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Wagner-Festspiele Die PR der Zukunft

17.06.2009 ·  In Berlin wollten die Wagner-Urenkelinnen Katharina und Eva Wagner-Pasquier jetzt erstmalig ihr Konzept „Zukunft Bayreuth“ vorstellen. Heraus kam eine durchsichtige Werbe- und Wahlveranstaltung für kaum veränderte Festspiele.

Von Julia Spinola
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Unter dem Titel „Visionen vom Grünen Hügel“ lud die Bayerische Vertretung in Berlin zu einer Präsentation der neuen Festspielleitung mit Podiumsdiskussion, Imagefilm und musikalischer Umrahmung. Die Ankündigung, die beiden Wagner-Urenkelinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier würden „erstmalig ihr Konzept ,Zukunft Bayreuth‘“ vorstellen und ihr „künstlerisches Programm diskutieren“, hatte in großer Zahl Journalisten angelockt.

Doch dem feierlichen Einzug Katharina Wagners zum schütter besetzten Fanfarenklang des Wagnerschen „Einzugs der Gäste“ aus dem „Tannhäuser“ folgte ein Abend, der sich, statt Neues zu eröffnen, eher als Werbe- und Wahlkampfveranstaltung entpuppte.

Die „Marke Bayreuth“

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) verknüpfte seine Versprechungen, der Bund werde Bayreuth mit einem dauerhaften finanziellen Engagement die Treue halten, mit einer Rüge für seinen Vorgänger Michael Naumann (SPD), der 1999 gefordert hatte, den Festspieletat zu senken. Die Festspiele seien als unvergleichliches Kulturereignis der „deutsche Olymp“ und zugleich „eines der gelungensten Beispiele für die Kooperation im Kulturföderalismus“, sagte Neumann. In diesem Jahr soll das Festival mit mehr als zwei Millionen Euro aus dem Etat des Kulturstaatsministers gefördert werden, was einem Drittel der Gesamtzuwendungen entspricht. Im kommenden Jahr plant man eine Erhöhung auf rund 2,3 Millionen Euro. Auch das Land Bayern wolle „noch einen Zahn zulegen“, betonte der bayerische Staatsminister für Kunst, Wolfgang Heubisch (FDP), und kündigte an, die „Marke Bayreuth“ noch mehr nach außen zu tragen.

Dass Eva Wagner-Pasquier nicht erschienen war, wurde auf dem Podium nicht kommentiert, doch bekräftigte Katharina Wagner, beide Schwestern arbeiteten harmonisch zusammen. Da künstlerisch vieles schon auf Jahre hinaus festgelegt ist, bezieht sich die neue Bayreuther „Vision“ bislang nach wie vor hauptsächlich auf Vermittlungs- und PR-Strategien wie „public viewing“, Internetübertragungen und Programmheftgestaltung. Neu in diesem Jahr ist eine gekürzte und für Kammerorchester bearbeitete Mitmach-Version des „Fliegenden Holländers“ für Kinder auf einer der Probebühnen. Mit der Renovierung der Homepage habe man bereits ein Ausrufezeichen gesetzt, sagte Katharina Wagner. Sie kündigte an, ein „unabhängiges Institut“ mit der lückenlosen Dokumentation der Familien- und Festivalgeschichte in der NS-Zeit zu beauftragen und hierfür alle ihr zugänglichen Archive zu öffnen. Wie ergiebig diese Recherchen sein können, solange nicht klar ist, ob andere Familienmitglieder die in ihrem Besitz befindlichen Dokumente ebenfalls bereitstellen werden, bleibt abzuwarten.

Der Hügel als Liegewiese

Bei all der Rede vom Wunsch nach „Durchsichtigkeit“ und „Öffnung“ hätte man sich in einem anderen Punkt mehr Transparenz gewünscht. Katharina Wagner dementierte das Gerücht eines geplanten Umbaus auf dem Grünen Hügel, für den angeblich 23 Millionen Euro ausgegeben werden sollen. In Planung sei bislang nur eine zusätzliche Probebühne, die schon kommendes Jahr für das voluminöse Bühnenbild des „Lohengrin“ von Hans Neuenfels benötigt werde. Gern hätte man indes die bereits existierenden, vom Berliner Architekten Staab entworfenen, wesentlich umfangreicheren Bebauungspläne für das Festspielhausareal erläutert und zur Diskussion gestellt bekommen – auch wenn sie aus finanziellen Gründen wohl vorerst noch nicht umgesetzt werden sollen.

Diese Pläne sehen eine passepartoutartige Umrahmung des Festspielhauses durch weitere Gebäude an den beiden Seiten und an der Rückseite des Hauses vor, von denen aus jeweils gemauerte Zugänge zu den beiden Seiteneingängen führen sollen. Die terrassenförmige Anlage unterhalb des Vorplatzes soll aufgeschüttet werden zu einer ebenen Fläche, wodurch sich der Hügel in eine Art Liegewiese oder Aufmarschplatz verwandeln würde. Die optische und architektonische Herausgehobenheit des Hauses wäre damit eingeebnet. Sieht so jenes „neue Gesicht“ aus, das Katharina Wagner den Festspielen verschaffen möchte?

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Jahrgang 1962, Redakteurin im Feuilleton.

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