaw Rostropowitsch kennen - und verließ für ihn ihren ersten Mann. In ihrer besten Zeit besaß sie einen üppigen, klangreichen, lyrisch-dramatischen Sopran von typisch russischer Timbrierung, brillant in der vibrierenden Forte-Höhe, sanft in den hohen Pianissimi. Und besser als alle anderen russischen Sopranistinnen jener Jahre behauptete sie sich im italienischen Repertoire: als Violetta, Aida, Tosca, Ciò-Ciò-San und Liù. Einige dieser Partien hat sie in den frühen sechziger Jahren auch an der Metropolitan Opera, der Scala und an der Covent Garden Opera gesungen.

Die beiden ersten Jahrzehnte ihrer Karriere wurden immer wieder von der Politik überschattet. Die Freundschaft zu Dmitrij Schostakowitsch, der ihr 1960 seinen Liederzyklus op.109 gewidmet hatte, und später die zu Alexander Solschenizyn ließen sie und Rostropowitsch zu politischen Außenseitern werden. Nach einigen Jahren einer „stillen Strangulation“ durch Auftritts- und Reiseverbote sahen sie und Rostropowitsch keinen anderen Ausweg als die Emigration (1974).

Herzbewegende Porträts

Anders aber als ihr Mann, weltweit als Cellist und Dirigent gefragt, konnte sie, inzwischen 48 Jahre alt, ihre Laufbahn nicht problemlos fortsetzen. Opern wie „Pique Dame“, „Sadko“, „Schneeflöckchen“ oder „Krieg und Frieden“ gehörten in Paris, London und New York damals nicht zum Kernrepertoire. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde sie, wie ihr Mann, rehabilitiert - zu spät für ihre Karriere.

Für die russische Oper des 19.Jahrhunderts war Galina Wischnewskaja das, was Maria Callas für die Belcanto-Oper war. Ihre Darstellungen von Tschaikowskys Tatiana und Lisa sind herzbewegend. Womöglich noch suggestiver ihre Porträts der Maria in „Boris Godunow“ und der Katerina Ismailowa in Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“. Aus den Sechzigern stammen exzeptionelle Liedaufnahmen, etwa der „Lieder und Tänze des Todes“ von Mussorgski.

Denkwürdig auch die Aufnahme des „War Requiem“ von Benjamin Britten, der die Sopranpartie dieses völkerversöhnenden Antikriegsstücks eigens für die Wischnewskaja komponiert hatte. Sie sollte bei der Uraufführung am 30.Mai 1962 in Coventry singen, erhielt aber von den Sowjetbehörden kein Ausreisevisum. Auf der Ersteinspielung unter Leitung des Komponisten ist ihre berührende Interpretation jedoch, neben der von Dietrich Fischer-Dieskau und Peter Pears, bewahrt. Am 11.Dezember ist Galina Wischnewskaja im Alter von 86 Jahren gestorben.

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