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Schläpfer choreografiert Brahms Neu bewegte Gemälde erobern den Schwanensee

Martin Schläpfers Ballett am Rhein tanzt in Duisburg die Uraufführung „Johannes Brahms - Symphonie Nr. 2“ und Werke von Antony Tudor und Frederick Ashton.

© Ballett am Rhein Vergrößern So sieht sie also aus, die zweite Symphonie von Johannes Brahms: Biegsam, kraftvoll, dialogisch und klar genug aufgebaut, dass man sich nichts tut.

Wäre Antony Tudors Ballett „Jardin aux Lilas“ ein Bild, bemerkte Hans van Manen nach der Premiere des Balletts am Rhein am Samstagabend, dann würde der 1936 im Londoner Mercury Theatre uraufgeführte Liebesreigen unter Fliederbäumen bei Christie’s oder Sotheby’s sicherlich fünf Millionen erzielen. Das ist gut geschätzt. Zum Vergleich: Max Beckmanns wenige Jahre später entstandenes Porträt „Anni (Mädchen mit Fächer)“ erzielte 2005 in der Villa Grisebach 3 911 500 Euro. Falls es gekauft wurde, um jeden Tag betrachtet zu werden, welchen unermesslichen Wert wird es seither für seinen neuen Besitzer erreicht haben? Nun, ein vergleichbar bereicherndes Ballett ist Tudors „Jardin aux Lilas“! Man wünschte, es könnte einem so gegenwärtig sein wie Anni ihrem Käufer.

Wer aber Tudors „Fliedergarten“ tanzen will, riskiert eine ganze Menge. Eine Compagnie von heute wie das Ballett am Rhein ist für die Einstudierung auf einen achtzig Jahre alten Ballettmeister angewiesen, dessen Verehrung für den 1987 gestorbenen Choreographen über die Zeit ins Unendliche gewachsen ist. Kein Choreograph hinterlässt Notationen und Erklärungen, die ausreichend wären, Werke unabhängig von ihm einzustudieren.

Eine gelungene Wiederbelebung

Es ist also ein Wagnis, in die Tanzgeschichte hinabzutauchen und ihre Schätze an die Oberfläche zu holen. Hat man die richtigen Tänzer? Wird zwischen ihnen und dem beschriebenen Ballettmeister (und alt gewordenen Star) ein Band entstehen, anhand dessen sich der geschichtliche Abstand ausmessen und überbrücken lässt?

Faszinierende Fragen - wer je erlebt hat, wie ein in der Literatur als interessant geschildertes Ballett zum ersten Mal vor den eigenen Augen Gestalt annimmt und dann nicht mehr als sachliche, verstandesmäßige Achtung auslöst, fürchtet sich auch ein wenig vor Abenden wie Martin Schläpfers „b 14“. Es wurde aber ein vierteiliger Glücksabend.

Was man, wenn es um Bilder geht, so leicht erreichen kann, indem man ein Museum aufsucht, darauf muss man im Ballett oft lange warten und hoffen. Hier in Duisburg, wo angeblich den Leuten das Ballett fremd ist, das Theater aber ausverkauft war und viele demonstrativ zum Applaus aufstanden, hier gelang die Wiederbelebung derart, dass man nicht nur die berühmte Nadel hätte fallen hören können, sondern nicht einmal der Luftzug von Wimpernschlägen spürbar schien: nicht blinzeln, nicht rascheln, nur nichts verpassen!

Bis der Vorhang fällt

Allein Ernest Chaussons „Poème“ für Violine und Orchester op.25 ist zu schön für Unkonzentriertheit - es wurde mit aller romantischen Intensität erfüllt von den Duisburger Philharmonikern unter Generalmusikdirektor Axel Kober. Im Fliedergarten begegnen sich beim „Jungfernabschied“, einem Fest, mit dem sich die Braut von ihrer Mädchenzeit verabschiedet, in sommerliche Pastellfarben und Ausgehuniformen gekleidete junge Leute der guten Gesellschaft. In knappen Gesten und ungeheuer freien Bewegungen entwirft Tudor sein zentrales Figurenquartett, dessen Beziehungen so schwierig und schmerzhaft sind, dass die Bühne wie unter Strom steht.

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