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Ulrike Folkerts Kommissar Tod

25.07.2005 ·  Wer mit so viel Tod in seinem Fernsehleben spielt, den kann ein solcher Rollenwechsel nicht schrecken: Den Tod in Hofmannsthals Mysterienspiel „Jedermann“ in Salzburg spielt die „Tatort“-Polizistin Ulrike Folkerts.

Von Hannes Hintermeier
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Sinnlich, beweglich und androgyn“, so stellt man sich bei den Salzburger Festspielen den Tod vor. Den Tod in Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel „Jedermann“ wohlgemerkt, das nun wieder am Domplatz aufgeführt wird - in einer Wiederaufnahme der Inszenierung Christian Stückls, aufgefrischt vom Schauspielchef Martin Kusej höchstselbst.

Schluß mit dem hölzernen Herumgestakse in schwarzer Kutte und mit Totenschädelmaske: Der Tod muß moderner und verführerischer werden, wird man sich gesagt haben. Und was liegt da näher als die Idee der Gegenbesetzung. Nimmt man eine Frau, bravo!

Rückkehr auf die Bühne

Gefunden hat der Regisseur die Frau ausgerechnet in Berlin, der Hauptstadt jener Nation, der sich Österreich derzeit haushoch überlegen fühlt. In einem Gartenlokal mit Freunden habe sie der Anruf erreicht, das Angebot fand sie ebenso überraschend wie verlockend. Das Stück lesen und zusagen waren eins. Für Ulrike Folkerts wird es eine Rückkehr auf die Bühne nach langer Zeit. Seit sechzehn Jahren spielt die 1961 in Kassel geborene Schauspielerin hauptamtlich die Kommissarin Lena Odenthal für den SWR-„Tatort“. So überlagert ist die Person schon von der Rolle, daß Folkerts gemäß dem Professor-Brinkmann-Syndrom als Frau Odenthal angeredet wird.

Dabei hatte ihre Laufbahn ganz klassisch 1986 auf den Brettern des Oldenburgischen Staatstheaters begonnen, wo sie unter anderem in Ibsens „Gespenstern“ spielte. Drei Jahre später kam das Angebot, Karin Anselm auf dem Posten der „Tatort“-Ermittlerin zu beerben. In diese Rolle ist sie seither so hineingewachsen, daß auch ihre Wandlungen darin nur natürlich wirkten. Die harte, zielstrebige Fahnderin, die sich körperlich nichts schenkt, ist mit den Jahren weniger aufbrausend und nachdenklicher geworden.

Im Zweifel kratzbürstig

Eine billige Macho-Kopie wollte sie nie sein, eine joggende, katzenstreichelnde Anlehnungsbedürftige auch nicht. Im Zweifel entscheidet sie sich für die Kratzbürstigkeit, das weiß keiner besser als ihr Kollege Kopper, der sich zeitweise bei ihr einquartiert hat. Mit Männern hat es die Odenthal indes meist schwer. Entweder sie unterschätzt sie, oder sie unterschätzen sie. Ganz selten gestattet sie sich eine Liebesaufwallung, von dauerhaftem Erfolg gekrönt war bislang keine Episode.

Und das ist natürlich das vordergründig Geniale und PR-mäßig Ausschlachtbare am Besetzungstrick des Martin Kusej - die doppelte Brechung, den Tod nicht nur mit einer Frau, sondern gleichzeitig mit einer bekennenden Lesbe zu besetzen. Zwar entstamme diese Idee einem männlichen Hirn, aber die Rolle des Todes „inspirierte mich sofort“, verriet die Schauspielerin der lokalen Presse.

Auf den Stufen des Doms wird sie Knittelverse deklamieren müssen: „Nun ist Geselligkeit am End/Ring nit vergebner Weis die Händ/Schleun dich, jetzt gehts vor Gottes Thron/Dort empfängest deinen Lohn.“ Wer mit so viel Tod in seinem Fernsehleben spielt, den kann ein solcher Rollenwechsel nicht mehr schrecken. Hoffentlich ist die Rollenzuschreibung beim Theaterpublikum noch nicht so gefestigt wie bei den Fernsehzuschauern - nicht, daß man in Salzburg den Tod künftig mit „Frau Hauptkommissarin“ anredet.

Quelle: F.A.Z., 26.07.2005, Nr. 171 / Seite 40
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