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Überraschung in Bayreuth : Wagner für Doppelspitze seiner Töchter

  • -Aktualisiert am

Zwei Schwestern für Bayreuth? Eva Wagner-Pasquier (l.) und Katharina Wagner Bild: dpa

Erstmals zeigt sich Wolfgang Wagner bereit, von seinem auf Lebenszeit gesicherten Amt als Festspielleiter in Bayreuth zurückzutreten: Er könne sich eine Doppelleitung mit seinen Töchtern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier vorstellen. Deren Verhältnis galt bislang als belastet.

          Der Termin der nächsten Stiftungsratssitzung in Bayreuth naht und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass in dem seit Jahren geführten Nachfolgestreit um die Leitung der Bayreuther Festspiele eine neue Runde eingeläutet wird. Überraschend ist jedoch, dass es dieses Mal der achtundachtzigjährige Wolfgang Wagner selber ist, der sich bewegt.

          Erstmals hat er nun die Bereitschaft signalisiert, von seinem auf Lebenszeit gesicherten Amt als Festspielleiter zurückzutreten. Noch bei der letzten Stiftungsratsitzung am 6. November 2007 hatte er sich einer Diskussion über die Nachfolgeregelung verweigert. Wie der Pressesprecher der Bayreuther Festspiele Peter Emmerich mitteilt, hat Wolfgang Wagner nun jedoch in einem Brief vom 8. April an die „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“ bekannt gegeben, dass er sich eine Doppelleitung mit seinen beiden Töchtern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier vorstellen könne. Bislang hatte er eine Beteiligung von Eva, seiner Tochter aus erster Ehe, kategorisch abgelehnt. Der Stiftungsrat dagegen liebäugelte schon seit längerer Zeit mit dieser Lösung, die bislang nicht zuletzt auch aufgrund familiärer Animositäten zwischen den beiden Halbschwestern unwahrscheinlich erschien.

          Ein gemeinsames Konzept

          Emmerich berichtete, die „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“, in der die Sponsoren der Bayreuther Festspiele zusammengeschlossen sind, hätten inzwischen die beiden Halbschwestern aufgefordert, ein gemeinsames Konzept vorzulegen. Auch der Bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) hat sich, in einem Brief vom 10. April, mit der Bitte an die Wunschkandidatinnen Wolfgang Wagners gewandt, unverzüglich ein Konzept vorzulegen, das als Basis für die Diskussion in der nächsten Stiftungsratssitzung am 29. April dienen solle. Wie der Pressesprecher der Festspiele mitteilte, wird die Lösung einer Doppelleitung mit Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier schon jetzt von mehreren hochrangigen Mitgliedern des Stiftungsrats unterstützt.

          Patriarch vor dem Rückzug: Wolfgang Wagner

          Eva Wagner-Pasquier hatte sich diesen Winter allerdings schon einmal beworben: gemeinsam mit ihrer Cousine Nike Wagner. Ein gemeinsames Konzept hat der Stiftungsrat Anfang April erhalten. Nike Wagner sagte dazu: „Ich freue mich über die inhaltliche Übereinstimmung mit meiner Cousine Eva und ich freue mich, dass auf diese Weise die Familien Wagner - die Häuser Wieland und Wolfgang Wagner - wieder zusammengeführt werden.“ Allerdings fehlt auf dem Konzept, wie aus Bayreuth zu hören ist, die Unterschrift von Eva Wagner-Pasquier.

          Höhere Zuschüsse benötigt

          Wie Emmerich betont, habe seit dem Tod von Katharinas Mutter Gudrun Wagner am 28. November letzten Jahres eine Annäherung der beiden Halbschwestern in mehreren Treffen und Gesprächen gegeben. „Sie haben sich inzwischen kennengelernt und festgestellt, dass sie sich unter gewissen Umständen eine Zusammenarbeit vorstellen könnten“, sagte er. Hintergrund der überraschenden Entwicklung scheint unter anderem der Sachverhalt zu sein, dass die Bayreuther Festspiele künftig höhere Zuschüsse der öffentlichen Hand benötigen werden. Das hat am 10. April ein Finanzkuratorium der Festspiele in einer Sitzung festgestellt. Dies ist möglicherweise der Hebel, mit dem der Bund, das Land Bayern, die Stadt Bayreuth und die Sponsoren Wolfgang Wagner zu seinem Umdenken bewogen haben.

          Die Stimmenverteilung im Stiftungsrat, der über die Nachfolge zu entscheiden hat, ist wie folgt: je fünf Stimmen für die Vertreter von Bund und Freistaat Bayern, drei Stimmen für die Stadt Bayreuth, je zwei Stimmen für die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, den Bezirk Oberfranken und die Bayerische Landesstiftung und eine Stimme für die Oberfrankenstiftung. Die Familie Wagner ist mit vier Stimmen vertreten, eine für jeden „Stamm“ der Nachkommen von Siegfried und Winifred Wagner, das heißt: für die Nachkommen Wielands und Friedelinds, die schon gestorben sind, sowie für Verena Lafferenz und für Wolfgang Wagner. Die Satzung erwartet jedoch, dass die Familienmitglieder sich untereinander weitgehend einigen, da sie „mit der Mehrheit ihrer Stimmen“ für einen bestimmten Kandidaten votieren müssen.

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