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Zum Tod der Pianistin Brigitte Engerer Beste Schule

 ·  In Frankreich eine Berühmtheit, war sie hierzulande kaum bekannt. Am 12. Juni gab sie ihr letztes Konzert, elf Tage später ist sie gestorben. Zum Tode der Pianistin Brigitte Engerer.

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© AFP Am 23. Juni ist sie in Paris gestorben: die Pianistin Brigitte Engerer

Ihr letztes Konzert hatte Brigitte Engerer am 12. Juni im Théâtre des Champs-Elysées gegeben. Auf dem Programm: Schumanns a-Moll-Klavierkonzert. Es begleitete das Pariser Kammerorchester, und „Le Monde“ berichtete. Nicht nur, weil Engerer Chevalier der Ehrenlegion und ein Commandeur des Arts et des Lettres war und als Pianistin in Frankreich eine Berühmtheit. Dieses Konzert war kein gewöhnliches, es war ein Abschied. Noch einmal für Publikum zu spielen, ließ Engerer über ihren Freund, den Intendanten René Martin, Begründer des Klavierfestivals La Roque d’Anthéron und der legendären „Folle Journée“ in Nantes, mitteilen, sei ihr eine große Freude gewesen. Nur elf Tage später, am 23. Juni, starb Brigitte Engerer.

Sie hatte lange beherzt gegen eine schwere Krankheit gekämpft. Und es ist bezeichnend, dass diese lebenslustige Pianistin, die in den siebziger und achtziger Jahren immer mit an erster Stelle genannt wurde, wenn es um die Klavierkunst der russischen Schule ging, die einst mit Karajan und Mehta musizierte und wichtige Wettbewerbe gewann, hierzulande heute allenfalls noch Schallplattenfreunden ein Begriff ist. Denn die Musikmärkte in Europa sind, dafür sorgen die Konzertagenturen, seltsam national borniert: Wer in England oder Frankreich ein Star ist, der muss in Deutschland keine große Nummer sein - und umgekehrt. Zuletzt kamen beim Label Mirare die Liebesliederwalzer op.42 von Johannes Brahms heraus, eingespielt vierhändig von Engerer und ihrem langjährigen russischen Duopartner Boris Berezovsky: ein Rausch aus Liebe, Leichtigkeit, Geschwindigkeit.

Technik, Esprit und tiefempfundenes Sentiment

Brigitte Engerer, geboren in Tunis am 27.Oktober 1952, erhielt mit fünf Jahren ihren ersten Klavierunterricht, sie wurde mit elf Jahren ans Pariser Konservatorium geholt. Mit siebzehn fiel sie bei ihrem ersten internationalen Wettbewerb auf, woraufhin sie von Stanislaw Neuhaus, dem Sohn von Heinrich Neuhaus, nach Moskau eingeladen wurde. In seiner Obhut studierte sie neun Jahre lang. So ist die Engerer also, trotz ihrer tunesisch-französischen Wurzeln, recht eigentlich eine der letzten Enkelschülerinnen von Neuhaus, und ihre Klavierkunst trägt den Stempel bester russischer Prägung: brillante Technik, vereint mit romantischem Esprit, dazu tiefempfundenes Sentiment.

Tschaikowsky spielte sie mit der gleichen Tiefe wie Beethoven, Liszt ebenso wie Schubert oder Schumann. Seit 1992 hatte Brigitte Engerer dieses Wissen am Pariser Konservatorium an Jüngere weitergereicht, regelmäßig konzertiert und Kammermusik mit Freunden gemacht, bis zum Schluss. Sie wurde neunundfünfzig Jahre alt.

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Jahrgang 1952, Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin

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