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Salzburger Osterfestspiele : Maßlos enttäuscht und verärgert

  • -Aktualisiert am

Bald in Baden-Baden: Die Berliner Philharmoniker spielen 2012 zum letzten Mal bei den Salzburger Osterfestspielen Bild: dpa

Die haben sie uns pfiffig weggepascht: Die Berliner Philharmoniker brechen mit den Salzburger Osterfestspielen und wechseln nach Baden-Baden. An der Salzach steht man ab 2013 ohne „Hausorchester“ da.

          Gerüchte und zuletzt lautes Gegrummel hatte es hinter den Kulissen schon seit Jahren gegeben, jetzt ist es offiziell: Die Berliner Philharmoniker beenden die Zusammenarbeit mit den Salzburger Osterfestspielen, und zwar mit Saisonende 2012. Das 1966 von Herbert von Karajan gegründete Festival, das neben den Pfingst- und den Sommerfestspielen als exklusivstes unter den drei Salzburger Großkulturereignissen gilt, steht somit von 2013 an ohne „Hausorchester“ da. Entsprechend harsch klingen die Reaktionen aus Salzburg. Von einer „Riesenblamage“ für die Stadt ist die Rede und vom „Ende eines wunderbaren Kapitels Salzburger Kulturgeschichte“.

          Delikat wird die Situation dadurch, dass der vom Orchester gefällte Entschluss mit dem Wechsel nach Baden-Baden verbunden ist. Von 2013 an werden die Berliner Philharmoniker dann in der kaum weniger exklusiven Kurstadt an der Oos ein neues Festival bestreiten. Noch hat das Kind keinen offiziellen Namen, aber da die neuen Musikfesttage ebenfalls jährlich zur Osterzeit stattfinden sollen, sieht der Intendant des Baden-Badener Festspielhauses, Andreas Mölich-Zebhauser, keinen Grund, warum es in Zukunft nicht „Osterfestspiele Baden-Baden“ geben sollte - und damit ein zweifelsohne hochkarätiges und vielbeachtetes Festival mehr auf der musikalischen Landkarte Europas.

          Besonders rücksichtsvoll gegenüber den Salzburger Osterfestspielen erscheint solch direkte Konkurrenz selbstredend nicht. Schon jetzt schäumen die Offiziellen an der Salzach und ergehen sich in Vermutungen, was zum Bruch der Berliner mit ihrer Stadt geführt haben könnte. Er sei „vor allem deshalb maßlos enttäuscht und verärgert“, sagte Bürgermeister Heinz Schaden, „weil der Wechsel von langer Hand vorbereitet worden sein muss“, und sprach sogar von „Vertragsbruch“. Auch die Landeshauptfrau Gabi Burgstaller vermutet, „dass ökonomische Aspekte die kulturellen Interessen ausgestochen“ haben könnten.

          Die Sächsische Staatskapelle Dresden als Nachfolger - eine charmante Spekulation
          Die Sächsische Staatskapelle Dresden als Nachfolger - eine charmante Spekulation : Bild: dpa

          Wie es weitergeht, ist völlig offen

          Mölich-Zebhauser beteuert, dass er den Salzburgern keineswegs den Fehdehandschuh hinwerfen wolle und die Abwerbung der Berliner Philharmoniker auch nicht aktiv betrieben habe. Der Wunsch zum Wechsel sei vielmehr vom Orchester selbst ausgegangen, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Er habe dem Orchester und seinem Chefdirigenten Simon Rattle lediglich schon 2009 zu verstehen gegeben, dass sie in seinem Festspielhaus eine Bleibe finden würden, „wenn es für euch in Salzburg nicht weitergeht“. Wegen der festgefahrenen Strukturen in Salzburg und des starren Abo-Systems, das programmatische Erneuerungen behindert, sei der Schritt absehbar gewesen. Gemeinsam mit Rattle will Mölich-Zebhauser nun ein Festivalkonzept erarbeiten, das auch kleinere Konzertformate, Kammermusikreihen und alternative Spielorte in der Stadt berücksichtigt und zudem Schulprojekte und Education-Programme der beiden Institutionen vernetzt.

          Im Zentrum der neuen Osterfestspiele soll aber nach wie vor der Doppelschlag aus großen Konzerten und einer Opern-Eigenproduktion stehen. Wie es in Salzburg von 2013 an Ostern weitergeht, ist völlig offen. Bürgermeister Schaden will an einem „Top-Festival auf international höchstem Niveau“ festhalten. Womöglich könnten die organisatorisch bislang getrennten Sommerfestspiele den Havaristen in ihre Obhut nehmen. Eine charmante Spekulation lautet zurzeit, dass entweder die Wiener Philharmoniker oder die Sächsische Staatskapelle Dresden unter ihrem neuen Chefdirigenten Christian Thielemann in die Bresche der Berliner springen - beileibe kein schlechter Ersatz.

          Quelle: F.A.Z.

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