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Sopranistin Asmik Grigorian : Über Nacht zum Weltstar

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Königin der Salzburger Festspiele: Die litauische Sopranistin Asmik Grigorian als „Salome“ Bild: Reuters

Seit der Premiere von „Salome“ in Salzburg kann sich die litauische Sopranistin Asmik Grigorian vor Anfragen kaum mehr retten. Zu verdanken hat sie diese Begeisterung allein ihrer eigenen, harten Arbeit.

          Mit den Wonnen der Ahnung und den Ängsten der Hoffnung schicken Komponisten die Sängerinnen der von ihnen geschaffenen Figuren auf den Weg zur Bühne. Sie alle wussten, sie alle wissen, dass ihr Schaffen nur Wollen ist und erst die Darstellung das Können: die Kunst. Richard Strauss muss im Himmel selig gelächelt haben, als er die aus Vilnius stammende Asmik Grigorian auf der Bühne der Salzburger Felsenreitschule als Salome erlebte. Die Rolle ist auf das Gelingen des Unmöglichen angelegt. Der Komponist hatte sich für die fatale Kindfrau, zur Zeit der Wende ins zwanzigste Jahrhundert eine Ikone der Dichtung, der Malerei wie der Gebrauchskünste, eine mädchenhaft schlanke Darstellerin mit der dramatischen Stimme einer Isolde vorgestellt.

          Wer hätte sich vorzustellen gewagt, dass eine Darstellerin und eine solche Stimme für die symbolistisch verrätselte Salzburger Inszenierung von Romeo Castellucci gefunden werden könnte: eine Sängerin, die den hybriden Umfang der Partie vom tiefen Ges in der Altlage bis zum zweigestrichenen H in der hohen Sopranlage bewältigt, selbst in hohen orchestralen Wogen nicht untergeht und den lyrischen Phrasen ihres langen Finalgesangs sinnlich lockenden Zauber schenken kann. Wenn es nur das wäre.

          Heiß-kalte Verführungskunst

          Vier Tage nach der ersten Aufführung und eine gute Stunde vor der zweiten ist die siebenunddreißigjährige Asmik Grigorian kühlen Staunens voll über einen Erfolg, „der alle meine kühnsten Hoffnungen übersteigt“. Sie hat nach ihrem Debüt in Norwegen (2005) in aller Welt und mit beachtlichen Erfolgen gesungen, ohne wirklich bekannt zu werden. Ein Los, das sie mit vielen Kollegen teilt, die als hard working professionals verfügbar sein müssen und allzu oft auch verheizbar.

          Mehr als einen Achtungserfolg errang sie im vergangenen Jahr, als sie neben dem Wozzeck von Matthias Goerne die Marie in Alban Bergs Oper sang. Nur ist Marie keine Partie mit den Schwingen für den Höhenflug einer Karriere, wie es die fatale Heroine der Oper von Strauss nun einmal ist. Sie hat sich weitgehend allein auf diese komplexe Partie einer triebhaften? oder perversen? oder hysterischen? oder fatalen? Frau vorbereiten müssen. Sie hat einen Sprach-Coach engagiert, nicht nur um den Text sauber zu artikulieren, sondern, wie sie sagt, „den Tonfall einer Kindfrau zu finden, die sich erotischen Wünschen und Wahnvorstellungen ergibt“.

          Salome, in der Inszenierung die einzige Figur mit einem Gesicht inmitten von maskenhaften Männer-Schemen, ist in ihrer Darstellung zunächst ein junges und schönes, aber berechnendes Mädchen, deren Unschuld schon vor der ersten Umarmung zerbrochen ist. Es ist ihre heiß-kalte Verführungskunst, mit der sie den jungen Narraboth dazu bringt, sich aus Liebe zu ihr zu töten. Ihre Leidenschaft bricht auf in dem Moment, in dem sie von Jochanaan mit den Worten eines misogynen Priesters angeprangert wird, und sie äußert sich in einem übersteigert-sexualisierten Sprechen, wenn sie seinen Körper mit ekstatischen Worten wie aus dem Hohelied der Liebe preist und, weil zurückgewiesen, mit dem Unrat des Mundes beschmutzt.

          Asmik Grigorian erlöste diese in die rhetorische Groteske übersteigerten Texte von jedem Schwulst und ließ hineinblicken in die verborgenen Seite der Sexualität, in „das Stück Nacht, das jeder von uns in sich trägt“ (Michel Foucault). Wahrhaft bestürzend, wenn sie nach dem Tanz für Herodes – in dieser Inszenierung inszeniert als Erstarrung der fast nackten Salome auf einem Stein – mit der süßesten Stimme den Kopf des Jochanaan fordert, eine grauenhafte Forderung, die sie acht Mal wiederholt: mal kindlich-fordernd, mal trotzig, mal in greller Wut. Dabei gelang es ihr, noch einmal den Schock auszulösen, den die Oper vor einem Jahrhundert ausgelöst hat. Dieses Meisterstück singdarstellerischen Agierens hat sie „weitgehend unabhängig vom Regisseur“ erarbeitet. „Es war“, sagt sie, „zunächst reine Kopfarbeit, parallel zu der Arbeit des Regisseurs. Erst in der Generalprobe konnte ich mich in der Figur freilassen.“

          Schon einen Tag nach der Aufführung wurde der Über-Nacht-Weltstar mit Angeboten überschüttet. Die Bayerische Staatsoper München wie die Metropolitan Opera New York stehen, so hört man, Schlange mit Angeboten, all die Partien zu singen, die derzeit nicht oder nur unzureichend besetzt werden können. So als wollten sie sagen: „Gib mir die Stimme der Asmik Grigorian.“

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