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450 Jahre Monteverdi : Lieben, singen, beten, tanzen

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Vor 450 Jahren ist der Komponist Claudio Monteverdi in Cremona getauft worden. Das feiert die ganze Welt: mit Psalmen, mit Bällen und mit Opern.

          Die Lust an der lebensprallen, theatralischen Wirkung, die von Claudio Monteverdis „Marienvesper“ – einem geistlichen Werk immerhin – ausgeht, ist frappierend. Sie lässt einen unwillkürlich an Caravaggio denken. Ähnlich wie der Maler 1601 in seinem berühmten Gemälde „Das Nachtmahl in Emmaus“ mit hervorspringender Gestik das Erstaunen, ja das Erschrecken der Jünger über den Auferstandenen ins Bild setzt, so kraftvoll und raffiniert zugleich deutet Monteverdi die altbekannten Psalmtexte und liturgischen Formeln aus, die seit Jahrhunderten den Grundstock christlicher Andacht bildeten. Anders, als man vielleicht meinen könnte, steht diese gleichsam szenische Präsenz der Musik zum geistlichen Thema nicht im Widerspruch. Sie zeigt vielmehr, dass Monteverdi, dessen Tauftag heute genau 450 Jahre zurückliegt, ein gleichermaßen lebhaftes Interesse an Texten und Inhalten hatte, ob sie nun geistlich waren oder weltlich.

          Die Marienvesper von 1610 ist eines der großen Rätsel europäischer Musikgeschichte. Für welchen Aufführungsort wurde sie geschrieben? Ist sie ein zusammengehöriges Werk oder eine Sammlung einzelner Sätze? Und unter welchen Umständen hat Monteverdi dieses opus summum überhaupt komponiert? Schließlich war sein Leben unmittelbar vor Drucklegung von großer seelischer Anspannung geprägt, wie wir aus seinen Briefen wissen. Von großem Erfolg einerseits – 1607 geht die Oper „Orfeo“ über die Bühne, 1608, anlässlich der Hochzeit des mantuanischen Herzogs Gonzaga, die Oper „Arianna“ – von Schicksalsschlägen andererseits. 1607 stirbt Monteverdis Frau Claudia; die beiden Söhne sind sieben und drei Jahre alt. Als Zufluchtsort bleibt der Restfamilie nur Monteverdis Vaterhaus in Cremona, von wo er jedoch immer wieder ins ungeliebte Mantua zurückbeordert wird. Erst 1613, mit Antritt der höchst angesehenen Stelle des Domkapellmeisters von San Marco in Venedig, kann er befreit aufatmen.

          Die prachtvolle Vespermusik ist Papst Paul V. gewidmet und laut Titel „für Kapellen und Fürstengemächer“ geeignet. In der Sixtinischen Kapelle war eine Aufführung undenkbar; hier wurde ein A-capella-Gesang gepflegt, der von weltlichen Einflüssen unberührt sein sollte. Aber Monteverdis Vertonung der Vesperpsalmen, des Magnificats und der Sologesänge ist durchdrungen von weltlicher Musiksprache: madrigalische Wortausdeutungen, dramatische Operneffekte, tänzerische Rhythmen, doppelchörig gebaute Architektur. Schon allein, wie die Ehrbezeugung am Ende jedes Psalms, „Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto…“, sieben Mal nahezu komplett seine Gestalt ändert, ist überwältigend.

          Vespro della Beata Vergine (1610). Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner.

1 DVD, 1 Blueray Alpha music 705 (Outhere/Note 1)
          Vespro della Beata Vergine (1610). Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner. 1 DVD, 1 Blueray Alpha music 705 (Outhere/Note 1) : Bild: (Outhere/Note 1)

          Mit einem bis heute gültigen Ergebnis hatte der britische Dirigent John Eliot Gardiner 1989 eine Aufführung der Marienvesper im Markusdom in Venedig „inszeniert“, die jetzt zum 450. Jubiläum als CD und DVD wieder aufgelegt wurde. Sein weltberühmter Monteverdi Choir – auch schon über fünfzig Jahre alt – wurde damals in kardinalrote Roben gesteckt und auf verschiedenen Emporen, Kanzeln sowie im Altarraum der Basilika postiert. Chor, Solisten und Orchester (verstärkt vom Ensemble „His Majesties Sagbutts and Cornetts“) agierten auf höchstem musikalischen Niveau, und die DVD ist ein sinnvolles Projekt, weil die Kameraführung den von Mosaiken durchwirkten Kirchenraum von San Marco in sorgfältiger, auf das geistliche Werk abgestimmter Regie erkundet.

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