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Vier „Zauberflöten“ Die Strahlen der Sonne

 ·  Vier neue Produktionen der „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart halfen mit, den Jahreswechsel zu bewältigen, in Amsterdam, Meiningen, Straßburg und Berlin.

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Wer hat an den Feiertagen, die hinter uns liegen, wieder die „Zauberflöte“ gehört? Und zum wievielten Mal? Mit Mozart nämlich fing das sogenannte Verdi-Wagner-Jahr an. Fünf Opernhäuser brachten in den Wochen vor Weihnachten eine Neuinszenierung dieses alten Wunderrätselmärchens heraus: in Amsterdam, Antwerpen, Meiningen, Straßburg und Berlin. In Stuttgart wurde die Brecht-Bühnenfassung von Peter Konwitschny mit der vollalkoholisierten Nachtkönigin neu aufgelegt: ein Dauerbrenner.

In Wien, wo die „Zauberflöte“ vor 222 Jahren das Licht der Welt erblickt hatte, zeigt die Staatsoper zurzeit die Pappkarton-Lesart von Marco Arturo Marelli, die schon hundertfach gelaufen ist: ein Kassenschlager. Dieser Siegeszug, vermutet Wilhelm Sinkovicz von der Wiener „Presse“, sei wohl auf die zur Mozart-Zeit noch „unzeitgemäße Botschaft der Versöhnung der Geschlechter“ zurückzuführen: „Mann und Weib und Weib und Mann“. Stimmt. Doch es gibt, neben der Liebe, noch ein paar mehr Schlüssel zum Glück in diesem Stück. Zum Beispiel: göttliche Fügungen, einst „Zauberdinge“ genannt und heute eher unter dem Decknamen Zufall unterwegs. Oder: Sex.

Wasser

Amsterdam. Der Vogelhändler und seine Frau sind zwar einfache, aber doch erwachsene Leute. Sie fallen, kaum haben sie einander kennengelernt, sofort übereinander her. Da die „Zauberflöte“ weithin für eine jugendfreie Familienoper gehalten wird, hat es sich eingebürgert, beim „Pa-Pa-Pa“-Duett ein Dutzend Ballettratten auf die Bühne zu schicken, oder es rollen ein paar Kinderwägen an. Dabei handelt die Musik nicht von der Lust der Kinderaufzucht, sondern, ganz eindeutig, von der Lust des Kindermachens.

In Amsterdam hat der britische Film- und Schauspielregisseur Simon McBurney genau auf Mozarts orgiastisch stammelnde Musik gehört. Papageno und Papagena ziehen einander auf der Stelle aus (keine Sorge, sie haben zwiebelartig viel an). Sie küssen sich atemlos in jeder musiknotenfreien Sekunde, sie laufen davon, quer durchs Publikum, immerfort singend, kuschelnd und sich entschuldigend, dass sie leider nicht werden weiter mitspielen können: Sie haben jetzt Besseres zu tun.

Wunderbar frühlingsgrüne, junge Sänger gibt es in dieser „Zauberflöte“. Neben Thomas Oliemans als Papageno und Maximilian Schmitt als Tamino ist vor allem Christina Landshamers leuchtende Pamina-Stimme eine Entdeckung. Die Bühne ist noch sehr viel kahler als die von Brecht oder Konwitschny. Solange die Musik schweigt, ist überhaupt gar nichts zu sehen außer dem Gerüst für die Technik und einer flachen Spielfläche, die auch schweben und kippen, Berg, Tal und Höhle sein kann. Alles entsteht aus dem Stegreif, pointensicher, sekundengenau, sobald der Dirigent Marc Albrecht das Stöckchen aus der Fracktasche zieht und den Einsatz gibt. Er führt sein Nederlands Kamerorkest sicher, schnell und transparent.

Rechts neben der Bühne sieht man in einem Kabuff den Geräuschemacher am Werk, wie er an Blitz und Donner, Wind und Vogelpiep herumschraubt; links an einem Tischchen den Bildermacher. Alles, was er da zusammenpanscht und -zeichnet, das Gebirge, den Garten, die Wolken, Wasser, Feuer, wird abgefilmt und auf die diversen Gaze-Vorhänge projiziert, die blitzschnell aus dem Bühnenhimmel fallen. Als die Königin der Nacht hereinrollt, schüttet es wie aus der Gießkanne, im wahrsten Sinne des Worts. Die Wasserprobe, darin zwei Menschlein auf und nieder fliegen und zum Spielball des Elements werden, sah noch nie so lebensgefährlich aus wie hier. Am Ende verwandeln sich Pamina und Tamino und das ganze Theater in eine Sonne.

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