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Serie zur Zukunft der Festspiele Was in Bayreuth möglich wäre

20.07.2008 ·  Mit der Chance eines Neubeginns steht das Bayreuther Festival vor der Verpflichtung, sich die Idee Richard Wagners neu zu vergegenwärtigen. Wir fragen Protagonisten des Musiklebens: Was würden Sie auf dem Grünen Hügel ändern wollen?

Von Julia Spinola
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Die Bayreuther Festspiele stehen unmittelbar vor einer neuen Ära. Wolfgang Wagner hat vor einigen Wochen für den 31. August, den Tag nach seinem neunundachtzigsten Geburtstag, seinen Rücktritt als Leiter der Festspiele angekündigt. Die bevorstehende Festivalsaison, die am 25. Juli mit der Neuinszenierung des „Parsifal“ eröffnet wird, ist die letzte, die unter seiner Führung stattfindet.

Wagner ließ sich zu diesem lange erwarteten Schritt jedoch überhaupt nur bewegen, weil ihm seitens des für die Nachfolge zuständigen Stiftungsrates der Bayreuther Festspiele signalisiert worden war, man werde sich für die von ihm bevorzugte Doppelspitze mit seinen beiden leiblichen Töchtern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier entscheiden. Dies war satzungswidrig geschehen, noch bevor ein geregeltes Verfahren überhaupt eröffnet worden war. Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der bayerische Staatsminister Thomas Goppel hatten die beiden Halbschwestern, die sich zuvor kaum kannten und nicht im Traum daran gedacht hatten, sich gemeinsam zu bewerben, in einem Brief dazu aufgefordert, ein Konzept für die Leitung der Festspiele einzureichen – und dies, obwohl Eva Wagner-Pasquier ein solches bereits gemeinsam mit ihrer Cousine Nike Wagner eingereicht hatte, während sich Katharina Wagner schon zusammen mit Christian Thielemann und Peter Ruzicka beworben hatte.

Auch externe Bewerber dürfen Konzepte einreichen

Tatsächlich ist das Verfahren mit der letzten Stiftungsratssitzung am 29. April eröffnet worden. Seitdem läuft eine viermonatige Bewerbungsfrist, innerhalb deren die vier Stämme der Nachkommenschaft Richard Wagners mit der Mehrheit ihrer Stimmen einen Kandidaten aus dem Kreis der Familie vorschlagen können. Gleichzeitig sind – auch wenn der Stiftungsrat dies lieber verschweigen möchte – laut Satzung externe Bewerber eingeladen, ihre Konzepte einzureichen. Der Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl kommentierte diesen Punkt auf der im Anschluss an die letzte Stiftungsratsitzung abgehaltenen Pressekonferenz immerhin mit den Worten, der Briefkasten sei „nicht zugeklebt“.

Schließlich sieht die Satzung noch die Einberufung einer „dreiköpfigen Sachverständigenkommission“ vor, wenn der Rat „Zweifel darüber“ hat, „ob ein Mitglied der Familie Wagner für den Posten des Festspielunternehmers besser oder ebenso gut geeignet ist wie andere Bewerber“. Die Mitglieder der Kommission wären aus dem Kreis der Intendanten der großen Opernhäuser des deutschsprachigen Raumes zu berufen.

Eine Serie zur Zukunft der Richard-Wagner-Festspiele

Von der durch die Vertreter der öffentlichen Hand lancierten Intrige (siehe auch: Bayreuth: Feudaler Staatsstreich) wollte man nach der Stiftungsratssitzung naturgemäß nichts mehr wissen. So versuchte die Vertreterin des Bundes, Ingeborg Berggreen-Merkel, auf der Pressekonferenz, den regelwidrigen Eingriff der Politiker zu rechtfertigen, indem sie vorgab, Sinn des Briefes an die Wagner-Halbschwestern sei es lediglich gewesen, eine „inhaltliche Diskussion“ darüber anzuregen, „was in Bayreuth alles möglich sei“.

Diese Diskussion, die im Stiftungsrat nicht stattzufinden scheint, möchten wir mit einer Serie zur Zukunft der Richard-Wagner-Festspiele eröffnen. Wir haben maßgebliche Protagonisten des kulturellen Lebens – Intendanten führender Opernhäuser, Regisseure, Komponisten, Dirigenten, Schriftsteller und Wissenschaftler – nach ihren Visionen für Bayreuth befragt. Denn mit der Chance eines Neubeginns steht das Festival nun auch vor der Verpflichtung, sich die Festspielidee Richard Wagners neu zu vergegenwärtigen und die Möglichkeiten ihrer heutigen Realisierung ernsthaft zu durchdenken.

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Jahrgang 1962, Redakteurin im Feuilleton.

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