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Wayne Shorter zum Achtzigsten : Er war der Kopf von Miles

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Bild: Tshi/VU/laif

Bandleader von Miles Davis, von John Coltrane höchstselbst zum Thronfolger ernannt und wegweisend für die Fusion-Music: Wayne Shorter wird an diesem Sonntag achtzig Jahre alt. Eine Würdigung des Saxophonisten.

          Von John Coltrane als sein Nachfolger empfohlen, von Miles Davis als neuer Charlie Parker gepriesen und von Herbie Hancock als bester Komponist bezeichnet zu werden: mehr Lorbeer kann kein Jazzhaupt umkränzen. Der Saxophonist Wayne Shorter hat jede Band geprägt, in der er seit den fünfziger Jahren spielte - als Improvisator, Arrangeur, Komponist, Impulsgeber und Wegweiser. Selbst auf der ersten wichtigen Sprosse seiner Karriereleiter, in Art Blakeys Jazz Messengers, die von vielen als Jazz-Universität bezeichnet wurde, schrieb er sich gleich als Dozent ein. Das war auch der Grund, warum ihn Miles Davis 1964 in sein zweites großes Quintett holte und ihm alle Freiheiten ließ, die der geniale Shorter brauchte. In seiner Autobiographie hat Miles später Wayne Shorter als Kopf seiner Band bezeichnet, der gleichwohl um seinen eigenen Planeten kreise: „Die übrigen Musiker in der Band standen auf der Erde.“

          Wayne Shorter hat auf allen wichtigen Einspielungen von Miles Davis zwischen 1964 und 1970 mitgewirkt und ihnen durch Kompositionen wie „Nefertiti“, „E.S.P.“ oder „Sanctuary“, die heute zu den Jazz-Standards gehören, Kontur verliehen. Vor allem hat er bei den Aufnahmen zu „In a Silent Way“ und „Bitches Brew“ wesentlichen Einfluss auf die Wende zum Jazzrock ausgeübt, den die Band damit nahm. Und es dürfte Miles Davis sicher nicht sehr amüsiert haben, dass „Weather Report“, die Gruppe, die Wayne Shorter nach seiner Trennung von dem Jazz-Guru gründete, erfolgreicher und möglicherweise auch stilprägender für die Fusion-Music gewesen ist als dessen Band der späten sechziger Jahre.

          Man kann Wayne Shorter guten Gewissens als einen der einflussreichsten Sopran- und Tenorsaxophonisten nach John Coltrane bezeichnen. Mit seinen eigene Quartettaufnahmen ist er in den zurückliegenden Jahren wieder mehr zu akustischem Spiel zurückgekehrt, mit dem er so etwas wie ein Kompendium der jüngeren Jazzgeschichte schuf: mit Free-Jazz-Splittern, Bebop-Vertracktheiten, Jazzrock-Dynamik, mit dramatischem Balladentonfall, Klang-Askese und Powerplay. Dabei hat er sich nie als Jazz-Archivar verstanden. Alles was er hervorbringt, wirkt aktuell. Seine Biographin Michelle Mercer hat es griffig beschrieben: „Wayne gehört nicht nur zur Szene. Er ist die Szene.“ An diesem Sonntag wird er achtzig.

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